Kabel-TV im Niedergang: Medienlandschaft im Umbruch, Fed-Einfluss hinterfragt

Kabel-TV im Niedergang: Medienlandschaft im Umbruch, Fed-Einfluss hinterfragt

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Die US-Medienlandschaft hat laut dem jährlichen "Economics of Basic Cable"-Bericht von S&P Global Market Intelligence, Kagan Research Unit, einen Wendepunkt erreicht: Die Kabelnetzwerkbranche ist offiziell in die "Rückgangsphase ihres Lebenszyklus" eingetreten. Sinkende Einnahmen und schrumpfende Zuschauerzahlen prägen das Bild, während ein Bieterkampf um Warner Bros. Discovery die Zukunft des traditionellen Fernsehens neu definiert.

Der strukturelle Wandel im Kabelfernsehen

Der Bericht beschreibt die "Rückgangsphase" als einen Übergang, der durch fallende Einnahmen, schrumpfende Zuschauerzahlen und eine beispiellose Umstrukturierung von Bestandsanlagen gekennzeichnet ist. Obwohl der Sektor vor einer schwierigen finanziellen Entwicklung steht, ist das prägende Ereignis der Bieterkampf um Warner Bros. Discovery (WBD). Hier stehen der Streaming-Riese Netflix und das traditionelle Medienunternehmen Paramount Skydance für zwei grundverschiedene Wege für die Zukunft des Kabelfernsehens.

Der im Bericht für 2025 identifizierte Wendepunkt ist kein plötzlicher Absturz, sondern vielmehr eine strukturelle Demontage des Kabelpakets, das die Unterhaltung über Jahrzehnte dominierte.

Bieterkampf um Warner Bros. Discovery

Die WBD-Verhandlungen verdeutlichen diesen Wandel. Während Paramount Skydance das Unternehmen in seiner Gesamtheit erwerben möchte, bietet Netflix ausschließlich für WBDs Filmstudios und Streaming-Assets. Sollte Netflix erfolgreich sein, würden WBDs Kabel-Assets abgespalten, was die linearen Netzwerke effektiv isolieren würde, während der Branchenführer die Content-Engine für seine digitale Plattform kannibalisiert.

Scott Robson von S&P schrieb, dass diese Entscheidungen einen Wandel in der Medienbranche signalisieren, da Unternehmen Kabelnetzwerke zugunsten von Streaming-Diensten aufgeben. Er merkte auch an, dass die "aufstrebende Free Ad-supported Television (FAST)-Industrie" sich weiterentwickelt, da Eigentümer von Videoinhalten zunehmend Monetarisierungsmöglichkeiten außerhalb der traditionellen Kabel-Syndizierung suchen. Seit der durch Netflix eingeleiteten "Cord-Cutting"-Bewegung stehen lineare TV-Netzwerke unter Druck; die Abonnements erreichten ihren Höhepunkt bereits 2012. Rückblickend auf 2025 ist laut Robson keine Erholung in Sicht.

Finanzielle Erosion und Abonnentenverluste

Die finanziellen Daten untermauern diese Migration. Im Jahr 2024 sanken die Bruttowerbeeinnahmen für Kabelnetzwerke um 5,9 % auf 20,2 Milliarden US-Dollar, den niedrigsten Stand seit 2007. Robsons Team schätzte auch, dass die Einnahmen aus Affiliate-Gebühren, also das, was TV-Betreiber für die Ausstrahlung von Kabelnetzwerken zahlen, um fast 3 % auf rund 38,7 Milliarden US-Dollar fielen. Am aussagekräftigsten ist die Abonnentenmetrik: Die durchschnittliche Kabelnetzwerk-Abonnentenbasis schrumpfte um 7,1 % auf 31,4 Millionen Haushalte.

Strategische Abspaltungen und neue Streaming-Angebote

Die potenzielle Zersplitterung von WBD spiegelt breitere Branchenbewegungen wider. Comcast wird voraussichtlich am 2. Januar 2026 die Abspaltung seiner Kabelnetzwerke – mit Ausnahme von Bravo – in eine eigenständige Einheit namens "Versant" abschließen. Diese strategischen Schritte signalisieren, dass große Medienkonglomerate bereit sind, Kabelnetzwerke zugunsten von Streaming-Diensten aufzugeben. Dieser Trend wurde durch die Einführung der Streaming-Plattformen ESPN Unlimited und FOX One im August 2025 noch beschleunigt.

Ein "langes, langsames Ausbluten" statt eines plötzlichen Kollapses

S&P betonte jedoch, dass diese "Rückgangsphase" eher ein langes, langsames Ausbluten als einen plötzlichen Absturz vorhersagt. Robson schrieb: "Nachdem alle wichtigen Ereignisse des Jahres 2025 verdaut wurden, ist klar, dass die Branche einen Wendepunkt erreicht hat. Dennoch sieht unser Ausblick keinen großen Kollaps vor, sondern einen anhaltenden langsamen Rückgang, während sich der Übergang zum Streaming entwickelt."

Trotz des übergeordneten Abwärtstrends schien sich die Rate des Rückgangs der Pay-TV-Abonnements im Jahr 2025 zu verlangsamen, wobei die Branche im dritten Quartal sogar ein leichtes Abonnentenwachstum verzeichnete.

Live-Sport als letzte Bastion?

