
Cramer: Zinsen steuern den Markt, nicht Geopolitik – Prognosen für die Zukunft
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Der bekannte Finanzexperte Jim Cramer von CNBC betont, dass Anleger den aktuellen Aktienmarkt nicht voreilig als stabil bezeichnen sollten. Der eigentliche Motor des Marktes seien die Zinsen und nicht geopolitische Ereignisse, so Cramer in seiner Sendung "Mad Money".
Zinsen als Haupttreiber des Marktes
Cramer wies am Montag darauf hin, dass der S&P 500 möglicherweise am Montag, dem 30. März, seinen Tiefpunkt erreicht hat. Dieser Wendepunkt sei jedoch nicht auf "irgendetwas im Zusammenhang mit den Aktien selbst" zurückzuführen, sondern auf die Zinsen. Die Anleiherenditen zogen sich stark zurück, nachdem der Vorsitzende der Federal Reserve, Jerome Powell, in einer Rede an der Harvard University signalisiert hatte, dass die Zentralbank trotz höherer Ölpreise von einer Zinserhöhung absehen würde.
"Das ist, wie wichtig Powells Kommentare waren", sagte Cramer und hob deren Auswirkungen auf Anleihen, Öl und vor allem auf Aktien hervor. Die veränderten Erwartungen trugen zur Stabilisierung der Aktien bei, selbst als die Spannungen im Nahen Osten eskalierten.
Geopolitische Spannungen und ihre Rolle
Cramer betonte, dass Schlagzeilen über den Iran, Ölpreise oder potenzielle Störungen in der Straße von Hormus die Rallye der letzten Woche nicht diktierten – die Zinsen taten es. "Wenn die Zinsen steigen würden", warnte er, "hätten wir einen Bärenmarkt von ziemlich beträchtlichem Ausmaß begonnen." Er verwies auf die Anfälligkeit zinssensitiver Sektoren wie Wohnungsbau, Banken und Versorgungsunternehmen.
Aktuelle Risiken und die Berichtssaison
Trotz der Stabilisierung sieht Cramer weiterhin erhebliche Risiken für den Markt. Der Inflationsdruck bleibt hoch, geopolitische Spannungen bestehen, und Unternehmen könnten bald schwächere Ausblicke veröffentlichen, wenn die Berichtssaison an Fahrt aufnimmt. Der wahre Test werde kommen, wenn in den kommenden Wochen mehr Unternehmen ihre Ergebnisse vorlegen. Diese könnten die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen höherer Energiekosten und anhaltender Unsicherheit aufzeigen.
Cramers Fazit ist klar: "Der Anleihemarkt ist für den Aktienmarkt verantwortlich, selbst in Kriegszeiten."
Cramers Prognosen für die Zeit nach dem Konflikt
In einer früheren Einschätzung prognostizierte Jim Cramer, wie die US-Märkte reagieren würden, sobald der US-Iran-Konflikt beendet ist. Er beschrieb eine Marktrallye, bei der Aktien stark zulegten und die Renditen von Staatsanleihen sanken, als einen "Probelauf dessen, was letztendlich passieren wird". US-Aktienindizes stiegen um über 2 %, nachdem Medienberichte auf eine mögliche Deeskalation hindeuteten.
"Heute haben wir gesehen, was passieren würde, wenn man dem Frieden eine Chance gibt", sagte Cramer. Er glaubt, dass sich die US-Märkte nach einem Kriegsende in drei Weisen verändern werden.
Anleiherenditen und Inflationsdruck
Zunächst erwartet Cramer einen spürbaren Rückgang der Zinsen, insbesondere der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen. Diese sind in den letzten Wochen aufgrund erhöhter Inflationsrisiken durch höhere Öl- und Energiekosten sowie geringerer Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen der Federal Reserve im Jahr 2026 gestiegen.
Cramer erklärte, dass ein großer Teil der Inflation aus dem Krieg stamme, nicht nur durch steigende Ölpreise, sondern auch durch "Begleitprodukte" aus dem Golf wie Dünger, Polyethylen und Aluminium. "Man lässt den Dünger wieder sinken, man stoppt die schädliche Lebensmittelinflation", fügte er hinzu.
Rebound bei Wachstumswerten und Bankaktien
Zweitens prognostiziert Cramer einen deutlichen Aufschwung bei Wachstumswerten. Er verwies auf den Anstieg von Nvidia- und Marvell-Aktien um 5 % bzw. 13 % an einem Dienstag. Sobald die Zinsen sinken, könnten sich Anleger wieder auf die Stärken wachstumsstarker Unternehmen konzentrieren, ohne die Belastung durch den Nahostkonflikt.
Drittens sagte Cramer eine große Rallye der US-Bankaktien voraus. Obwohl der Krieg Bedenken hinsichtlich eines Rückgangs der Wall-Street-Geschäfte aufgeworfen hat, sollte der Finanzsektor profitieren.
Pharma-Aktien als sicherer Hafen bei Unsicherheit
Angesichts der Unsicherheit, die durch steigende Ölpreise und eine mögliche wirtschaftliche Verlangsamung entsteht, riet Jim Cramer bereits am 25. März Anlegern, sich auf sicherere, dividendenstarke Pharma-Aktien zu konzentrieren. Der Ölpreis ist im Jahresverlauf um über 50 % gestiegen, und höhere Energiekosten könnten der Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen und es der Federal Reserve erschweren, die Zinsen zu senken.
Cramer stimmte der Einschätzung des Chartanalysten Bob Lang zu, dass Anleger in unsicheren Zeiten Kapital in sichereren Marktbereichen wie Pharma-Aktien schützen sollten. Langs Ansicht nach könnte sich die Wirtschaft in den frühen Phasen eines Abschwungs befinden. Cramer empfahl "große, qualitativ hochwertige Pharma-Namen mit reichlich Dividenden", darunter Pfizer, Merck und Bristol-Myers, als "Lehrbuch-Abschwung-Aktien". Er betonte jedoch, dass viel davon abhänge, ob die Federal Reserve bereit sei, die Zinsen zu senken.