
Globale Wirtschaft: IEA warnt vor "massiver Bedrohung" durch Iran-Krieg
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Die globale Wirtschaft steht aufgrund des Iran-Krieges vor einer "massiven, massiven Bedrohung", so die Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA). Exekutivdirektor Fatih Birol betonte, dass die aktuelle Krise im Nahen Osten schlimmere kombinierte Auswirkungen habe als die beiden Ölschocks der 1970er Jahre und die Folgen des Russland-Ukraine-Krieges auf die Gasmärkte zusammen. Kein Land werde von den Effekten dieser Krise immun sein, sollte sie sich in diese Richtung weiterentwickeln.
Globale Wirtschaft unter "massiver Bedrohung"
Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur, sprach am Montag, den 23. März 2026, vor dem National Press Club in Canberra, Australien. Er beschrieb die Krise im Nahen Osten als "sehr schwerwiegend" und hob hervor, dass sie "zwei Ölkrisen und einen Gascrashes zusammen" darstelle. Die Tiefe des Problems sei von Entscheidungsträgern weltweit nicht ausreichend gewürdigt worden, was ihn dazu bewogen habe, drei Wochen nach Kriegsbeginn öffentlich zu sprechen.
Die anhaltenden Konflikte haben bereits erhebliche Schäden verursacht. Birol berichtete, dass 40 Energieanlagen in neun Ländern der Region "schwer oder sehr schwer beschädigt" wurden. Zudem habe der Krieg gegen den Iran die globale Ölversorgung um 11 Millionen Barrel pro Tag reduziert, was mehr ist als die kombinierten Ausfälle der beiden früheren Ölschocks.
Die kritische Rolle der Straße von Hormus
Ein zentraler Faktor der aktuellen Energiekrise ist die anhaltende Blockade der Straße von Hormus durch den Iran. Durch diese strategisch wichtige Wasserstraße werden rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gaslieferungen transportiert. Der Engpass hat den Transport von Erdöl nahezu zum Erliegen gebracht und die Ölpreise in die Höhe schnellen lassen.
US-Präsident Donald Trump forderte den Iran mit einem 48-Stunden-Ultimatum auf, die Wasserstraße für alle Schiffe zu öffnen. Er drohte, andernfalls die iranischen Kraftwerke zu "vernichten". Birol bezeichnete die Wiedereröffnung der Straße von Hormus als die "einzeln wichtigste Lösung" für die Krise.
IEA-Maßnahmen und strategische Ölreserven
Angesichts der angespannten Lage konsultiert die IEA Regierungen in Europa und Asien über die mögliche Freigabe weiterer strategischer Ölreserven. Birol erklärte, dass dies geschehen werde, "wenn es notwendig ist", und man die Marktbedingungen analysieren und mit den Mitgliedsländern besprechen werde. Bereits am 11. März hatten die IEA-Mitgliedstaaten die Freigabe von rekordverdächtigen 400 Millionen Barrel Öl aus strategischen Beständen vereinbart, was 20 Prozent der Gesamtbestände entspricht.
Es gäbe keinen spezifischen Rohölpreis, der eine weitere Freigabe auslösen würde. Birol betonte jedoch, dass eine Freigabe von Reserven zwar dazu beitragen könne, die Märkte zu beruhigen und die wirtschaftlichen Belastungen zu mindern, dies aber "nicht die Lösung" sei. Die Schäden an der Energieinfrastruktur würden voraussichtlich "Monate und Monate" dauern, um das Vorkriegsniveau wieder zu erreichen, mit weitreichenden Auswirkungen auf die Wirtschaft, insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern.
Forderung nach reduzierter Energienachfrage
Die IEA warnt, dass angebotsseitige Maßnahmen allein nicht ausreichen werden, um die Märkte zu stabilisieren. Fatih Birol forderte Regierungen auf, "lauter" über die Reduzierung des Energieverbrauchs zu sprechen. Ein am Freitag veröffentlichter IEA-Bericht empfiehlt eine Reihe von Maßnahmen zur sofortigen Senkung der Energienachfrage in Unternehmen und Haushalten:
- Homeoffice: Wo immer möglich, sollte die Arbeit von zu Hause gefördert werden, um Pendelverkehr und damit den Ölverbrauch zu reduzieren.
- Tempolimits: Eine Reduzierung der Autobahngeschwindigkeiten um mindestens 10 km/h kann den Kraftstoffverbrauch von Fahrzeugen senken.
- Alternierender Autozugang: Städte könnten den privaten Autozugang basierend auf Kennzeichennummern an alternierenden Tagen einführen, um Staus und kraftstoffintensives Fahren zu verringern.
- Öffentlicher Nahverkehr: Regierungen und Unternehmen sollen Busse, Bahnen und geteilte Mobilität fördern, um eine schnelle Verlagerung vom Privatwagen zu ermöglichen.
- Effizientes Fahren: Carsharing und effizientere Fahrpraktiken, wie Fahrzeugwartung, Lastoptimierung und Eco-Driving, können den Diesel- und Benzinverbrauch reduzieren.
- Industrielle und häusliche Maßnahmen: Petrochemische Rohstoffe und Flüssiggas (LPG) sollten für wesentliche Verwendungen priorisiert werden. Industrien sollen kurzfristige Effizienz- und Wartungsmaßnahmen umsetzen, während Haushalte auf elektrische Kochmethoden umsteigen könnten.
- Flugreisen: Wo Alternativen wie Bahnreisen bestehen, sollte auf Geschäfts- oder Urlaubsflüge verzichtet werden, um die Jet-Treibstoffmärkte zu entlasten.
Die IEA betont, dass keine einzelne Maßnahme die Krise lösen wird, sondern koordinierte Anstrengungen von Haushalten, Verkehr, Industrie und Regierungspolitik erforderlich sind, um die Auswirkungen erheblich zu mildern. Selbst eine teilweise Umsetzung dieser Empfehlungen kann den Druck auf die globale Energiesicherheit verringern.