
Davos 2026: Agentic AI wird zum CEO-Mandat und treibt Innovationen voran
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Das Weltwirtschaftsforum in Davos 2026 steht ganz im Zeichen einer neuen Ära der Künstlichen Intelligenz: der Agentic AI. CEOs zeigen sich nicht nur optimistisch, sondern sehen die erfolgreiche Implementierung von KI als entscheidend für ihre eigene Position und den Unternehmenserfolg an, während geopolitische Themen und eine Vertrauenskrise die Diskussionen abrunden.
Agentic AI dominiert die Agenda in Davos
Die Atmosphäre beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos ist von nervöser Spannung und Aufregung geprägt. Ein zentrales Thema, das die Gespräche der Führungskräfte bestimmt, ist die "Agentic AI". Diese Form der Künstlichen Intelligenz geht über generative Modelle hinaus, indem sie in der Lage ist, zu argumentieren, Arbeitsabläufe zu orchestrieren und Aktionen in realen Betriebsumgebungen, einschließlich Handel und Zahlungsverkehr, auszuführen.
Demis Hassabis, Leiter von Google Gemini, berichtete, dass Gemini 3 Meilensteine erreicht hat, die eine wahre Verbreitung der Agentic AI ermöglichen. Auch Bill McDermott, CEO von ServiceNow, ist überzeugt und nutzt die Technologie bereits zur Automatisierung seiner IT-Abteilung, wobei er betont, dass dies ohne Entlassungen, sondern durch Umschulung von Mitarbeitern geschieht. Salesforce-CEO Marc Benioff präsentierte EVA, einen AI-Agentic-Concierge für das WEF, der weit über einen traditionellen Chatbot hinausgeht und als "Doer" agieren kann. Benioff sieht die "agentic enterprise" als eine neue Unternehmensarchitektur. Microsoft-CEO Satya Nadella betonte, dass die globale Priorität darin liege, KI so einzusetzen, dass sie "die Ergebnisse von Menschen und Gemeinschaften verändert".
CEOs: Optimismus und strategische Priorität bei KI
Laut dem jährlichen AI Radar Report von BCG, der 640 CEOs und 2.360 Führungskräfte befragte, beschleunigen Unternehmen ihre Investitionen in KI massiv. Zwei Drittel der CEOs sehen KI-Innovation als eine der drei wichtigsten strategischen Prioritäten. Trotz früherer Bedenken sind 82% der CEOs optimistischer in Bezug auf KI als noch vor einem Jahr.
Dieser Optimismus wird als "Überlebensinstinkt" der CEOs beschrieben. Die Hälfte der befragten CEOs glaubt, dass ihre Jobsicherheit von einem erfolgreichen KI-Einsatz im Jahr 2026 abhängt. Die KI-Strategie ist damit offiziell zum "CEO-Mandat" geworden und hat sich von einer rein technischen Angelegenheit des CTOs gelöst. Ein Drittel der CEOs weist mindestens 20% ihres Transformationsbudgets der KI zu, ein weiteres Drittel sogar über 40%. Nur 6% der Unternehmen planen, Investitionen zurückzufahren, falls KI im Jahr 2026 nicht die gewünschten Ergebnisse liefert.
Neue Anwendungsfelder: Von Energieintelligenz bis Agentic Commerce
Die praktische Anwendung von KI zeigt sich in verschiedenen Sektoren:
- Energieintelligenz: Olivier Blum, CEO von Schneider Electric, verfolgt das Ziel, Daten aus verschiedenen Energiequellen in einem "Data Cube" zu erfassen und mittels Agentic AI zu filtern. Kunden sollen so Energie und Kosten sparen können, was ein jährliches Wachstumspotenzial von 7-10% für Schneider Electric birgt.
- Agentic Commerce: Mastercard positioniert sich als Infrastruktur- und Regelschicht für den agentengesteuerten Handel. Sherri Haymond von Mastercard betonte gegenüber Axios, dass "Agentic Commerce nur mit der Geschwindigkeit des Vertrauens skalieren wird". Mastercard's Agent Pay wird in Microsofts Copilot Checkout und OpenAIs Instant Checkout-Programm in ChatGPT integriert, mit einem Schwerpunkt auf identitätsverifizierten Transaktionen.
- Google Glasses 2.0: Demis Hassabis ist optimistisch, dass "Gemini glasses" die zukünftige Form der Consumer AI darstellen könnten, da KI die fehlende "Super-App" für die Plattform liefert, die beim ersten Versuch vor einem Jahrzehnt fehlte. Auch Meta und OpenAI sollen an ähnlichen "Super-Devices" arbeiten, wobei Gemini's Fähigkeiten derzeit als überlegen gelten.
- **Skalierung in Unternehmen:** Das WEF zitiert Beispiele wie Foxconn und Boston Consulting Group, die ein "AI agent ecosystem" skalieren, um 80% der Entscheidungsabläufe zu automatisieren und geschätzte 800 Millionen US-Dollar an Wert freizusetzen.
Geopolitische Debatten und die Vertrauenskrise
Neben der Technologie prägen auch geopolitische Fragen die Diskussionen. Präsident Trumps Wunsch nach einer vollständigen Übernahme Grönlands löste unterschiedliche Reaktionen aus, von Empörung bis zu starker Unterstützung. Ein CEO äußerte die Sorge, dass Europa mit restriktiveren Maßnahmen für große US-Tech-Unternehmen reagieren könnte. Ein anderer bezeichnete dies als "nationale Sicherheitsbedenken", die nicht nur die USA, sondern auch die NATO betreffen. Die Teilnehmer zeigten sich optimistisch, dass persönliche Treffen in Davos die Angelegenheit positiv beeinflussen könnten.
Der jährlich in Davos vorgestellte Edelman Trust Barometer zeigt eine "insuläre" Denkweise in der Geschäftswelt, bei der 70% der Befragten nicht mit Personen unterschiedlicher Weltanschauung sprechen, arbeiten oder sich im selben Raum aufhalten möchten. Richard Edelman mahnt CEOs, diese Krise mit Dringlichkeit anzugehen, da "die Zeit abläuft".
Unternehmensnachrichten und Marktbewegungen
- **Fortune's Most Admired Companies:** Apple führt die Liste der "Fortune 2026 World’s Most Admired Companies" zum 19. Mal in Folge an. Diese jährliche Rangliste wird in Zusammenarbeit mit Korn Ferry erstellt und basiert auf Umfragen unter Führungskräften, Direktoren und Analysten.
- **Netflix-Deal:** Die Co-CEOs von Netflix, Ted Sarandos und Greg Peters, lobten die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery während ihres Earnings Calls am Dienstag als Stärkung des Streaming-Geschäfts und Produktionsschub für Amerika. Investoren zeigten sich jedoch besorgt, dass der Deal Netflix vom Kerngeschäft ablenken könnte, woraufhin der Aktienkurs nachbörslich um fast 5% fiel.
- Märkte: S&P 500 Futures stiegen um 0,19%, nachdem die letzte Sitzung mit einem Minus von 2,06% geschlossen hatte. Der STOXX Europe 600 sank im frühen Handel um 0,41%, der U.K.’s FTSE 100 um 0,02%. Japans Nikkei 225 verzeichnete ein Minus von 0,41%, während Chinas CSI 300 um 0,09% zulegte. Der südkoreanische KOSPI stieg um 0,49%, Indiens NIFTY 50 fiel um 0,3%. Bitcoin notierte bei 89.000 US-Dollar.