Fed-Unabhängigkeit unter Druck: Bessent plant Kurswechsel und neue Führung

Fed-Unabhängigkeit unter Druck: Bessent plant Kurswechsel und neue Führung

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Die Federal Reserve, die unabhängige Zentralbank der USA, sieht sich zunehmendem Druck und beispielloser Kritik seitens der Trump-Administration ausgesetzt. Diese Spannungen werfen Fragen über die zukünftige Autonomie der Fed, ihre Führung und ihre geldpolitische Ausrichtung auf, während Finanzminister Scott Bessent weitreichende Reformen signalisiert.

Spannungen zwischen Weißem Haus und Federal Reserve

Die Beziehung zwischen dem Weißen Haus und der Federal Reserve war in den letzten Monaten von erheblichen Spannungen geprägt. Ein prägendes Bild war der Besuch von Präsident Trump bei der Fed im Juli, der erst der vierte in der US-Geschichte war. Dort stritt er sich öffentlich mit Fed-Vorsitzendem Jerome Powell über angebliche Kostenüberschreitungen bei Gebäuderenovierungen, obwohl Powell bereits eine Erklärung abgegeben hatte, dass das Projekt im Zeitplan lag.

Quellen innerhalb der Fed und eng verbundener Behörden berichten von einer Stimmungsänderung: Von anfänglichem Optimismus, dass der politische Fokus nachlassen würde, hin zu einer mentalen Vorbereitung auf eine Flut von Beleidigungen, Überprüfungen und beispielloser Kritik. Die traditionelle Nicht-Einmischung soll die Glaubwürdigkeit beider Institutionen stärken.

Angriffe auf die Fed-Autonomie

Im Vorfeld der Wahlen behauptete Präsident Trump, Powell habe politisch gehandelt, indem er die Zinsen gesenkt habe, um Präsident Biden zu helfen – ein Affront gegen die gesetzlich verankerte Autonomie der Organisation. Vizepräsident JD Vance setzte sich für mehr politische Kontrolle über den Leitzins ein. Trump bezeichnete Powell öffentlich als „Too Late Powell“, „sturen Esel“, „großen Verlierer“ und „dumme Person“.

Die Wall Street zeigte sich besorgt über diese Angriffe. Auch wenn sie sich Zinssenkungen wünschte, wollte sie die Unabhängigkeit der Zentralbank nicht gefährdet sehen. Nachdem Trump von der Idee abgerückt war, Powell zu entlassen, konzentrierte er sich auf andere Mitglieder des Federal Open Market Committee (FOMC). Im September versuchte er, Fed-Gouverneurin Lisa Cook über soziale Medien abzusetzen, indem er ihr falsche Angaben in einem Hypothekenantrag vorwarf. Cook bestreitet dies und hat ihren Fall vor den Obersten Gerichtshof gebracht; die Anhörungen beginnen im Januar.

Die Zukunft der Fed-Führung und -Politik

Finanzminister Scott Bessent hat seine Absicht bekundet, bei der Suche nach einem neuen Fed-Vorsitzenden einen „Schattenvorsitzenden“ zu ernennen, der die wahre Macht bei der Fed innehaben soll, während Powell, dessen Amtszeit im Mai endet, zunehmend übersehen wird. Dieser Vorschlag war nicht populär, doch das Weiße Haus hat einen sehr öffentlichen Rekrutierungsprozess eingeleitet.

Die öffentliche Natur des Auswahlprozesses birgt die Sorge, dass bereits Druck auf den potenziellen Kandidaten ausgeübt wird, bevor dieser überhaupt Einfluss innerhalb der Zentralbank sammeln konnte. Paul Donovan von UBS wies darauf hin, dass die zunehmende Uneinigkeit innerhalb der Federal Reserve Probleme für Powells Nachfolger schaffen könnte, da ein unter Powell zur Abweichung bereites FOMC unter einem weniger respektierten Vorsitzenden noch stärker dazu neigen könnte.

Mögliche Reformen der Fed-Kommunikation und -Strategie

Bessent signalisierte auch mögliche Änderungen am Inflationsrahmen und der Kommunikationsstrategie der Fed. Er deutete an, dass Kevin Miran bis Februar oder März ins Weiße Haus zurückkehren könnte, was mit einer wahrscheinlichen Entscheidung über den nächsten Fed-Vorsitzenden zusammenfällt. Bessent sprach sich für ein Inflationsziel in Form einer „Spanne“ statt eines festen Punktes aus, betonte jedoch, dass eine solche Änderung erst angemessen wäre, wenn die Inflation wieder fest unter 2 % liegt.

Ein weiterer Reformvorschlag Bessents ist die Abschaffung des „Dot Plot“, der vierteljährlichen Projektion der Zinserwartungen der FOMC-Mitglieder. Eine solche Maßnahme würde eine signifikante Verschiebung in der Art und Weise darstellen, wie die Zentralbank ihre geldpolitischen Absichten kommuniziert. Diese Bemerkungen tragen zur wachsenden Marktsensibilität hinsichtlich der Unabhängigkeit der Federal Reserve, ihrer Kommunikationsinstrumente und ihrer langfristigen Glaubwürdigkeit bei.

Wirtschaftliche Vision der Regierung für 2026

Die Trump-Administration verfolgt eine umfassende Wirtschaftsstrategie für 2026. Finanzminister Bessent betonte das Ziel, das Haushaltsdefizit unter 3 % des BIP zu senken. Für das Kalenderjahr wird eine fiskalische Kontraktion von etwa 200 bis 300 Milliarden US-Dollar prognostiziert, nachdem das Defizit bereits von 1,8 Billionen auf 1,78 Billionen US-Dollar gesunken ist.

Weitere Kernpunkte der Vision umfassen den strategischen Einsatz von Zöllen als nationales Sicherheitsinstrument zur Rückverlagerung der Produktion. Zudem plant die Regierung, den „Gain-of-Function“-Fußabdruck der Federal Reserve aggressiv zu verkleinern und den „Motor der Ungleichheit“ einzudämmen. Ein „Trump Account“ – eine 1.000-Dollar-Investition für jedes Kind bei der Geburt – soll die Kluft zwischen Main Street und Wall Street überbrücken. Bessent bezeichnete 2025 als das Jahr, in dem „der Tisch gedeckt wurde“, und 2026 als das Jahr des „Festmahls“.

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