
Iran greift Golf-Energieinfrastruktur an: Globale Ölpreise steigen
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Die Spannungen im Nahen Osten haben sich gefährlich zugespitzt: Nach einem israelischen Angriff auf sein größtes Gasfeld hat der Iran eine Reihe von Vergeltungsschlägen gegen die vitale Energieinfrastruktur benachbarter Golfstaaten durchgeführt. Diese "gefährliche Eskalation" vertieft die Krise und hat die Ölpreise weltweit in die Höhe getrieben. Ein katarischer Beamter bezeichnete die Angriffe als "gefährliche Eskalation".
Eskalation nach Angriff auf Irans Gasfeld
Die jüngste Eskalation begann, nachdem Israel am Mittwoch Irans größtes Gasfeld, den iranischen Teil des South Pars Gasfeldes, angegriffen hatte. Dieses Feld, das Iran mit Katar teilt, ist das größte der Welt. Berichten zufolge wurde der Angriff von Israel mit Zustimmung der USA durchgeführt, obwohl keine der beiden Nationen sofort die Verantwortung übernahm.
Als Reaktion auf Israels Angriff erklärte der Iran über die halbamtliche Nachrichtenagentur Mehr News Agency, dass mehrere Energieanlagen in Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu "direkten und legitimen Zielen" geworden seien. Das Islamische Revolutionsgardekorps warnte, dass "zuvor klare und wiederholte Warnungen an Ihre Herrscher ergangen sind, diesen gefährlichen Weg zu beschreiten und mit dem Schicksal ihrer Nationen zu spielen."
Iranische Vergeltungsschläge und Ziele
Unter den Vergeltungsschlägen traf der Iran das weltweit größte Flüssigerdgas (LNG)-Terminal in Ras Laffan, Katar. Dies stellt den schwerwiegendsten Angriff auf die Energieanlagen des Landes seit Beginn des Krieges dar. QatarEnergy, das staatliche Öl- und Gasunternehmen, berichtete von Bränden und "umfangreichen Schäden" an den Produktionsanlagen für Flüssigerdgas in der Ras Laffan Industrial City, wie Fotos vom 2. März 2026 zeigen.
Laut der U.S. Energy Information Administration werden normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Flüssigerdgases von Ras Laffan aus verschifft. Ein katarischer Beamter nannte die Angriffe eine "gefährliche Eskalation". Das katarische Außenministerium verurteilte den Angriff als "gefährliche Eskalation und eine flagrante Verletzung der Souveränität des Staates sowie eine direkte Bedrohung seiner nationalen Sicherheit und der Stabilität der Region."
Später wurden Energieanlagen in Saudi-Arabien mit einer Reihe von Raketen und Drohnen angegriffen, wie das saudische Verteidigungsministerium mitteilte. Auch die Habshan-Gasanlagen in Abu Dhabi wurden laut dem Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate von Raketen getroffen. Das Ministerium betonte, dass dieser "terroristische Angriff" eine direkte Bedrohung für die Sicherheit und Stabilität der Region sowie für die globale Energiesicherheit darstelle.
Die vom Iran herausgegebene Zielliste umfasste neben Ras Laffan auch Anlagen, die raffinierte Produkte wie Benzin, Diesel und Kerosin herstellen, jedoch kein Rohöl. Zu den prominenten regionalen Öl- und Gaszielen, die der Iran als "direkte und legitime Ziele" bezeichnete, gehörten die Samref-Raffinerie und der Jubail-Petrochemiekomplex in Saudi-Arabien, das Al Hosn Gasfeld in den VAE sowie der Mesaieed-Petrochemiekomplex, die Mesaieed Holding Company und die Ras Laffan-Raffinerie in Katar.
Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte
Die Angriffe haben die globalen Energiemärkte stark beeinflusst. Nach den Schlägen stieg der Ölpreis in den USA um fast 3% auf 99 Dollar pro Barrel, während der globale Ölpreis um etwa 5% auf 108 Dollar pro Barrel kletterte. Der Benchmark Brent-Rohölpreis stieg ebenfalls um rund 5% auf über 108 Dollar. Die Dieselpreise in den Vereinigten Staaten sind zum ersten Mal seit dem Inflationsanstieg von 2022 auf über 5 Dollar pro Gallone gestiegen.
Matt Smith, leitender Ölanalyst bei Kpler, schätzt, dass die Liste der potenziellen Ziele über 1,25 Millionen Barrel pro Tag (bpd) an Ölraffineriekapazität in der Region sowie die Erdgasproduktion beeinträchtigen könnte. Die globale Ölraffineriekapazität wurde 2023 auf 103,5 Millionen bpd geschätzt. Obwohl der Produktionsausfall nur etwas mehr als 1% der globalen Raffineriekapazität ausmachen würde, könnte er dennoch erhebliche Auswirkungen auf die Gaspreise haben. Patrick De Haan von GasBuddy merkte an, dass ein Angriff auf diese Raffinerieanlagen einen noch signifikanteren Einfluss auf die Verbraucher an der Zapfsäule haben könnte als der Verlust von Rohöl.
Die Rolle der Straße von Hormus und der breitere Konflikt
Die iranischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur erfolgen zu einem Zeitpunkt, da die Straße von Hormus – die kritische Wasserstraße vor der Südküste des Iran, die den Schiffsverkehr für etwa 20% des weltweit verbrauchten Öls ermöglicht – "im Wesentlichen geschlossen" bleibt und die globale Ölversorgung drosselt. US-Präsident Donald Trump forderte Verbündete auf, sich an der Sicherung der Wasserstraße zu beteiligen.
Der Konflikt, der am 28. Februar begann, hat bereits den Schiffsverkehr aus der wichtigsten energieproduzierenden Region der Welt zum Erliegen gebracht und könnte nun dauerhafte Schäden an ihrer Infrastruktur verursachen. US-Vizepräsident JD Vance kündigte an, dass die Trump-Regierung in den nächsten 24 bis 48 Stunden Maßnahmen zur Bewältigung der steigenden Gaspreise bekannt geben werde. Das Pentagon hat zudem eine Anfrage an das Weiße Haus gerichtet, um eine Finanzierung von über 200 Milliarden Dollar für den Krieg im Iran durch den US-Kongress zu genehmigen.
Die USA und Israel haben ihre Bombardierungen des Iran fortgesetzt, während der Iran Raketen und Drohnen auf Israel und arabische Golfstaaten abfeuerte. Die US-Luftwaffe setzte 2.200 kg schwere "Bunker Buster"-Bomben gegen iranische Raketenstellungen nahe der Straße von Hormus ein, um die Wasserstraße für kommerzielle Schiffe wieder zu öffnen. Trotz der US-Angriffe auf den Exportknotenpunkt Kharg Island scheint der Iran sein eigenes Öl weiterhin nahezu auf Vorkriegsniveau durch die Straße zu transportieren.
Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte gegenüber Al Jazeera, dass "neue Regelungen für die Straße von Hormus und die Art und Weise, wie Schiffe sie in Zukunft passieren, entworfen werden müssen", um eine sichere Passage unter spezifischen Bedingungen zu gewährleisten. Eskandar Pasalar, Gouverneur von Asaluyeh, verurteilte die US-israelische Eskalation als "politischen Selbstmord" und erklärte, das "Pendel des Krieges" sei zu einem "vollständigen Wirtschaftskrieg" ausgeschlagen.