
Goldpreis-Rückgang: Kaufgelegenheit oder Risikoasset?
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Gold hat seit seinem Rekordhoch von 5.589 US-Dollar im Januar 15 % an Wert verloren. Doch Suki Cooper, globale Leiterin der Rohstoffforschung bei Standard Chartered, ist der Ansicht, dass der Großteil des Ausverkaufs möglicherweise bereits hinter uns liegt. Sie argumentiert, dass der Rückgang einem bekannten Muster folgt, bei dem Anleger Gold liquidieren, um Margin Calls während Marktstress zu bedienen.
Goldpreis-Rückgang: Ein typisches Muster?
Laut Suki Cooper dauert dieser Liquidationsprozess typischerweise vier bis sechs Wochen, bevor Anleger ihre Positionen wieder aufbauen. Während der globalen Finanzkrise dauerte dieser Prozess sogar mehr als vier Monate. Die SPDR Gold Shares (GLD), ein beliebter Gold-ETF, notieren derzeit bei rund 435 US-Dollar, nachdem sie zuvor ein 52-Wochen-Hoch von über 509 US-Dollar erreicht hatten.
Trotz des jüngsten Preisrückgangs hat Gold seine Funktion als sicherer Hafen erfüllt, indem es Anlegern in Zeiten der Unsicherheit Liquidität bereitstellte. Insbesondere im Kontext des Konflikts zwischen den USA und Israel mit dem Iran, der globale Lieferketten belastet und Finanzmärkte in Aufruhr versetzt, hat das Edelmetall seine Rolle als Liquiditätsquelle unter Beweis gestellt. Die Turbulenzen im Nahen Osten treiben zudem die Energiepreise in die Höhe und schüren neue Inflationsängste.
Marktstimmung: Vom Überkauft zum Überverkauft
Cooper weist darauf hin, dass Gold im Januar vom überkauftesten Niveau seit 1999 zum überverkauftesten Niveau seit 2013 wechselte. Optionshändler preisen derzeit eine Volatilität ein, die seit der Pandemie nicht mehr zu beobachten war. Der März war für Gold der schlechteste Monat seit 2008, wobei der GLD über 8 Milliarden US-Dollar an Abflüssen verzeichnete.
Die Netto-ETF-Rücknahmen im März waren auf dem Weg zum stärksten monatlichen Rückgang seit September 2022. Allerdings hat sich das Tempo der Liquidation verlangsamt, was darauf hindeutet, dass die "frothy positioning" – also überzogene Positionierungen – weitgehend bereinigt sein könnten. Standard Chartered bezeichnet den jüngsten Rückgang als "False Break" und sieht ihn als Konsolidierung nach einer Überverkaufssituation.
Analystenprognosen: Bullen und Bären im Wettstreit
Die Meinungen der Analysten über die zukünftige Entwicklung des Goldpreises gehen auseinander:
- Wells Fargo erhöhte sein Goldziel für Ende 2026 auf 6.100 bis 6.300 US-Dollar pro Unze, was ein Aufwärtspotenzial von etwa 28 % bis 33 % gegenüber dem aktuellen Niveau impliziert.
- JPMorgan prognostiziert ebenfalls 6.300 US-Dollar.
- UBS sieht den Goldpreis bei 6.200 US-Dollar.
Nicht alle sind jedoch so optimistisch. Mike McGlone von Bloomberg Intelligence warnte diese Woche, dass Gold sich möglicherweise von einem sicheren Hafen zu einem "Risikoasset" entwickelt haben könnte. Er befürchtet, dass das Hoch von 2026 dem Generationenhoch der 1980er Jahre ähneln könnte. Standard Chartered betont jedoch, dass strukturelle Unterstützungen durch Zentralbankkäufe und hohe Schuldenstände intakt bleiben.
Makroökonomische Risiken und Prognosemärkte
Suki Cooper argumentiert, dass Gold das Risiko einer Rezession oder Stagflation noch nicht vollständig eingepreist hat. Dies ist relevant, da Gold in Rezessionen im Durchschnitt um etwa 15 % steigt. Die Prognosemärkte liefern hierzu interessante Einblicke:
- Der Polymarket-Kontrakt für eine Rezession im Jahr 2026 wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 % gehandelt, ein Rückgang von einem jüngsten Hoch von 37 %.
- Polymarket-Händler schätzen die Wahrscheinlichkeit eines Waffenstillstands bis Ende April auf 38 % und bis Ende Juni auf 66 %.
- Für eine Normalisierung des Verkehrs in der Straße von Hormus bis Ende April gibt Polymarket lediglich eine 21 %ige Chance an.
Sollte der Konflikt im Nahen Osten nicht kurzfristig gelöst werden und Coopers These Bestand haben, könnte Gold aus aktueller Sicht sehr günstig bewertet sein.