
Corcept CORT: Aktienkurs halbiert nach FDA-Brief – Was steckt dahinter?
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Corcept Therapeutics, ein mittelständisches Biotechnologieunternehmen, hat kürzlich einen erheblichen Kursrückgang erlebt, nachdem die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA einen vollständigen Antwortbrief (Complete Response Letter, CRL) für seinen Medikamentenkandidaten Relacorilant ausgestellt hatte. Dieser Rückschlag führte zu einem Kurssturz von 50 % an einem einzigen Tag und löste Spekulationen über Insider-Transaktionen aus, die jedoch genauer betrachtet werden müssen.
Corcept Therapeutics im Fokus: Ein Biotech-Unternehmen stellt sich vor
Corcept Therapeutics ist spezialisiert auf die Entwicklung und Vermarktung von Therapien für schwere endokrine und onkologische Erkrankungen. Das Unternehmen nutzt seine Expertise in der Cortisol-Modulation, um ungedeckten medizinischen Bedarf zu adressieren. Corcept generiert seine Einnahmen hauptsächlich aus Korlym, einer FDA-zugelassenen Therapie für das Cushing-Syndrom. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen über eine wachsende Pipeline von selektiven Cortisol-Modulatoren, die auf metabolische, onkologische und neuropsychiatrische Störungen abzielen.
Kurssturz nach FDA-Ablehnung für Relacorilant
Am 31. Dezember 2025 erlebten Anleger von Corcept Therapeutics (NASDAQ: CORT) einen Schock, als der Aktienkurs des Unternehmens um 50 % einbrach. Auslöser war der Erhalt eines vollständigen Antwortbriefs (CRL) von der FDA für Relacorilant, eine vorgeschlagene Behandlung für Patienten mit Hypercortisolismus, auch bekannt als Cushing-Syndrom. Die FDA kam zu dem Schluss, dass sie ohne zusätzliche Wirksamkeitsnachweise keine positive Nutzen-Risiko-Bewertung für Relacorilant abgeben konnte.
Diese Nachricht löschte an diesem Tag über 3,6 Milliarden US-Dollar der Marktkapitalisierung des Unternehmens aus. Zuvor hatte Corcept die Wirksamkeit und die kommerziellen Aussichten von Relacorilant wiederholt betont und versichert, dass der Zulassungsantrag bis Ende 2025 genehmigt werden würde. Die Kanzlei Hagens Berman hat daraufhin am 6. Januar 2026 eine Untersuchung eingeleitet, um zu prüfen, ob Corcept Investoren über die Wirksamkeit und die kommerziellen Aussichten von Relacorilant in die Irre geführt haben könnte.
Insider-Transaktionen: Was bedeuten sie für Anleger?
Kurz vor dem Kurssturz, am Dienstag, dem 30. Dezember 2025, hat William Guyer, Chief Development Officer von Corcept Therapeutics, 20.000 Aktien durch Open-Market-Transaktionen im Wert von etwa 703.656 US-Dollar verkauft. Dies erfolgte unmittelbar nach der Ausübung von 20.000 Aktienoptionen. Nach diesem Verkauf reduzierte sich Guyers direkter Aktienbesitz von 21.235 auf 1.235 Aktien, was einer Reduzierung von 94,18 % seines direkten Aktienanteils entspricht. Er hält jedoch weiterhin Aktienoptionen für 250.000 Aktien.
Diese Transaktion, die durch eine SEC Form 4-Meldung offengelegt wurde, wird als Portfoliomanagement und nicht als eine Veränderung der langfristigen Einschätzung interpretiert. Die verbleibende Beteiligung von Guyer ist überwiegend derivativ, wobei Optionen eine weitaus höhere Aufwärtsempfindlichkeit bieten als die geringe Anzahl der direkt gehaltenen Aktien. Es gab auch frühere Insider-Verkäufe: Joseph K. Belanoff, CEO, verkaufte am 1. Dezember 2025 40.000 Aktien für rund 3,19 Millionen US-Dollar, und Sean Maduck, President of Corcept Endocrinology, reduzierte ebenfalls seine Bestände.
Finanzielle Stärke trotz Rückschlag
Trotz des regulatorischen Rückschlags für Relacorilant zeigte Corcept Therapeutics im dritten Quartal 2025 eine solide finanzielle Leistung. Der Umsatz stieg auf 207,6 Millionen US-Dollar, verglichen mit 182,5 Millionen US-Dollar im Vorjahr, angetrieben durch das anhaltende Wachstum der Korlym-Verschreibungen. Das Management bestätigte die Umsatzprognose für das Gesamtjahr von 800 Millionen bis 850 Millionen US-Dollar.
Das Unternehmen beendete das Quartal mit 524 Millionen US-Dollar an Barmitteln und Investitionen, was eine flexible Bilanz auch inmitten klinischer Unsicherheiten gewährleistet. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich auf 675,04 Millionen US-Dollar (TTM), mit einer EBIT-Marge von 11,3 % und einer Bruttomarge von über 98,2 %. Das Unternehmen weist zudem eine starke Liquidität auf, mit einem Current Ratio von 3,1 und einem Quick Ratio von 2,9.
Analystenmeinungen und Ausblick
Die Nachricht über den CRL führte zu einer Reihe von Herabstufungen der Kursziele durch Analysten. H.C. Wainwright senkte das Kursziel von 145 US-Dollar auf 90 US-Dollar, behielt aber die "Buy"-Einstufung bei. Canaccord reduzierte das Kursziel von 140 US-Dollar auf 99 US-Dollar, ebenfalls mit einer "Buy"-Einstufung. Wolfe Research stufte die Aktie von "Peer Perform" auf "Underperform" herab und setzte ein Kursziel von 30 US-Dollar.
Analysten betonen, dass das Korlym-Geschäft weiterhin stark ist und keine zusätzlichen Einbußen durch genetische Faktoren erwartet werden. Canaccord sieht den Ausverkauf der Aktien als Kaufgelegenheit und glaubt weiterhin an das Wachstumspotenzial von Korlym sowie an die potenzielle Zulassung von Relacorilant bei platinresistentem Eierstockkrebs, für das ein FDA-Entscheidungsdatum am 11. Juli 2026 festgelegt ist. Die Kernbotschaft bleibt die klinische Umsetzung und der weitere Weg für Relacorilant, nicht ein einzelnes administratives Liquiditätsereignis.