
Kalifornien klagt Amazon wegen illegaler Preisabsprachen an
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Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta hat Amazon öffentlich beschuldigt, illegal Preise festzusetzen und mit Anbietern sowie Einzelhändlern zu kolludieren, um die Kosten für amerikanische Verbraucher über das marktübliche Maß hinaus zu erhöhen. Diese Vorwürfe sind Teil einer bereits 2022 eingereichten Kartellklage, zu der nun weitere Beweise veröffentlicht wurden.
Schwere Vorwürfe aus Kalifornien
In einer Pressemitteilung vom Montag, dem 20. April 2026, erklärte Generalstaatsanwalt Bonta, dass Amazon in einer "Krise der Erschwinglichkeit" illegal daran arbeite, Gewinne zu erzielen, indem es sicherstelle, dass Verbraucher keine anderen Möglichkeiten für niedrigere Preise hätten. Er kündigte an, Amazon vor Gericht zu sehen und verwies auf ein 19-seitiges Memo, das Beweise für Amazons Preisabsprachen enthalten soll. Bonta reichte zudem einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung ein, um Amazons mutmaßliches illegales Verhalten während des laufenden Verfahrens zu stoppen.
Details der angeblichen Preisabsprachen
Die Klage und die veröffentlichten Dokumente beschreiben detailliert, wie Amazon angeblich Druck auf Händler ausübte. Ein prominentes Beispiel ist die Forderung an die Bekleidungsmarke Levi's, Walmart dazu zu bewegen, den Preis einer Khaki-Hose von etwa 25 US-Dollar auf 29 US-Dollar anzuheben, um Amazons Listenpreis anzugleichen. Ein Levi's-Mitarbeiter soll daraufhin in einer E-Mail an einen Amazon-Manager die Hoffnung ausgedrückt haben, dass dies als "Beweisfall" dienen könne, um zukünftige Probleme zu lösen.
Weitere in der Klageschrift genannte Unternehmen sind Home Depot, Target, Best Buy, die Bekleidungsmarke Hanes und der Tierprodukt-Anbieter Chewy. Amazon soll auch Home Depot gezwungen haben, die Preise für Dünger zu erhöhen. Die Vorwürfe umfassen auch, dass Amazon Verkäufer bestraft, die ihre Produkte auf konkurrierenden Websites günstiger anbieten, indem es ihnen den Zugang zu wichtigen Funktionen wie der "Buy Box" entzieht. Ein Beispiel hierfür ist der Fall von Mayer Handler, Inhaber des Bekleidungsunternehmens Leveret, dessen Produkt im Oktober 2022 die Berechtigung für die "Buy Box" entzogen wurde, nachdem es auf einer anderen Plattform günstiger angeboten wurde.
Amazons Verteidigung und die rechtliche Perspektive
Amazon hat die Vorwürfe vehement zurückgewiesen. Ein Sprecher des Unternehmens bezeichnete den Antrag als "transparenten Versuch, von der Schwäche des Falls abzulenken". Amazon betonte, dass es "konstant als Amerikas günstigster Online-Händler identifiziert wird" und stolz auf die niedrigen Preise sei, die Kunden im Shop finden. Der Sprecher wies auch darauf hin, dass Bonta den Antrag mehr als drei Jahre nach Einreichung seiner ursprünglichen Beschwerde gestellt habe.
Sprecher von Levi's und Walmart lehnten eine Stellungnahme ab und erklärten, sie seien keine Parteien des Rechtsstreits. Der Prozess in Kalifornien wird voraussichtlich im Januar 2027 beginnen. Eine Anhörung zum Antrag auf einstweilige Verfügung ist für den 23. Juli angesetzt.
Ausblick und weitere Klagen
Die rechtlichen Auseinandersetzungen gegen Amazon sind nicht auf Kalifornien beschränkt. Die Federal Trade Commission (FTC), 18 US-Bundesstaaten und Puerto Rico haben das Unternehmen ebenfalls beschuldigt, seine Marktposition zu missbrauchen, um Preise auf anderen Online-Handelsplattformen zu erhöhen, Verkäufer übermäßig zu belasten und den Wettbewerb zu unterdrücken.
Trotz der laufenden Klagen und der negativen Schlagzeilen stieg der Aktienkurs von Amazon im vergangenen Jahr um etwa 43 Prozent. Amazon übertraf Walmart im Jahr 2025 und wurde zum größten Einzelhändler in den USA, mit globalen Verkäufen von 717 Milliarden US-Dollar im letzten Jahr. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen die Enthüllungen und der bevorstehende Prozess auf das Verbraucherverhalten und die Geschäftspraktiken des E-Commerce-Riesen haben werden.