
Iran droht mit 200-Dollar-Öl: Globale Notreserven sollen Märkte stabilisieren
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Iran hat die Vereinigten Staaten am Mittwoch gewarnt, dass die Ölpreise auf 200 Dollar pro Barrel steigen könnten, während die eskalierenden US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf das Land die globalen Energiemärkte weiterhin erschüttern. Um einen der schlimmsten Ölschocks seit den 1970er-Jahren zu verhindern, haben die USA und die Internationale Energieagentur (IEA) eine historische Freigabe von Notreserven angekündigt. Die angespannte Lage in der Straße von Hormus verstärkt die Sorge vor weiteren Versorgungsengpässen.
Irans Drohung und die Folgen für die Ölpreise
Die Warnung vor einem Anstieg der Ölpreise auf 200 Dollar pro Barrel wurde von Ebrahim Zolfaqari, Sprecher des Khatam al-Anbiya Central Headquarters, an Washington gerichtet. Teheran betont, dass die Instabilität auf den globalen Ölmärkten das Ergebnis von Bedingungen sei, die von den Vereinigten Staaten und Israel auferlegt wurden. Zolfaqari erklärte: "Machen Sie sich bereit für Öl zu 200 Dollar pro Barrel, denn der Ölpreis hängt von der regionalen Sicherheit ab, die Sie destabilisiert haben."
Sollten die Ölpreise dieses Niveau erreichen, könnten die durchschnittlichen Benzinpreise in den USA laut Analysten über 5 Dollar pro Gallone steigen. Aktuell lag der nationale Durchschnittspreis für reguläres Benzin am Mittwoch bei 3,57 Dollar pro Gallone, so die American Automobile Association. Die Rohölpreise hatten zuvor erstmals seit 2022 die Marke von 100 Dollar überschritten, erreichten fast 120 Dollar pro Barrel und pendelten sich am Mittwoch bei etwa 90 Dollar ein. West Texas Intermediate (WTI) notierte bei knapp 86 Dollar pro Barrel.
Historische Freigabe von Ölreserven zur Marktstabilisierung
Als Reaktion auf die drohende Energiekrise haben die IEA und die USA eine koordinierte Freigabe von Notreserven beschlossen. Die IEA, bestehend aus 32 großen ölverbrauchenden Nationen, einigte sich auf die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus ihren globalen strategischen Reserven. Dies ist die größte Freigabe in der Geschichte des Programms und übertrifft die 182 Millionen Barrel, die nach der russischen Invasion in der Ukraine 2022 freigegeben wurden.
Die Vereinigten Staaten werden zusätzlich 172 Millionen Barrel aus ihrer eigenen Strategischen Erdölreserve (SPR) freigeben, beginnend nächste Woche. Dies teilte US-Energieminister Chris Wright mit. Die Auslieferung der US-Reserven wird voraussichtlich etwa 120 Tage dauern. Präsident Trump autorisierte diese Maßnahme, um die Energiepreise zu senken. Die US-Regierung plant zudem, die SPR im nächsten Jahr mit rund 200 Millionen Barrel wieder aufzufüllen, was etwa 20 % mehr ist als die entnommene Menge und keine Kosten für die Steuerzahler verursachen soll.
Die strategische Bedeutung der Straße von Hormus
Iran hat am Mittwoch zudem gewarnt, dass alle Schiffe der Vereinigten Staaten, Israels oder ihrer Verbündeten als legitime Ziele betrachtet würden, sollten sie die Straße von Hormus passieren. Diese strategische Meerenge transportiert typischerweise etwa ein Fünftel (20 %) des weltweiten Ölangebots. Die Drohung folgt auf maritime Angriffe in der vergangenen Woche und den gemeldeten Einsatz von Seeminen in der Region, bei denen mindestens 14 Handelsschiffe getroffen wurden.
Experten warnen, dass die Freigabe der Notreserven nur einen Bruchteil des Angebots ersetzen würde, das normalerweise durch die Straße von Hormus fließt. Eine längere Blockade der Meerenge könnte zu ernsthaften Versorgungsengpässen führen und Brent Crude über 150 Dollar pro Barrel treiben, so Analysten. Die IEA-Staaten haben Notölbestände bisher nur fünfmal freigegeben, darunter während des Golfkriegs 1990–1991, des Hurrikans Katrina 2005, des libyschen Bürgerkriegs 2011 und zweimal nach Russlands Invasion in der Ukraine.
Geopolitische Stabilität und Marktauswirkungen
Trotz der intensiven US-amerikanischen und israelischen Bombardierungen deuten US-Geheimdienstberichte darauf hin, dass die iranische Regierung stabil bleibt und nicht unmittelbar vom Zusammenbruch bedroht ist. Die klerikale Führung sei weiterhin kohärent, auch nach der Tötung von Ayatollah Ali Khamenei am 28. Februar. Diese Einschätzungen legen nahe, dass der Konflikt und seine Auswirkungen auf die Energiemärkte länger anhalten könnten als ursprünglich erwartet.
Die steigenden Ölpreise fachen Inflationsängste an, was zu fallenden Märkten und der Erwartung erhöhter Zinsen führt. Präsident Trump bezeichnete die steigenden Preise als "kleinen Preis für die Sicherheit und den Frieden der Welt". Der Konflikt hat bereits zu einem Engpass bei Flugzeugtreibstoff geführt, was Reisen teurer macht.
Langfristige Perspektiven und globale Risiken
Analysten von Capital Economics warnen, dass ein längerer Konflikt "dauerhaften Schaden an der Energieinfrastruktur des Golfs" anrichten könnte. Störungen durch die Straße von Hormus und weitere Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Region könnten bis 2026 und möglicherweise auch 2027 zum Verlust von etwa acht Prozent der globalen jährlichen Exporte von Rohöl und Flüssigerdgas führen. In diesem Szenario könnten die Ölpreise "während des gesamten Jahres 2026 im dreistelligen Bereich bleiben".
Länder wie Indien, die 85-90 % ihres Rohöls importieren, sind besonders anfällig. Ein Anstieg der Ölpreise um 10 Dollar weltweit würde Indiens Importrechnung um 12-15 Milliarden Dollar erhöhen und die Inflation um 30 Basispunkte steigern. Eine anhaltende Krise könnte das Ölwirtschaftsdefizit auf 220 Milliarden Dollar und das Leistungsbilanzdefizit auf über 3,1 % des BIP treiben. Die G7-Staaten beobachten die Lage genau, und Japan hat bereits angekündigt, strategische Ölreserven einzusetzen.