
BP verkauft Gelsenkirchener Raffinerie an Klesch Group und erhöht Kostenziele
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
BP hat eine Vereinbarung zum Verkauf seiner Gelsenkirchener Raffinerie und der damit verbundenen Geschäfte in Deutschland an die europäische Raffineriegruppe Klesch Group unterzeichnet. Der Kaufpreis wurde nicht offengelegt. Diese Transaktion ist ein wesentlicher Bestandteil von BPs umfassender Strategie, das Portfolio zu vereinfachen und sich auf integrierte Geschäftsfelder zu konzentrieren.
Strategische Neuausrichtung und Portfolio-Vereinfachung
Der Verkauf der Gelsenkirchener Raffinerie ist ein entscheidender Schritt in BPs Bestreben, die Bilanz zu stärken und die Komplexität des Portfolios zu reduzieren. Carol Howle, Interims-CEO von BP, betonte, dass die Transaktion die Widerstandsfähigkeit des fokussierten Raffinerieportfolios erhöht und BP weiterhin entschlossen handeln wird, um den Cashflow und die Renditen zu steigern. Patrick Wendeler, Deutschlandchef von BP, äußerte sich dankbar für die jahrzehntelangen Beiträge der Raffinerie zum Geschäft und zeigte sich zuversichtlich, dass die Klesch Group der richtige Eigentümer für das nächste Kapitel von Gelsenkirchen ist.
Erhöhte Kostensenkungsziele
Im Zuge dieser Veräußerung hat BP sein Ziel für strukturelle Kostensenkungen bis 2027 auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar angehoben. Dies beinhaltet erwartete jährliche Einsparungen von rund 1 Milliarde US-Dollar bei den zugrunde liegenden Betriebsausgaben, die durch die Gelsenkirchener Transaktion erzielt werden. Das neue Ziel entspricht etwa 30 % der Kostenbasis von BP im Jahr 2023.
Dies ist die zweite Erhöhung des Kostensenkungsziels: Ursprünglich wurden im Februar 2025 Einsparungen von 4 bis 5 Milliarden US-Dollar angestrebt, die nach einer strategischen Überprüfung von Castrol im Februar 2026 auf 5,5 bis 6,5 Milliarden US-Dollar angehoben wurden. Der Verkauf trägt zudem dazu bei, den Cash-Breakeven-Punkt für BPs verbleibendes Raffineriegeschäft bis 2027 im Vergleich zu 2024 um etwa 3 US-Dollar pro Barrel zu senken.
Details der Transaktion und Anlagen
Die Transaktion mit der Klesch Group umfasst neben der Gelsenkirchener Raffinerie auch das Tanklager Bottrop, das Geschäft von DHC Solvent Chemie, Anteile an Logistik-Joint Ventures sowie Marketingaktivitäten für Petrochemikalien und nicht-markengebundene Business-to-Business-Kraftstoffe, die in Gelsenkirchen produziert werden. BP hat zudem Abnahmevereinbarungen getroffen, um die regionale Versorgung mit Bodenkraftstoffen, Flugkraftstoff und Koks aufrechtzuerhalten.
Der Gelsenkirchener Komplex verarbeitet jährlich etwa 12 Millionen Tonnen Rohöl und verfügt über eine Rohöldestillationskapazität von 265.000 Barrel pro Tag. Er erstreckt sich über zwei Standorte in Horst und Scholven und produziert eine Vielzahl von Produkten:
- Flugkraftstoff
- Diesel
- Benzin
- Heizöl
- Über 50 weitere Produkte für die chemische Industrie
Auswirkungen auf BP und die Belegschaft
Der Verkauf wird die mit Gelsenkirchen verbundenen Verbindlichkeiten, einschließlich Pensionsverpflichtungen und anderer Rückstellungen, aus der Bilanz von BP entfernen. Die Transaktion ist Teil von BPs umfassendem Divestment-Programm von 20 Milliarden US-Dollar, das bis 2027 abgeschlossen werden soll. Bis zum vierten Quartal 2025 (Ergebnisse vom 10. Februar 2026) hatte BP bereits Veräußerungen von über 11 Milliarden US-Dollar angekündigt oder abgeschlossen.
Die integrierte Anlage beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiter. BP geht davon aus, dass die Belegschaft, einschließlich der Mitarbeiter in Logistik und Vertriebsunterstützung, nach Abschluss der Transaktion zum neuen Eigentümer wechseln wird.
Klesch Group: Langfristige Vision
A. Gary Klesch, Vorsitzender der Klesch Group, betonte die strategische Ausrichtung seines Unternehmens auf die langfristige Führung hochwertiger Raffinerieanlagen. Er erklärte, dass die Gelsenkirchener Raffinerie gut in diese Vision passe und eine starke Grundlage für nachhaltige Wertschöpfung biete.
Klesch versicherte den Mitarbeitern, dass ihr Fachwissen für den zukünftigen Erfolg der Raffinerie von zentraler Bedeutung bleibe. Die Klesch Group sei entschlossen, starke Partnerschaften sowohl mit den Mitarbeitern als auch mit dem Betriebsrat zu schmieden. Der Abschluss des Deals wird für die zweite Hälfte des Jahres 2026 erwartet, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen.