
Globale Märkte unter Druck: Trumps Grönland-Zölle schocken Investoren
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Die globalen Finanzmärkte erlebten am Dienstag einen deutlichen Rückschlag, nachdem US-Präsident Donald Trump neue Zölle auf europäische Handelspartner angedroht hatte. Diese Drohungen stehen im Zusammenhang mit seinem Bestreben, die Insel Grönland zu erwerben, und führten zu erheblicher Unsicherheit bei Anlegern weltweit. Die Entwicklungen überschatten auch das laufende Weltwirtschaftsforum in Davos.
Globale Märkte unter Druck
Die US-Aktienmärkte eröffneten am Dienstag mit deutlichen Verlusten, nachdem sie am Montag aufgrund des Martin Luther King Jr. Day geschlossen waren. Der S&P 500 fiel nach der Eröffnungsglocke um 90 Punkte oder 1,3 Prozent, während der Dow Jones Industrial Average 611 Punkte oder 1,2 Prozent einbüßte. Der technologielastige Nasdaq Composite sank um 1,6 Prozent.
Auch die europäischen Märkte verzeichneten am Dienstag den zweiten Verlusttag in Folge. In Paris rutschte der CAC 40 um 1,2 Prozent ab, der deutsche DAX verlor 1,5 Prozent und der britische FTSE 100 gab 1,3 Prozent nach. Der italienische FTSE MIB sank ebenfalls um 1,5 Prozent. Die Volatilität an den Märkten stieg spürbar an, wobei der Cboe Volatility Index, bekannt als "Angstbarometer" der Wall Street, um 27 Prozent zulegte.
Trumps Grönland-Forderung und die Zölle
Präsident Trump kündigte am Samstag auf Truth Social an, ab Februar einen Zehn-Prozent-Zoll auf Waren aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden und Finnland zu erheben. Diese Zölle sollen am 1. Juni auf 25 Prozent steigen und für Importe aus NATO-Ländern gelten, bis eine Einigung über den Kauf Grönlands erzielt wird. Grönland ist ein autonomes Gebiet des NATO-Mitglieds Dänemark.
Die Europäische Union macht einen großen Anteil der US-Importe aus, wobei die jährlichen Lieferungen ihrer Mitgliedstaaten die aus Mexiko und China zusammen übertreffen. Trump verknüpfte seine aggressive Haltung zu Grönland mit der Entscheidung des letzten Jahres, ihm den Friedensnobelpreis nicht zu verleihen. In einer am Montag veröffentlichten Textnachricht an den norwegischen Premierminister Jonas Gahr Støre erklärte er, er fühle sich nicht länger "verpflichtet, rein an den Frieden zu denken". Zudem nannte er die Entscheidung Großbritanniens, die Chagos-Inseln an Mauritius abzutreten, als einen der Gründe für seinen Wunsch, Grönland zu übernehmen.
Trumps Drohungen haben in Europa Empörung und eine Welle diplomatischer Aktivitäten ausgelöst. Die europäischen Staats- und Regierungschefs erwägen mögliche Gegenmaßnahmen, darunter Vergeltungszölle und den erstmaligen Einsatz des Anti-Zwangs-Instruments der Europäischen Union. Zusätzlich drohte Trump über Nacht mit 200-Prozent-Zöllen auf französische Weine und Champagner, nachdem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Berichten zufolge nicht bereit war, seinem "Friedensrat" zu Gaza beizutreten. Dies führte zu Kursverlusten bei Eigentümern französischer Getränkemarken wie LVMH (-2,4 %) und Rémy Cointreau (-1,5 %).
Reaktionen aus Europa und Davos
US-Finanzminister Scott Bessent betonte am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos, dass die Beziehungen Amerikas zu Europa weiterhin stark seien. Er forderte die Handelspartner auf, "tief durchzuatmen" und die durch die Zolldrohungen über Grönland entstandenen Spannungen "sich entwickeln zu lassen". Michael Brown, Senior Research Strategist bei Pepperstone, merkte an, dass geopolitische Ereignisse heute im Fokus bleiben würden, insbesondere mögliche Gespräche in Davos.
Dan Ives, Analyst bei Wedbush Securities, bezeichnete die neue Zolldrohung als "eindeutig eine Belastung für die Konferenz". Er äußerte jedoch die Einschätzung, dass die Drohungen mit der Zeit abklingen würden. Ives schrieb in einer Kundenmitteilung: "Unsere Ansicht ist, dass, genau wie im letzten Jahr, das Bellen schlimmer sein wird als das Beißen in dieser Angelegenheit und bei Zolldrohungen, da Verhandlungen stattfinden und sich die Spannungen zwischen Trump und den EU-Führern letztendlich beruhigen werden."
Safe Havens im Aufwind
Angesichts der erhöhten geopolitischen Spannungen suchten Anleger Zuflucht in sicheren Häfen. Gold stieg um 3 Prozent auf über 4.733 US-Dollar pro Unze und erreichte damit einen neuen Rekordwert. Silber sprang sogar um mehr als 7 Prozent auf ein Rekordhoch von 95,52 US-Dollar pro Unze. Der US-Dollar, der normalerweise auch als sicherer Hafen gilt, fiel hingegen um fast 1 Prozent gegenüber einem Korb anderer führender Währungen.
Die Ölpreise zeigten sich stabil: US-Benchmark-Rohöl gewann 52 Cent auf 59,86 US-Dollar pro Barrel, während Brent-Rohöl, der internationale Standard, um 51 Cent auf 64,45 US-Dollar pro Barrel zulegte.
Weitere Marktbeobachtungen und Ausblick
Die Marktverwerfungen betrafen auch spezifische Sektoren. US-Kreuzfahrtunternehmen wie Carnival Corp, Royal Caribbean und Norwegian Cruise Line Holdings verzeichneten im vorbörslichen Handel Rückgänge von etwa 3 Prozent. Auch Modeunternehmen wie Under Armour (-3,6 %), Ralph Lauren (-2,4 %) und Abercrombie and Fitch (-3,5 %) waren betroffen, da Anleger die möglichen Kosten höherer Zölle für Einzelhändler einkalkulierten.
In dieser Woche stehen weitere US-Unternehmensgewinne und die neueste Inflationsmessung an, die von der Federal Reserve für geldpolitische Entscheidungen bevorzugt wird. Die nächste geldpolitische Sitzung der US-Notenbank findet in zwei Wochen statt. Es wird erwartet, dass sie ihren Leitzins unverändert lässt, um ein Gleichgewicht zwischen einem sich verlangsamenden Arbeitsmarkt und einer Inflation zu finden, die weiterhin über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed liegt. Die Bank of Japan hält ebenfalls noch in dieser Woche eine geldpolitische Sitzung ab.