KI-Angst schockt Logistik- und Immobilienaktien: Märkte im Umbruch

KI-Angst schockt Logistik- und Immobilienaktien: Märkte im Umbruch

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Die Angst vor den disruptiven Auswirkungen Künstlicher Intelligenz hat in den letzten Handelstagen erneut die globalen Aktienmärkte erfasst und zu einem Ausverkauf geführt, der insbesondere die Logistik- und Immobilienbranche traf. Anleger zeigten sich besorgt, während die Aktienkurse von Transport- und Immobilienunternehmen unter Druck gerieten, nachdem neue KI-Tools die Geschäftsmodelle in Frage stellten.

KI-Angst ergreift Logistiksektor

Am Donnerstag wurden Logistikaktien zu den jüngsten Opfern des sogenannten "AI fear trade", ausgelöst durch ein neues Tool namens SemiCab der KI-Firma Algorhythm Holdings. SemiCab bewirbt sich als "die weltweit am besten orchestrierte Transportplattform" und soll Kunden helfen, Frachtvolumen um 300% bis 400% zu skalieren, ohne den operativen Personalbestand entsprechend zu erhöhen. Die Aktien von Algorhythm Holdings stiegen am Donnerstag um 26% und legten im Premarket-Handel am Freitag weitere 15% zu.

Logistikriesen wie C.H. Robinson und RXO verzeichneten am Donnerstag Einbrüche von jeweils bis zu 20%. Während C.H. Robinson am Freitagmorgen leicht um 0,7% zulegte, weitete RXO seine Verluste um weitere 1,5% aus. Expeditors International of Washington, das am Donnerstag über 16% verlor, notierte im Premarket flach. J.B. Hunt Transportation Services gab nach einem 9%-Verlust am Donnerstag weitere 0,6% nach, und XPO lag 1% tiefer. Der Russell 3000 Trucking Index fiel um 10%, wobei CH Robinson Worldwide Inc. um 24% und Landstar System Inc. um 19% einbrachen.

Christopher Kuhn, Analyst bei Benchmark, kommentierte die Situation: "Ich schätze, die Sorge ist, dass es die LKW-Broker disintermediieren könnte, weshalb sie so stark getroffen werden." Er fügte hinzu, dass der gesamte Sektor betroffen sei, "aber es trifft hauptsächlich die Brokerseite." Auch europäische Logistikunternehmen wie DSV A/S aus Dänemark fielen um bis zu 15% und die Schweizer Kuehne Nagel International AG um bis zu 14%.

Immobilienbranche unter Druck

Der Ausverkauf bei Gewerbeimmobilienunternehmen setzte sich am Donnerstag den zweiten Tag in Folge fort. CBRE gehörte zu den am stärksten betroffenen Werten und weitete seine Verluste im Premarket-Handel am Freitag um 0,6% aus.

Jones Lang LaSalle verzeichnete vor der Eröffnungsglocke am Freitag einen marginalen Rückgang, während Hudson Pacific Properties flach notierte. Diese Aktien hatten am Donnerstag fast 8% bzw. 4% verloren. SL Green Realty, das am Donnerstag um 5% gefallen war, erholte sich im Premarket-Handel am Freitag um 0,4%.

Software-Aktien und der breitere Markt

Auch Software-Aktien, die bereits in der Vorwoche im Zentrum eines historischen Ausverkaufs standen, wurden am Donnerstag in den Abwärtstrend hineingezogen, zeigten sich am Freitagmorgen jedoch uneinheitlich. Palantir Technologies weitete die Verluste des Vortages um 1,5% aus, während Autodesk und Salesforce jeweils 0,1% nachgaben. Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV), der am Donnerstag einen Verlust von rund 3% verzeichnete, lag zuletzt 0,3% im Minus. Der Fonds, der im Vormonat in einen Bärenmarkt eintrat, liegt seit Jahresbeginn rund 23% tiefer.

