
Jamie Hodari: Vom Startup-Gründer zum Konzernlenker bei CBRE
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Jamie Hodari, Mitbegründer des Coworking-Unternehmens Industrious, das er 2012 ins Leben rief, hat es im vergangenen Jahr für 800 Millionen US-Dollar an CBRE verkauft. Nach dieser Akquisition ist der 44-Jährige nun Senior Executive bei CBRE und leitet die Abteilung für Gebäudebetrieb und -erfahrung, die das Management und den Betrieb von über 8 Milliarden Quadratfuß Fläche weltweit sowie rund 95.000 Mitarbeiter verantwortet. Parallel dazu war er ein Jahr lang weiterhin CEO von Industrious, sucht aber nun einen Nachfolger für die Plattform, die auf 200 Standorte weltweit angewachsen ist.
Der Übergang vom Gründer zum Konzernlenker
Der Schritt, sich von dem Unternehmen zu lösen, das seine Karriere maßgeblich geprägt hat, ist für Hodari vielschichtig. Er weiß, dass ein Fremder, den er erst im Laufe des Auswahlprozesses kennenlernen wird, sein "Baby" leiten wird. Dies empfindet er als beängstigend und kompliziert, gleichzeitig aber auch als äußerst aufregend. Der Übergang von der Führung eines Startups zu einer Top-Führungskraft beim weltweit größten Immobiliendienstleister CBRE war eine prägende Erfahrung.
Die Suche nach dem Nachfolger für Industrious
Bei der Suche nach einem neuen CEO für Industrious legt Hodari großen Wert auf bestimmte Eigenschaften. Er hat erlebt, wie Menschen mit großem Ego oder mangelndem Respekt gegenüber Kollegen scheiterten. Daher sucht er eine Führungspersönlichkeit, die "badass und ultra ehrgeizig" ist, aber auch Teil einer Kultur sein möchte, die von Wärme und Vertrauen geprägt ist. Die Sorge besteht, jemanden einzustellen, der zwar ein großartiger CEO ist, das Unternehmen aber in eine "unglaublich ernste Firma" verwandelt, in der Misstrauen herrscht. Der neue CEO wird direkt an Hodari berichten.
Führungsstil im Großkonzern
Die Anpassung an die Führung von 95.000 Mitarbeitern war eine Herausforderung. Industrious war stets ein Underdog, sehr persönlich, und jeder Mitarbeiter hatte ein klares Bild von Hodaris Person und Werten. Im Gegensatz dazu erfordert die Führung eines globalen Konzerns andere Kommunikationswege. Hodari postet nun deutlich mehr auf LinkedIn und erstellt Videos, um seine Botschaften zu verbreiten, wobei er zugibt, den "Code" dafür noch nicht vollständig geknackt zu haben.
Sein Führungsstil zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, "harte Dinge zu tun", aber gleichzeitig gut darin zu sein, sich in die Lage anderer zu versetzen. Er zitiert eine Zeile aus dem Buch "Project Hail Mary", die besagt, wie viel einfacher es ist, Dinge zu entwickeln, die keine Menschen am Leben erhalten müssen, als sicherzustellen, dass Menschen in einem Raum gedeihen.
Die Rolle eines "Followers" und Mentoring
Hodari empfindet es als befreiend, einen Chef zu haben, nämlich Bob Selentic, den CEO von CBRE. Die Rolle des Gründers und CEOs kann einsam sein, da Mitarbeiter oft zögerlich sind, sich nach Feierabend ungezwungen mit der Führungskraft zu unterhalten. Er erinnert sich an einen Kurs namens "Followership" an der Harvard Graduate School, der sich damit befasste, wie man ein guter Gefolgsmann ist. Für Hodari ist die Fähigkeit, ein guter Follower zu sein, ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs in der Welt.
Von Bob Selentic hat Hodari gelernt, wie wichtig die "Wahrheit der Sache" ist. Selentic hat "null Geduld für Promotion, für Spin, für so etwas". Während Startups oft eine "fake it 'till you make it"-Mentalität pflegen, muss man in einem großen börsennotierten Unternehmen "unglaublich gut darin sein, zu sagen, was man tun wird, es dann tatsächlich zu tun und eine nahezu grenzenlose Erfolgsbilanz ohne Schnickschnack aufzubauen."
Künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag
Jamie Hodari nutzt täglich Künstliche Intelligenz, stößt aber an die Grenzen der Authentizität. Er macht Sprachnotizen nach Treffen, die persönliche Details über Gesprächspartner enthalten können, wie zum Beispiel, dass deren Kind Reisefußball spielt. Mit KI könnte er dann benachrichtigt werden: "Ich habe gerade gesehen, dass das Team Ihres Kindes die Staatsmeisterschaft gewonnen hat. Das ist unglaublich." Hier stellt sich die Frage: "Habe ich die Pflicht zu sagen: 'Hey, die KI hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass das Team Ihres Kindes gerade gewonnen hat?'" Kulturell sei noch nicht definiert, was es bedeutet, authentisch im Umgang mit KI zu sein.
Karrieretipps für junge Professionals
Hodari gibt jungen Menschen zwei zentrale Ratschläge für ihre Karriere:
- Interne Motivation vor externer Validierung: Er vergleicht seine Kommilitonen an der Yale Law School: Die einen fragten sich "Was will ich tun?", die anderen "Was wird auf meinem Lebenslauf am besten aussehen?". Die erste Gruppe ist in ihrer Karriere deutlich erfolgreicher, während die zweite Gruppe, die von außen nach innen dachte, "jedem goldenen Ring nachjagte, bis sie Mitte 40 sind und keine goldenen Ringe mehr übrig sind."
- Sei einfach, mit dir zu arbeiten: Wenn jemand erfährt, dass er mit dir an einem Projekt arbeiten muss und denkt "oh Scheiße", dann ist das für Hodari "fatal".
Perspektive auf Wettbewerb und WeWork
Adam Neumann, der ehemalige Chef von WeWork, bot Industrious einst zum Kauf an und drohte, das Geschäft zu zerschlagen, falls Hodari nicht zustimmen würde. Hodari, der sich selbst als nicht besonders wettbewerbsorientiert beschreibt und Konflikte als demotivierend empfindet, sieht sich nicht als Gewinner in diesem Kontext. Er stellt fest, dass Neumann nicht sein Geschäftsstil ist und andere Entscheidungen bei WeWork getroffen hat. Dennoch erkennt er Neumanns Anliegen an, Menschen zusammenzubringen und der Isolation entgegenzuwirken. Hodari betont, dass es in der heutigen Zeit so viele Menschen wie möglich braucht, die sich in verschiedenen Bereichen für dieses Ziel einsetzen.