
Inflation bleibt hoch: Datenerfassung und Fed-Dilemma prägen Dezember-Bericht
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Die Inflation in den USA blieb im vergangenen Monat voraussichtlich erhöht und belastete die Verbraucher weiterhin durch gestiegene Kosten für Strom, Lebensmittel und Kleidung. Die bevorstehenden Inflationszahlen für Dezember sind jedoch aufgrund der sechswöchigen Regierungsschließung im Herbst, die die Datenerfassung unterbrach, schwerer vorherzusagen. Die Federal Reserve steht derweil vor der Herausforderung, ihr Inflationsziel von 2% zu erreichen, während politische Spannungen die Unabhängigkeit der Zentralbank in Frage stellen.
Inflationsdruck bleibt hoch: Die Dezember-Prognosen
Ökonomen schätzen laut FactSet, dass die Verbraucherpreise im Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 2,6% gestiegen sind, was einen leichten Rückgang gegenüber den 2,7% im November bedeuten würde. Monatlich wird jedoch ein Anstieg von 0,3% erwartet, was über dem 2%-Inflationsziel der Federal Reserve liegt. Die Kerninflation, welche die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise ausschließt, wird voraussichtlich monatlich um 0,3% und jährlich um 2,7% gestiegen sein, nach 2,6% im November.
Die Kosten für Notwendigkeiten wie Lebensmittel sind etwa 25% höher als vor der Pandemie, und auch Mieten sowie Kleidung sind teurer geworden. Diese anhaltenden Preissteigerungen tragen zur Unzufriedenheit mit der Wirtschaft bei, ein Thema, das sowohl Präsident Donald Trump als auch der ehemalige Präsident Joe Biden zu adressieren versuchten.
Die Rolle der Regierungsschließung und Datenverzerrungen
Die Datenerfassung für die Inflationsberichte wurde durch die 43-tägige Regierungsschließung, die Mitte November endete, erheblich beeinträchtigt. Einige Ökonomen erwarten daher, dass die Dezember-Zahlen einen größeren Inflationssprung zeigen könnten, da sich die Datenerfassung wieder normalisiert. Greg Daco, Chefökonom bei EY-Parthenon, warnte, dass der Bericht "extrem undurchsichtig" sein werde, da die meisten Daten von der Schließung betroffen waren.
Das Bureau of Labor Statistics (BLS) konnte seine Preiserhebungen erst Ende November durchführen, was mit den Black Friday-Verkäufen zusammenfiel und die November-Inflation möglicherweise nach unten verzerrte. Zudem nutzte das BLS eine sogenannte "Carry-forward-Methodik", bei der angenommen wurde, dass sich Preise im Monat nicht änderten, was einen Abwärtsbias auf die Inflationsdynamik bewirkte. Dies war besonders problematisch bei Wohnpreisdaten, wo keine Änderung zwischen April und Oktober impliziert wurde.
Federal Reserve im Dilemma: Zinspolitik und politische Spannungen
Die Inflation ist von ihrem Vier-Dekaden-Höchststand von 9,1% im Juni 2022 deutlich gesunken, verharrt aber seit Ende 2023 hartnäckig nahe 3%. Solange die Inflation über dem 2%-Ziel der Fed bleibt, wird die Zentralbank wahrscheinlich zögerlich sein, die Zinsen weiter zu senken. Die Fed senkte ihren Leitzins im Dezember um einen Viertelpunkt, doch der Vorsitzende Jerome Powell erklärte, die Fed werde weitere Senkungen abwarten, um die Entwicklung der Wirtschaft zu beobachten.
Die 19 Mitglieder des Zinsausschusses der Fed sind seit Monaten tief gespalten, ob der Leitzins weiter gesenkt oder bei seinem aktuellen Niveau von etwa 3,6% belassen werden soll. Donald Trump hat die Fed scharf kritisiert, weil sie den Leitzins nicht stärker gesenkt hat, was seiner Meinung nach Hypothekenzinsen und die Kreditkosten der Regierung reduzieren würde. Die Fed kontrolliert Hypothekenzinsen jedoch nicht direkt, da diese von den Finanzmärkten festgelegt werden.
Zusätzlich wurde die Fähigkeit der Fed, künftig Inflation zu bekämpfen, durch eine Entwicklung überschattet: Das Justizministerium stellte der Zentralbank Vorladungen im Zusammenhang mit Powells Kongressaussage im Juni über eine 2,5 Milliarden US-Dollar teure Renovierung von zwei Fed-Bürogebäuden zu. Powell bezeichnete diese Behauptungen als "Vorwände" für einen Versuch des Weißen Hauses, mehr Kontrolle über die Fed auszuüben. Er betonte, es gehe darum, ob die Fed weiterhin in der Lage sein werde, Zinssätze auf der Grundlage von Beweisen und wirtschaftlichen Bedingungen festzulegen, oder ob die Geldpolitik stattdessen durch politischen Druck oder Einschüchterung gelenkt werde.
Ausblick: Was erwartet die Wirtschaft?
Prognostiker erwarten im Allgemeinen, dass die Inflation im Laufe des Jahres sinken wird. Dies liegt daran, dass sich die Mietanstiege verlangsamt haben und der schwächelnde Arbeitsmarkt bedeutet, dass steigende Löhne die Inflation nicht weiter anheizen. Diese Faktoren dürften den anhaltenden Preisdruck durch Zölle, die von Präsident Donald Trumps Kampagne angeheizt wurden, überwiegen.
Fed-Beamte werden den Bericht genau beobachten, um Anzeichen dafür zu erkennen, ob Zölle die Inflation stärker als erwartet in die Höhe treiben. Während die Fed ihren Leitzins in den letzten Monaten dreimal gesenkt hat, könnte anhaltender Inflationsdruck die Zentralbank dazu zwingen, weitere Senkungen zumindest kurzfristig auszusetzen. Die Datenerfassungsprobleme der Vormonate werden jedoch voraussichtlich einen Abwärtsbias auf die Inflationsdaten bis April darstellen, dessen Ausgleich sich nur schrittweise vollziehen wird.