
Gold und Silber: Preise unter Druck durch US-Iran-Spannungen und Inflationssorgen
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Gold erlebte am Montag, den 20. April, einen volatilen Start in die Woche, konnte sich jedoch im frühen Handel erholen, während Silber weitgehend stabil blieb. Die Preise der Edelmetalle wurden maßgeblich von den eskalierenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran beeinflusst, die die Nachfrage nach sicheren Häfen stützten, auch wenn Inflationsrisiken die Zinsaussichten komplizierten.
Aktuelle Entwicklung der Edelmetallpreise
Die Gold-Juni-Futures (GC=F) eröffneten am Montag bei 4.764,90 US-Dollar pro Feinunze, was einem Rückgang von 2,4 % gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag (4.879,60 US-Dollar) entsprach. Im frühen Handel erholte sich der Goldpreis jedoch und stieg bis 6:35 Uhr ET auf 4.818,40 US-Dollar. Der COMEX-Goldpreis fiel am Montag um 2 % auf 4.780 US-Dollar pro Unze und machte damit den Großteil des Anstiegs der Vorwoche von 1,7 % zunichte. Spotgold sank um 0,7 % auf 4.792,89 US-Dollar pro Unze bis 0930 GMT und erreichte damit den tiefsten Stand seit dem 13. April.
Die Silber-Mai-Futures (SI=F) eröffneten am Montag bei 79,49 US-Dollar pro Unze, 2,9 % niedriger als der Schlusskurs vom Freitag (81,84 US-Dollar). Der Silberpreis zeigte im frühen Handel wenig Veränderung und stieg bis 6:35 Uhr ET leicht auf 79,52 US-Dollar. Der COMEX-Silberpreis fiel am Montag während der asiatischen Handelszeiten um 2,5 % auf 78,75 US-Dollar pro Unze. Spot-Silber verlor 1,8 % und wurde bei 79,39 US-Dollar pro Unze gehandelt.
Im Vergleich zu früheren Zeiträumen zeigten die Eröffnungspreise folgende Veränderungen:
- Gold (Eröffnung):
- Eine Woche zuvor: +1,3 %
- Ein Monat zuvor: +1,7 %
- Ein Jahr zuvor: +42,4 %
- Der Einjahresgewinn für Gold lag am 29. Januar bei 95,6 %.
- Silber (Eröffnung):
- Eine Woche zuvor: +9,2 %
- Ein Monat zuvor: +10,5 %
- Ein Jahr zuvor: +145,8 %
Seit Beginn des US-Iran-Konflikts Ende Februar ist der Goldpreis um etwa 9 % und der Silberpreis um rund 14 % gefallen.
Geopolitische Spannungen als Haupttreiber
Die Märkte reagierten auf die eskalierenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Am vergangenen Wochenende hatte Präsident Trump eine Blockade der Straße von Hormus angeordnet, nachdem Friedensgespräche mit dem Iran gescheitert waren. Am aktuellen Wochenende beschlagnahmten die USA ein iranisches Schiff und beschädigten es offenbar. Diese Entwicklungen im Nahen Osten halten Händler weiterhin in Atem.
Schiffe wurden am Wochenende in der Straße von Hormus angegriffen, was Bedenken hinsichtlich Unterbrechungen der Energieversorgung und Inflationssorgen verstärkte. Iran hatte die Wasserstraße kurzzeitig geöffnet, nachdem am Freitag ein 10-tägiger Waffenstillstand zwischen Israel und der libanesischen Gruppe Hisbollah vereinbart worden war. Die USA beschlagnahmten ein iranisches Frachtschiff im Golf von Oman als Teil ihrer Blockade. Iran sah dies als Bruch des Waffenstillstandsabkommens und schloss die strategische Wasserstraße erneut.
Die jüngsten Entwicklungen warfen Zweifel an den Chancen potenzieller Friedensgespräche in Islamabad auf. Präsident Trump deutete an, dass es noch Spielraum für ein Abkommen gebe, wiederholte aber Drohungen, die iranische Energieinfrastruktur und Brücken anzugreifen. Iran erklärte jedoch, es gebe keine "klare Aussicht" auf eine Einigung. Der Waffenstillstand soll am 22. April enden.
Die Ölpreise stiegen am Montag, nachdem sie in der vorherigen Sitzung gefallen waren. US-Aktien-Futures fielen, und der US-Dollar stärkte sich um bis zu 0,3 %, was Gold, das in US-Währung notiert wird, unter Druck setzte.