Betreiber versuchen, diesen Abstieg zu managen, indem sie sich an das letzte verlässliche Rettungsboot der Branche klammern: Live-Sport. Das Jahr 2026 mit den Olympischen Winterspielen und der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft wird als entscheidend angesehen. Comcast hat sogar NBCSN neu aufgelegt und es in ein sportzentriertes Paket auf YouTube TV integriert, um Zuschauer zu gewinnen, die noch nicht zu seinem Peacock-Streaming-Dienst migriert sind.

Eine separate S&P-Analyse kam jedoch zu dem Schluss, dass Sport möglicherweise kein Schutzwall mehr für das schwindende lineare TV-Geschäft ist. Keith Nissen von S&P schrieb: "Live-Sport ist möglicherweise nicht mehr der Anker, der Verbraucher einst vom Abschneiden des Videokabels abhielt." Eine S&P-Umfrage ergab, dass 90 % der Haushalte, die im vergangenen Jahr traditionelles Pay-TV wegen Sport gekündigt hatten, Sportfans waren, und fast zwei Drittel von ihnen verbrachten fünf oder mehr Stunden pro Woche mit Sport. Dies dient als Beweis dafür, dass der Zugang zu Live-Sport kein Alleinstellungsmerkmal mehr zwischen traditionellen und virtuellen Multichannel-Diensten ist.

Herausforderungen und Ausblick für 2026

Die Reibung zwischen steigenden Kosten und sinkendem Wert hat sich 2025 verschärft, was zu Übertragungsstreitigkeiten führte, einschließlich Blackouts von Walt Disney- und TelevisaUnivision-Netzwerken auf YouTube TV. Distributoren wehrten sich gegen steigende Gebühren für schrumpfende Zielgruppen. Für 2026 wird erwartet, dass unterdurchschnittliche Netzwerke in teurere Pakete verbannt oder ganz geschlossen werden.

Die Situation gleicht einem Ausverkauf eines einst prächtigen Anwesens. Die Eigentümer (Medienkonglomerate) verkaufen systematisch die Möbel (Kabelnetzwerke) und verlagern die wertvollsten Erbstücke (Premium-Inhalte und Sportrechte) in eine moderne Wohnung (Streaming), während das alte Haus Raum für Raum langsam geleert wird.

Netflix im Fokus der Investoren

Während die Kabelbranche kämpft, hat auch der Streaming-Riese Netflix turbulente Zeiten erlebt. Im vierten Quartal 2025 fielen die Aktien um rund 20 %, was eine deutliche Underperformance gegenüber dem S&P 500 darstellt. Investoren äußerten Bedenken hinsichtlich der historischen Wachstumsraten, der vorgeschlagenen Übernahme von Warner Bros. Discovery und eines enttäuschenden Ergebnisberichts im Oktober. Trotz eines EPS-Fehlers erzielte Netflix jedoch den höchsten Umsatz aller Zeiten, was darauf hindeutet, dass die Nachfrage nicht zusammengebrochen ist.

Die Unsicherheit bezüglich der WBD-Übernahme, insbesondere nach einem konkurrierenden Angebot von Paramount Skydance, das Netflix' Gebot übertraf, hat die Lage für Investoren verkompliziert. Ein potenzieller Bieterkrieg birgt das Risiko ungeplanter Verschuldung, was die Bedenken hinsichtlich der Bilanzdisziplin verstärkt.

Die Rolle der Federal Reserve und die US-Wirtschaft

Abseits der Medienbranche lenkte Brian Moynihan, CEO der Bank of America, die Aufmerksamkeit auf die US-Wirtschaft und die Rolle der Federal Reserve. Moynihan äußerte in einem Interview mit CBS News' Face the Nation, dass es "zu viel Faszination mit der Fed" gebe. Er betonte, dass die Wirtschaft vom Privatsektor angetrieben werde und die Idee, dass alles von einer Zinsanpassung der Fed um 25 Basispunkte abhänge, "aus dem Ruder gelaufen" sei.

Moynihan räumte ein, dass die Fed als Kreditgeber letzter Instanz eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung der Wirtschaft in Zeiten extremer Belastung spiele, wie während der Finanzkrise und der COVID-19-Pandemie. Abgesehen davon sollte man laut ihm "ehrlich gesagt nicht wissen, dass sie existiert".

Unabhängigkeit der Fed unter Druck

Die Unabhängigkeit der Fed stand unter Druck, da Präsident Donald Trump nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus in diesem Jahr weiterhin aggressivere Zinssenkungen forderte und Jerome Powell wiederholt kritisierte. Moynihan warnte, dass "der Markt die Leute bestrafen wird, wenn wir keine unabhängige Fed haben". Die Fed hat jedoch Anfang des Monats ihre Regionalpräsidenten früher als üblich wiederernannt, was die Bedenken hinsichtlich ihrer Unabhängigkeit reduzierte.

Trotz Trumps Wunsch nach stärkeren Zinssenkungen könnte die Wirtschaft die Fed daran hindern, die Zinsen so stark zu senken, wie er es gerne hätte. Capital Economics prognostiziert, dass der Investitionsschub durch künstliche Intelligenz erst der Beginn eines mehrjährigen Booms bei den Kapitalausgaben ist. Dies wird voraussichtlich zu einem robusten BIP-Wachstum von 2,5 % in den Jahren 2026 und 2027 führen. Da die Kerninflation voraussichtlich "noch geraume Zeit über dem 2 %-Ziel" bleiben wird, erwartet Capital Economics, dass die Fed ihren Leitzins 2026 nur um 25 Basispunkte senken wird.