Alle "Magnificent Seven" Tech-Aktien beendeten die Handelssitzung am Donnerstag im negativen Bereich, wobei die meisten am Freitagmorgen weiter nachgaben. Tesla führte die Verluste in dieser Gruppe mit einem Rückgang von 0,8% an, während Nvidia nach anfänglichen Gewinnen 0,1% tiefer notierte. Meta, Amazon und Apple verzeichneten ebenfalls stärkere Verluste. Apple-Aktien fielen um rund 5%, belastet durch Berichte über mögliche Verzögerungen bei einem Upgrade des Siri-Sprachassistenten und Bedenken der US Federal Trade Commission bezüglich angeblicher Zensur von Inhalten in Apple News.

Expertenmeinungen und Ausblick

Strategen von UBS äußerten sich in einer Notiz am Freitagmorgen: "Obwohl die umfassenden Auswirkungen auf diese Branchen und einzelnen Namen noch abzuwarten sind, sehen wir dies als eine Bestätigung des Monetarisierungspotenzials von KI." Sie fügten hinzu, dass die jüngsten Fortschritte auch die transformative Natur von KI unterstreichen, "was sie zu einem kritischen Bestandteil eines Anlegerportfolios macht." UBS empfahl Anlegern, über Sektoren und geografische Regionen hinweg zu diversifizieren, da eine alleinige Konzentration auf den US-Informationstechnologiesektor "unwahrscheinlich ist, um die direkten Nutznießer von KI vollständig zu erfassen."

Dan Ives, Global Head of Tech Research bei Wedbush Securities, erklärte am Freitag gegenüber CNBC's "Squawk Box Europe", dass Anleger den gesamten Softwaresektor nicht abschreiben sollten, obwohl einige Softwareunternehmen Opfer des KI-Aufstiegs werden könnten. Mark Hackett, Chief Market Strategist bei Nationwide, warnte, dass einige der starken Verkäufe eine "Knie-Reaktion" widerspiegeln und das Risiko überbewerten könnten: "Während die Auswirkungen von KI im Laufe der Zeit unvermeidlich und mächtig sind, neigen Aktienreaktionen auf solche Nachrichten dazu, emotional und übertrieben zu sein."

Makroökonomische Faktoren im Blick

Die US-Aktienmärkte gaben am Donnerstag auch aufgrund von Inflationsaussichten nach, da Anleger gespannt auf den am Freitag erwarteten Verbraucherpreisindex (CPI) blickten. Ein schwächeres Ergebnis könnte die Hoffnung auf eine Lockerung des Preisdrucks stärken. Dies folgte auf wöchentliche Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe, die einen geringeren Rückgang als erwartet zeigten. Zuvor hatte der Januar-Arbeitsmarktbericht gezeigt, dass die USA 130.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hatten, doppelt so viele wie prognostiziert.

Die Stärke des Arbeitsmarktes erschwert die Erwartungen an die Geldpolitik der Federal Reserve und verringert die Wahrscheinlichkeit kurzfristiger Zinssenkungen. Ökonomen der Bank of America stellten fest, dass der Arbeitsmarktbericht die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen unter dem derzeitigen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell so gut wie ausgeschlossen hat.

Auch andere Märkte waren betroffen: Gold-Futures sanken um 3%, und Bitcoin fiel auf 65.000 US-Dollar. Die Ölpreise fielen, nachdem die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Prognose für den weltweiten Ölnachfrageanstieg in diesem Jahr auf 850.000 Barrel pro Tag senkte. Futures auf Brent und West Texas Intermediate Rohöl gaben jeweils rund 1,8% nach. Analysten von Goldman Sachs wiesen zudem darauf hin, dass die Inflation bei den Strompreisen die allgemeine PCE-Inflation mehr als verdoppelt hat, angetrieben durch den Bau von Rechenzentren und Investitionen in die Versorgungsinfrastruktur. Die Strompreise stiegen bis Dezember 2025 im Jahresvergleich um 6,9%, während die PCE-Inflation um 2,9% zunahm. Als Reaktion auf Bedenken hinsichtlich des Stromverbrauchs von Rechenzentren haben Bundes- und Landesgesetzgeber Gesetzesentwürfe zur Regulierung oder Pausierung der Entwicklung eingebracht.

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