Faktoren, die Gold- und Silberpreise beeinflussen
Die Preise für Gold und Silber werden von einer Reihe von Faktoren bestimmt, die das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage beeinflussen:
- **Inflation und Zinsen:** Steigende Ölpreise verstärkten Inflationssorgen und erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass Zentralbanken die Zinsen hoch halten oder sogar weiter erhöhen. Dies ist ein negativer Faktor für zinslose Anlagen wie Edelmetalle. Wenn Inflationserwartungen steigen, erwarten Anleger, dass Zentralbanken die Zinsen länger höher halten, was die Anleiherenditen erhöht. Da Gold und Silber keine Zinsen zahlen, bevorzugen Anleger bei steigenden Anleiherenditen zinstragende Anlagen.
- US-Dollar Stärke: Ein stärkerer US-Dollar setzt Gold, das in US-Währung gehandelt wird, unter Druck. Der US-Dollar zog sich von einem Ein-Wochen-Hoch zurück, was dem Gold etwas Unterstützung verlieh. Allerdings hielten die schwindenden Chancen auf eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank (Fed) den USD von einer deutlichen Aufwertung ab. Das FedWatch Tool der CME Group deutet auf eine etwa 40%ige Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung durch die Fed bis Jahresende hin.
- Safe-Haven-Nachfrage: Geopolitische Ereignisse wie die US-Iran-Spannungen können die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen stützen.
- Angebot und Nachfrage: Diese bestimmen die Spot- und Futures-Preise.
- Einflussfaktoren: Geopolitische Ereignisse, Kaufverhalten der Zentralbanken, Inflation, Zinsen und Minenproduktion.
Gold: Spotpreise vs. Futures
Der Goldpreis kann in verschiedenen Formen angegeben werden, da das Edelmetall auf unterschiedliche Weisen gehandelt wird. Die beiden wichtigsten Goldpreise, die Anleger kennen sollten, sind Spotpreise und Gold-Futures-Preise.
- **Spotpreis:** Der Spotpreis für Gold ist der aktuelle Marktpreis pro Unze für physisches Gold als Rohmaterial, manchmal auch als Spotgold bezeichnet. Gold-ETFs, die durch physische Goldanlagen gedeckt sind, folgen in der Regel dem Gold-Spotpreis. Der Spotpreis ist niedriger als der Preis, den man für Goldmünzen, Barren oder Schmuck zahlen würde, da der Gesamtpreis einen Aufschlag, das sogenannte Gold-Premium, enthält, das Raffinierung, Marketing, Händlerkosten und Gewinne abdeckt. Der Spotpreis ist eher ein Großhandelspreis.
- Gold-Futures: Gold-Futures sind Verträge, die eine Goldtransaktion zu einem bestimmten Preis an einem zukünftigen Datum vorschreiben. Diese Verträge werden an Börsen gehandelt und sind liquider als physisches Gold. Sie werden am Verfallsdatum des Vertrags oder früher abgewickelt, entweder finanziell oder durch Lieferung. Eine finanzielle Barauszahlung beinhaltet die Zahlung des Gewinns oder Verlusts des Vertrags in bar. Lieferung bedeutet, dass der Verkäufer physisches Gold zum vereinbarten Preis an den Käufer sendet.
Ausblick für Gold und Silber
Laut einer Notiz von Mirae Asset Mutual Fund bleibt Silber volatiler als Gold, was seine doppelte Rolle als Edel- und Industriemetall widerspiegelt. Trotz starker Korrekturen von den Höchstständen Anfang 2026 wird erwartet, dass der Markt das sechste jährliche Angebotsdefizit in Folge verzeichnen wird, da die Minenproduktion nach Jahren der Unterinvestition begrenzt ist. Hohe Preise haben das kurzfristige Nachfragewachstum moderiert, aber die längerfristige strukturelle Knappheit nicht beseitigt. Die Märkte erwarten weiterhin erhöhte Durchschnittspreise im Jahr 2026, jedoch mit erheblicher Volatilität.
Ponmudi R, CEO von Enrich Money, merkt an, dass die Safe-Haven-Nachfrage zwar moderiert wurde, aber durch anhaltende geopolitische Unsicherheit gestützt bleibt. Gold und Silber ziehen selektives Kaufinteresse auf niedrigeren Niveaus an, was auf eine verbesserte Stimmung und ein günstigeres Risiko-Rendite-Profil nahe wichtiger Unterstützungszonen hindeutet.
Kurzfristig könnten die Preise unter Druck bleiben, wenn Inflation und Anleiherenditen hoch bleiben. Langfristig könnte jedoch die Unterstützung durch Käufe der Zentralbanken, Währungsdiversifizierung und geopolitische Unsicherheit den Edelmetallen helfen, sich zu stabilisieren und zu erholen.