CBS News: Bari Weiss, Ellisons und Trumps Einfluss auf "60 Minutes

CBS News: Bari Weiss, Ellisons und Trumps Einfluss auf "60 Minutes

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Die jüngste Entscheidung von CBS News-Chefin Bari Weiss, ein bereits beworbenes "60 Minutes"-Segment über die Trump-Administration kurzfristig abzusetzen, hat eine intensive Debatte über redaktionelle Unabhängigkeit ausgelöst. Diese Kontroverse wird durch die komplexen finanziellen und politischen Verflechtungen der CBS-Eigentümerfamilie Ellison mit der Trump-Administration zusätzlich befeuert.

Kontroverse um "60 Minutes"-Segment

Das von Sharyn Alfonsi recherchierte "60 Minutes"-Segment sollte die Deportationen venezolanischer Migranten durch die Trump-Administration in das berüchtigte CECOT-Gefängnis in El Salvador beleuchten. Obwohl die Sendung von CBS im Vorfeld beworben wurde und interne Prüfprozesse durchlaufen hatte, wurde sie wenige Stunden vor der geplanten Ausstrahlung am Sonntagabend abrupt zurückgezogen. CBS News begründete dies mit der Notwendigkeit zusätzlicher Recherchen und redaktioneller Arbeit.

Sharyn Alfonsi äußerte sich intern kritisch: "Meiner Ansicht nach ist das jetzige Absetzen – nachdem jede rigorose interne Prüfung erfüllt wurde – keine redaktionelle, sondern eine politische Entscheidung." Sie betonte, dass die Verweigerung einer Stellungnahme durch die Regierung nicht als Veto für eine Geschichte dienen dürfe, da dies der Administration einen "Kill Switch" für unliebsame Berichterstattung in die Hand geben würde. Die ausführende Produzentin von "60 Minutes", Tanya Simon, erklärte, dass die Chefredakteurin eine andere Vision für den Beitrag gehabt habe und sie sich letztendlich fügen musste.

Bari Weiss verteidigte ihre Entscheidung am Montagmorgen gegenüber ihren Mitarbeitern. Sie erklärte, die Geschichte sei nicht "fertig" gewesen und habe nicht "den Ball vorangebracht", da eine Stellungnahme der Trump-Administration vor der Kamera fehlte. Weiss betonte, dass es bei "60 Minutes" darum gehe, die Hauptakteure vor die Kamera zu bekommen und die Zuschauer an erster Stelle stünden. Eine Sprecherin von CBS News bestätigte, dass der Bericht zu einem späteren Zeitpunkt ausgestrahlt werde, sobald die zusätzlichen Recherchen abgeschlossen seien.

Bari Weiss's Führungsstil und strategische Ausrichtung

Bari Weiss, die im Oktober zur Chefredakteurin von CBS News ernannt wurde, gilt seit ihrem Amtsantritt als "Blitzableiter". Ihr Führungsstil wird als disruptiv und direkt beschrieben. Sie hat sich selbst als Moderatorin einer primetime Town Hall mit der konservativen Aktivistin Erika Kirk positioniert, was als Abkehr von der traditionellen Praxis, dass Führungskräfte im Hintergrund bleiben, gewertet wird. Diese Sendung, die reguläres Programm verdrängte, wurde von Weiss selbst moderiert, um die von ihr gewünschte Fairness für die konservative Figur Erika Kirk zu gewährleisten.

Berichten zufolge steuert Weiss CBS News in eine eher rechtsgerichtete Richtung, was sowohl Aufmerksamkeit als auch Kritik hervorruft. Ihre Ernennung erfolgte im Rahmen eines Deals, der von Paramount-Eigentümer David Ellison eingefädelt wurde. Paramount Skydance erwarb The Free Press, die von Weiss gegründete Meinungswebsite, für 150 Millionen US-Dollar.

Die Ellison-Familie und politische Verflechtungen

Die Entscheidung von Weiss wird vor dem Hintergrund der engen Verflechtungen der Ellison-Familie mit der Trump-Administration betrachtet. David Ellisons Vater, Larry Ellison, Gründer von Oracle, finanzierte die Übernahme von Paramount durch seinen Sohn. Larry Ellison ist ein enger Verbündeter von Donald Trump und hat in der Vergangenheit Spendenaktionen für ihn veranstaltet.

Oracle erhielt die Genehmigung, einen Teil der US-Operationen von TikTok zu erwerben, ein Deal, der von der Trump-Administration mit der chinesischen Regierung ausgehandelt wurde. Zudem versuchen die Ellisons, Trump für ihr Gebot zum Kauf von Warner Bros. Discovery zu gewinnen. Dieser Deal würde die Zustimmung des vom Trump-Regime kontrollierten Justizministeriums sowie anderer Regulierungsbehörden erfordern. Larry Ellison hat eine "unwiderrufliche persönliche Garantie" über 40,4 Milliarden US-Dollar für das Angebot von Paramount für Warner Bros. Discovery abgegeben, dessen Gesamtwert 77,9 Milliarden US-Dollar (ohne Schulden) beträgt. Das Angebot von Paramount beinhaltet auch die Finanzierung durch die Private-Equity-Firma von Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn. Es ist jedoch zu beachten, dass David Ellison im vergangenen Jahr über 900.000 US-Dollar zur Wiederwahl von Joe Biden beigetragen hat.

Trumps Sicht auf CBS News

Präsident Donald Trump hat sich auf seiner Truth Social-Plattform über die Berichterstattung von "60 Minutes" unter der neuen Eigentümerschaft beschwert. Er schrieb: "Für diejenigen Leute, die denken, ich stehe den neuen Eigentümern von CBS nahe, bitte verstehen Sie, dass 60 Minutes mich seit der sogenannten 'Übernahme' weitaus schlechter behandelt hat, als sie es je zuvor getan haben." Er fügte hinzu: "Wenn sie meine Freunde sind, dann möchte ich meine Feinde nicht sehen!"

Diese Äußerungen stehen im Kontrast zu früheren Kommentaren Trumps, in denen er Weiss als "großartige" neue Führungspersönlichkeit bezeichnete, obwohl er sie nicht persönlich kannte. Trump hatte zuvor eine Klage gegen CBS wegen der Bearbeitung eines Interviews mit der ehemaligen Vizepräsidentin Kamala Harris im Jahr 2024 beigelegt und behauptet, CBS habe ihm "viel Geld" gezahlt.

Interne Spannungen und die Zukunft von CBS News

Die Entscheidungen von Bari Weiss haben zu internen Spannungen bei CBS News geführt. Langjährige Moderatoren wie Maurice DuBois und John Dickerson haben "CBS Evening News" nach weniger als einem Jahr als Co-Moderatoren verlassen. DuBois' Abgang soll hinter den Kulissen kontrovers gewesen sein.

Mitarbeiter äußern Bedenken, dass die jüngsten Entscheidungen die Arbeit der Reporter behindern könnten, und einige fordern ein Treffen mit Weiss. Die Situation wirft Fragen über die redaktionelle Unabhängigkeit und die zukünftige Ausrichtung von CBS News in einer sich wandelnden Medienlandschaft auf.

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