Kevin Warsh: Trumps Fed-Kandidat fordert Neuausrichtung der Geldpolitik

Kevin Warsh: Trumps Fed-Kandidat fordert Neuausrichtung der Geldpolitik

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Kevin Warsh, von Präsident Donald Trump für den Vorsitz der Federal Reserve nominiert, hat sich vor dem Senatsbankenausschuss präsentiert. Er skizzierte seine langjährigen Ansichten zur Rolle der Zentralbank, die er als zu weit gefasst und überdimensioniert ansieht, und forderte eine Rückbesinnung auf das Kernmandat der Geldpolitik.

Warshs Vision für die Federal Reserve

Warsh betonte in seiner Anhörung, dass die Bilanzsumme der Fed verkleinert werden müsse, da die Zentralbank nie als "übermächtige zentrale Wirtschaftsplanungsbehörde" gedacht war. Er hob die Bedeutung der geldpolitischen Unabhängigkeit hervor, die jedoch "verdient werden muss". Ein zentraler Punkt seiner Argumentation war, dass "niedrige Inflation die Rüstung der Fed ist, ihr vitaler Schutz gegen Angriffe. Wenn die Inflation steigt – wie in den letzten Jahren geschehen –, wird unseren Bürgern, insbesondere den Ärmsten, großer Schaden zugefügt."

Fokus auf das Kernmandat und Kritik an der Ausweitung der Aufgaben

Warsh forderte, dass die Fed "in ihrer Spur bleiben" müsse. Dies bedeutet, sich von politischen Themen, Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion, Klimawandel oder Lobbyarbeit in den Landesparlamenten fernzuhalten. Er stellte etablierte Fed-Praktiken wie die Forward Guidance und das ständige "Geschwätz" von Präsidenten der Reservebanken infrage und schlug vor, nach neuen Wirtschaftsmodellen zu suchen.

Ansichten zu Wirtschaftswachstum und Inflation

Als "optimistischer Wachstumstyp" glaubt Warsh nicht, dass niedrige Arbeitslosigkeit zwangsläufig zu höherer Inflation führt. Stattdessen sieht er das Wachstumspotenzial von Steuersenkungen und Deregulierung. Er verteidigte auch seine langfristige Ansicht, dass schnelle technologische Fortschritte wie Künstliche Intelligenz (KI) die Produktivität steigern, Geschäftskosten und Inflation senken und letztendlich die Zinsen reduzieren werden. Er machte jedoch keine formellen Zinsprognosen.

Warsh schlug zudem vor, dass mediane Inflationsraten oder "trimmed mean" Inflationsraten, bei denen die höchsten und niedrigsten Ausreißer abgeschnitten werden, bessere Indikatoren sein könnten als der Verbraucherpreisindex (CPI) oder der Personal Consumption Expenditures (PCE) Deflator.

Unabhängigkeit der Geldpolitik und "Familienstreit" im FOMC

Die Unabhängigkeit der Fed war ein wiederkehrendes Thema. Warsh erklärte, dass "geldpolitische Unabhängigkeit unerlässlich ist" und er sich dafür einsetzen werde, dass die Geldpolitik "strikt unabhängig" bleibt. Er wurde von der linken demokratischen Senatorin Elizabeth Warren kritisiert, die ihn als "Marionette" Trumps bezeichnete. Warsh entgegnete, dass Präsident Trump ihn in ihrem Gespräch "kein einziges Mal gebeten hat, sich auf eine bestimmte Zinsentscheidung festzulegen, und ich würde dem auch nie zustimmen, wenn er es getan hätte. Aber er hat es nie getan."

Er äußerte sich auch zu den Sitzungen des Federal Open Market Committee (FOMC), die seiner Meinung nach eher einem "Familienstreit" ähneln sollten. Er sagte: "Ich bevorzuge unordentlichere Sitzungen als einige, bei denen die Leute nicht mit einstudierten Skripten erscheinen." Er fügte hinzu, dass "wenn die Zentralbank diesen guten Familienstreit hat, ich denke, dass sie bessere Entscheidungen treffen werden. Und wenn sie Fehler machen, werden sie diese früher korrigieren."

Warshs Hintergrund und politischer Kontext

Kevin Warsh, geboren 1970, absolvierte ein Studium der Public Policy an der Stanford University und erwarb später einen Jura-Abschluss an der Harvard University. Er arbeitete im Privatsektor bei Morgan Stanley, bevor er 2002 in die Regierung von Präsident George W. Bush eintrat. 2006 wurde er im Alter von 35 Jahren zum jüngsten Fed-Gouverneur in der Geschichte ernannt. Seit seinem Ausscheiden aus der Fed im Jahr 2011 war er unter anderem als Gastwissenschaftler an der Hoover Institution und der Stanford Graduate School of Business tätig.

Seine Nominierung erfolgt in einer turbulenten Zeit für die Zentralbank. Präsident Trump hat den amtierenden Vorsitzenden Jerome Powell wiederholt kritisiert und dessen Amtszeit endet im Mai. Trump lobte Warsh auf Truth Social als einen der "GRÖSSTEN Fed-Vorsitzenden, vielleicht den besten". Warsh war bereits 2017 als Nachfolger von Janet Yellen im Gespräch, damals entschied sich Trump jedoch für Powell.

Beobachtungen zu Warshs geldpolitischer Haltung

Bank of America-Ökonomen Aditya Bhave und Stephen Juneau merkten an, dass Warsh in den letzten Monaten eine "dovish" (taubenhafte) Haltung zur Zinssenkung signalisiert habe, was einen Wandel von seinen früheren "hawkish" (falkenhaften) Ansichten zur Inflation während seiner Zeit als Fed-Gouverneur (2006-2011) darstelle. Diese Beobachtung wurde auch von Senatorin Warren aufgegriffen, die Warshs jüngste Haltung als auf Trumps Zustimmung zugeschnitten kritisierte.

Trotz der politischen Spannungen und der Kritik von Senatorin Warren, die auch Warshs Ethikvereinbarungen und die Veräußerung seines Portfolios thematisierte, wurde seine Anhörung von Larry Kudlow von Fox Business als "mit Bravour bestanden" beschrieben. Kudlow prognostizierte, dass Warsh einen "dringend benötigten frischen Wind" in die Zentralbank bringen werde. Senator Thom Tillis bestätigte, dass Warsh die Ethikvereinbarungen und Vermögensverkäufe vollständig eingehalten habe.

Erwähnte Persönlichkeiten