Fukushima 15 Jahre danach: Japans Weg zwischen Wiederaufbau und Kernenergie-Renaissance

Fukushima 15 Jahre danach: Japans Weg zwischen Wiederaufbau und Kernenergie-Renaissance

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Fünfzehn Jahre nach der verheerenden Nuklearkatastrophe von Fukushima Daiichi im Jahr 2011 steht Japan weiterhin vor enormen Herausforderungen, hat aber auch einen bemerkenswerten Wandel in seiner Energiepolitik vollzogen. Während die Aufräumarbeiten am Kraftwerk noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen werden, setzt die japanische Regierung verstärkt auf die Kernenergie als Säule ihrer zukünftigen Energieversorgung.

Die Katastrophe von Fukushima Daiichi: Ein Rückblick

Am 11. März 2011 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9,0 die Küste Japans und löste einen Tsunami aus, der das Stromnetz zerstörte und die Reaktoreinheiten des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi überflutete. Innerhalb von drei Tagen kam es in den drei aktiven Kernen des Kraftwerks zu Kernschmelzen. Die hohen radioaktiven Freisetzungen führten zu einer Einstufung des Vorfalls als Level 7 auf der Internationalen Skala für nukleare und radiologische Ereignisse – die höchste Stufe, die zuvor nur von der Katastrophe von Tschernobyl 1986 erreicht wurde.

Infolge der Katastrophe mussten über 100.000 Menschen ihre Häuser verlassen, und noch mehr wurden aus der Region vertrieben. David W. Miller, außerordentlicher Professor für Nuklear-, Plasma- und Radiologische Technik an der University of Illinois Urbana-Champaign, der an den Forschungs- und Wiederherstellungsarbeiten beteiligt war, betonte, dass die Zusammenarbeit und der Wissensaustausch entscheidend für den Erfolg im Nuklearzeitalter seien. Er merkte an, dass die Katastrophe durch eine rangorientierte statt kollaborationsbasierte Machtstruktur und politische Einmischung verschärft wurde. Japan hat daraufhin seine nukleare Regulierungsstruktur reformiert.

Herausforderungen der Dekommissionierung und Wasserfreisetzung

Die Aufräumarbeiten am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi konzentrieren sich auf die Dekommissionierung, die als eine der größten Herausforderungen gilt. Die Einheiten 1, 2 und 3 des Kraftwerks enthalten schätzungsweise 880 Tonnen hochradioaktiver Brennstoffreste. Die extremen Strahlungswerte verhindern, dass Arbeiter die Reaktoren betreten können, weshalb Roboterarme für die Bergung eingesetzt werden. Im Jahr 2024 begann TEPCO mit Versuchen, bei denen in einem ersten Versuch 0,9 Gramm und im April 2025 weitere Stücke von weniger als 3 Gramm aus Einheit 2 geborgen wurden.

Die vollständige Entfernung der geschmolzenen Brennstoffreste aus Reaktor 3, ursprünglich für die frühen 2030er Jahre geplant, wurde im Juli 2025 auf frühestens das Fiskaljahr 2037 verschoben. Diese Verzögerung macht das von der Regierung gesetzte Ziel, die Dekommissionierung bis 2051 abzuschließen, nahezu unmöglich. Ein weiteres zentrales Thema ist die Freisetzung von behandeltem Wasser, das radioaktives Tritium enthält. Das mit dem Advanced Liquid Processing System (ALPS) gereinigte Wasser, das bis auf Tritium von Nukliden befreit ist, wird seit August 2023 in den Pazifik abgeleitet. Bis Dezember 2025 wurden sechs von sieben geplanten Freisetzungen für das Fiskaljahr 2025 durchgeführt, wodurch das Lagervolumen bei Fukushima Daiichi um 6 % reduziert wurde. Im November 2025 hob China seinen pauschalen Importstopp für japanische Meeresfrüchte teilweise auf.

Juristische Entwicklungen und Haftungsfragen

Die juristische Aufarbeitung der Katastrophe hat in den letzten Jahren wichtige Wendungen genommen. Am 6. Juni 2025 hob der Oberste Gerichtshof Tokio ein wegweisendes Urteil aus dem Jahr 2022 auf, das vier ehemaligen Führungskräften der Tokyo Electric Power Company (TEPCO), darunter dem ehemaligen Vorsitzenden Katsumata Tsunehisa, die Zahlung von 13 Billionen Yen Schadenersatz auferlegt hatte. Das Gericht entschied, dass die Manager den massiven Tsunami, der die dreifache Kernschmelze verursachte, nicht vernünftigerweise hätten vorhersehen können.

