
Fed vor Zinspause: Powells Abschied und Warshs Übernahme im Fokus
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Die US-Notenbank Federal Reserve steht vor ihrer dritten Zinsentscheidung des Jahres 2026, bei der eine weitere Zinspause erwartet wird. Im Fokus steht dabei auch der voraussichtlich letzte Auftritt von Jerome Powell als Fed-Vorsitzender, während hartnäckige Inflation und ein robuster Arbeitsmarkt die Entscheidung prägen.
Fed-Sitzung: Erwartete Zinspause
Die Federal Reserve wird am Mittwoch ihre Zinsentscheidung bekannt geben, wobei der Federal Open Market Committee (FOMC) die Zinsen voraussichtlich unverändert lassen wird. Die überwältigende Mehrheit der Ökonomen geht davon aus, dass die Fed ihren Leitzins im aktuellen Bereich von 3,5% bis 3,75% beibehalten wird. Das CME Group's FedWatch Tool zeigte am Dienstag eine 100%ige Wahrscheinlichkeit für eine Zinspause. Dies wäre die dritte aufeinanderfolgende Pause in diesem Jahr, nachdem die Notenbank bereits im Januar und März die Zinsen stabil gehalten hatte. Die Entscheidung wird am Mittwoch um 14 Uhr ET bekannt gegeben, gefolgt von einer Pressekonferenz mit Jerome Powell um 14:30 Uhr ET.
Inflation und Arbeitsmarkt: Ein Dilemma für die Fed
Die Entscheidung der Fed erfolgt vor dem Hintergrund erhöhter Energiepreise und einer Inflation, die seit fünf Jahren über dem 2%-Ziel der Zentralbank liegt. Roger Ferguson, Ökonom und ehemaliger stellvertretender Vorsitzender der Fed, betonte gegenüber CNBC, dass auf der Inflationsseite noch viel zu tun sei, da die Inflationsrate bei hartnäckigen 3% liege. Gleichzeitig sei der Arbeitsmarkt zwar schwach, aber nicht in Not geraten, was Ferguson als "ungefähr stabil" bezeichnete. David Mericle, Ökonom bei Goldman Sachs, erwartet, dass die Erklärung nach der Sitzung die "besseren Nachrichten vom Arbeitsmarkt und höhere Inflationszahlen" anerkennen, aber die aktuelle geldpolitische Leitlinie unverändert lassen wird.
Jerome Powells Abschied und die Nachfolge von Kevin Warsh
Die aktuelle Sitzung könnte die letzte für Jerome Powell als Vorsitzender der Federal Reserve sein, da seine Amtszeit am 15. Mai endet. Er wird voraussichtlich von Kevin Warsh abgelöst, dessen Bestätigungsanhörung vor dem Senatsbankenausschuss letzte Woche stattfand. Warshs Weg zur Nachfolge wurde durch die Ankündigung von US-Staatsanwältin Jeanine Pirro geebnet, dass ihr Büro eine Untersuchung gegen Powell wegen der Renovierung des Fed-Hauptquartiers in Washington, D.C., einstellt. Senator Thom Tillis, ein Republikaner aus North Carolina, hatte zuvor angekündigt, Warshs Nominierung zu blockieren, bis die Untersuchung abgeschlossen sei. Nun ist er bereit, die Nominierung voranzutreiben. Gregory Daco, Chefökonom bei EY-Parthenon, erwartet, dass Kevin Warsh rechtzeitig für die FOMC-Sitzung im Juni bestätigt wird. Powell hatte zuvor erklärt, er werde gehen, wenn die Untersuchung des Justizministeriums "gut und wirklich beendet, mit Transparenz und Endgültigkeit" sei.
Externe Faktoren beeinflussen die Wirtschaft
Die Fed-Entscheidung wird auch von externen Faktoren beeinflusst, darunter der Iran-Krieg, der die Energiepreise in die Höhe getrieben und die Inflation auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren gebracht hat. Zudem bewertet die Zentralbank weiterhin die wirtschaftlichen Auswirkungen der Zölle von Präsident Trump. Goldman Sachs-Ökonomen schrieben in einer Forschungsnotiz vom 26. April, dass der FOMC voraussichtlich seine "Abwarten-Botschaft" wiederholen werde, da der Krieg mit dem Iran die wirtschaftlichen Aussichten weiterhin trübe und Risiken für Inflation und Aktivität berge.
Blick nach vorn: Neue Inflationsmessgrößen
Neben der Zinsentscheidung steht diese Woche ein weiteres wichtiges Wirtschaftsereignis an: die Veröffentlichung der Daten zum Personal Consumption Expenditures Price Index (PCE) für März am Donnerstagmorgen. Die Fed bevorzugt den PCE-Index gegenüber dem Consumer Price Index (CPI) als Inflationsmaß, da er ein breiteres und flexibleres Instrument zur Messung von Echtzeitänderungen darstellt. Kevin Warsh, der designierte Nachfolger von Powell, äußerte sich während seiner Bestätigungsanhörung kritisch und erklärte, dass weder PCE noch CPI ein ausreichendes Barometer für Preisstabilität seien. Er bevorzugt "trimmed averages", die "alle Tail Risks, alle einmaligen Posten" herausnehmen, um die "verallgemeinerte Preisänderung" zu messen. Deutsche Bank-Ökonom Justin Weidner sieht darin einen klaren Vorteil, da Inflation unpräzise gemessen werde und das Ausschließen von "Rauschen" hilfreich sei.