In einem weiteren Rechtsstreit wies der Erste Kleine Senat des Obersten Gerichtshofs am 22. Januar 2026 die Berufungen in neun Sammelklagen von Evakuiertengruppen ab. Diese hatten Entschädigung von der japanischen Regierung und TEPCO für die erzwungene Evakuierung gefordert. Frühere Urteile der Oberlandesgerichte hatten TEPCO zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt, die Haftung der Regierung jedoch abgelehnt.

Japans Kurswechsel in der Kernenergiepolitik

Fünfzehn Jahre nach der Katastrophe erlebt Japan einen deutlichen politischen Kurswechsel hin zur Kernenergie. Premierministerin Sanae Takaichi, die im Oktober ihr Amt antrat und die erste Frau in dieser Position sowie an der Spitze der Liberaldemokratischen Partei ist, ist eine starke Befürworterin der Kernenergie. In ihrer Grundsatzrede vor dem japanischen Parlament im Februar betonte sie mehrfach die Bedeutung der Kernenergie. Sie unterstützt die Beschleunigung des Neustarts von Kernkraftwerken, die von der Nuclear Regulation Authority als sicher eingestuft wurden, sowie die Entwicklung fortschrittlicher Reaktoren, die auch auf stillgelegten Standorten platziert werden könnten. Takaichi sprach sich zudem für eine frühe gesellschaftliche Anwendung der Fusionsenergie aus.

Kurz nach ihrer Ernennung trafen sich Premierministerin Takaichi und US-Präsident Donald Trump, um Japans Unterstützung für Energieprojekte in den Vereinigten Staaten in Höhe von bis zu 332 Milliarden Dollar bekannt zu geben. Diese Investitionen, die Teil eines im Juli zuvor unterzeichneten Rahmenabkommens über 550 Milliarden Dollar sind, umfassen auch die nukleare Energieinfrastruktur. Dazu gehören bis zu 100 Milliarden Dollar zur Unterstützung von Westinghouse beim Bau von AP1000-Großreaktoren und kleinen modularen Reaktoren (SMRs), möglicherweise in Partnerschaft mit Mitsubishi Heavy Industries, Toshiba Group und IHI Corp. Weitere 100 Milliarden Dollar sind für den Bau von SMRs wie dem BWRX-300 vorgesehen.

Auch die Opposition unterstützt die Kernenergie. Yuichiro Tamaki, der Vorsitzende der Demokratischen Partei für das Volk, äußerte auf X, dass Japan seine Kernkraftwerke voll nutzen müsse, um als kohlenstofffreie Energiequelle die Abhängigkeit von Übersee zu verringern und steigende Energiekosten aufgrund des Iran-Konflikts zu bewältigen. Die Katastrophe von 2011 führte zur Abschaltung aller 54 japanischen Kernreaktoren. Vor 2026 wurden nur 14 von 33 betriebsfähigen Reaktoren wieder in Betrieb genommen. Im Januar begann TEPCO mit dem Neustart von Einheit 6 des Kernkraftwerks Kashiwazaki Kariwa in der Präfektur Niigata, dem ersten Neustart für den Betreiber von Fukushima Daiichi. Der Neustart wurde jedoch nach wenigen Stunden aufgrund eines Alarms während der Anfahrprozeduren unterbrochen.

Wiederaufbau und das Leben vor Ort

Während auf nationaler Ebene über Energiepolitik diskutiert wird, kämpfen die lokalen Gemeinschaften in Fukushima weiterhin mit den Folgen der Katastrophe. In Odaka, einer ehemals belebten Textilstadt, betreibt Tomoko Kobayashi das Familienunternehmen Futabaya Ryokan. Sie führt seit 2012 eigene Strahlungsmessungen durch und teilt die Daten, um den Wiederaufbau zu unterstützen. "Die Stadt wurde zerstört, und wir müssen sie wieder aufbauen. Es ist ein langwieriger Prozess, der nicht in nur ein paar Jahrzehnten abgeschlossen werden kann", sagte Kobayashi.

Trotz der Bemühungen ist nur etwa ein Drittel der 13.000 Einwohner von Odaka in den letzten zehn Jahren zurückgekehrt. Ein ehemaliger Kindergarten dient heute als Museum, da es zu wenige Kinder gibt. Kobayashi, deren Gasthaus den Tsunami überstand, aber deren Umgebung radioaktiv verseucht wurde, sieht es als ihre Lebensaufgabe an, die unsichtbare Gefahr der Strahlung zu verstehen und zu überwachen. Ihre Gäste sind oft Studenten und Menschen, die mehr über Fukushima erfahren oder neue Geschäfte eröffnen möchten, was ein Zeichen für den langsamen, aber stetigen Fortschritt des Wiederaufbaus ist.

Erwähnte Persönlichkeiten