McKinsey-Aussteiger: Warum "Hustle Culture" ein Risiko für Unternehmen ist

McKinsey-Aussteiger: Warum "Hustle Culture" ein Risiko für Unternehmen ist

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Cesar Carvalho, CEO und Mitgründer der globalen Unternehmenswellness-Plattform Wellhub, hat eine klare Botschaft an die Wirtschaftswelt: Die sogenannte "Hustle Culture" ist eine Belastung und kein Vorteil für Unternehmen. Seine eigene Karriere, die ihn von McKinsey zur Gründung eines erfolgreichen Startups führte, prägte seine Überzeugung, dass das Wohlbefinden der Mitarbeiter entscheidend für den Unternehmenserfolg ist.

Vom McKinsey-Berater zum Wellness-Pionier

Carvalho begann seine Karriere 2010 als Business Analyst bei McKinsey, nachdem er an der Universität von São Paulo studiert hatte. Die Möglichkeit, schnell zu lernen und zu wachsen, faszinierte ihn an der Beratungsbranche. Nach etwa zwei Jahren bei McKinsey wurde er ermutigt, einen MBA zu absolvieren, was zu dieser Zeit in Brasilien für höhere Positionen wie Associate oder Manager erforderlich war. Er schrieb sich an der Harvard Business School ein, ursprünglich mit der Absicht, zu McKinsey zurückzukehren.

Die Geburtsstunde von Wellhub: Eine Marktlücke erkannt

Während seines ersten MBA-Sommers in Boston entstand die Idee für Wellhub. Seine Zeit bei McKinsey war von hoher Intensität geprägt, mit durchschnittlich 10 bis 12 Arbeitsstunden pro Tag und oft mehr in Spitzenzeiten. Als Berater reiste er häufig und jonglierte zwischen Kundenbüros und dem McKinsey-Büro. Dabei stellte er fest, dass es keine Fitnessstudio-Mitgliedschaften gab, die Zugang zu Einrichtungen an verschiedenen Standorten boten. Er hatte drei ungenutzte Mitgliedschaften und erkannte den Bedarf an bequemem Zugang zu Gesundheits- und Wellnessangeboten für vielbeschäftigte Arbeitnehmer – ein Bedarf, der nicht nur für CEOs und Berater, sondern auch für Zusteller und Supermarktmitarbeiter galt.

Wellhub heute: Globale Präsenz und Wirkung

Seit der Gründung von Wellhub vor 14 Jahren hat sich das Unternehmen zu einer globalen Plattform entwickelt. Wellhub ist heute in 18 Ländern aktiv und arbeitet mit 40.000 Unternehmen zusammen, um deren Mitarbeitern Wellness-Angebote zu ermöglichen. Dazu gehören auch viele McKinsey-Büros. Monatlich nutzen 5 Millionen Mitarbeiter die Dienste von Wellhub. Das Konzept ermöglicht es Mitarbeitern, Kurse zu buchen, unabhängig von Land oder Stadt, ohne eine spezifische Mitgliedschaft für ein einzelnes Fitnessstudio oder Studio zu benötigen. Unternehmen zahlen eine feste monatliche Gebühr basierend auf der Mitarbeiterzahl, und die Mitarbeiter leisten ebenfalls einen Beitrag.

McKinsey als Sprungbrett: Lektionen für die Gründung

Carvalho betont, dass seine Zeit bei McKinsey ihm als Gründer sehr geholfen hat. In zwei Jahren arbeitete er unter sieben verschiedenen Partnern, was ihm unterschiedliche Führungsstile, Teamkulturen und Prioritätensetzungen aufzeigte. Er lernte schnell, was für ihn funktionierte und was nicht. Besonders wertvoll waren Erfahrungen mit flexiblen Arbeitsweisen, bei denen Mitarbeiter in Kickoff-Meetings ihre Grenzen und Arbeitsweisen offenlegen konnten. Er selbst war bereit, unter der Woche viel zu arbeiten, aber seine Wochenenden waren ihm heilig. Diese Erfahrungen lehrten ihn, dass klare Erwartungen und der Respekt vor den Grenzen der Mitarbeiter zu hoher Moral und erledigter Arbeit führen. Zudem knüpfte er wichtige Kontakte: Sein Wellhub-Mitgründer und mehrere Kollegen stammten von McKinsey, und zwei seiner sieben Angel-Investoren waren frühere Vorgesetzte.

"Hustle Culture ist eine Belastung, kein Vorteil"

Cesar Carvalho kritisiert den Trend einiger Unternehmen zur "Hardcore-Kultur" als "völlig verrückt". Er ist überzeugt: "Hustle Culture ist eine Belastung, kein Vorteil." Unternehmen profitieren von aktiven und wohlbefindenden Mitarbeitern. Wenn Unternehmen das Wohlbefinden nicht unterstützen, sind sie nicht nur weniger produktiv, sondern haben auch höhere Kosten als Wettbewerber, die in diesen Bereich investieren. Dies beeinflusst die Anzahl der Krankentage und Urlaubstage sowie die Mitarbeiterbindung und -gewinnung. Viele CEOs würden hier den falschen Weg einschlagen, was sich in einer schlechteren Performance im Vergleich zu Unternehmen mit einem ausgewogeneren Ansatz zeigen werde. Hustle Culture führe zu Burnout und vertreibe talentierte Mitarbeiter.

Führung im 21. Jahrhundert: Vertrauen und Wohlbefinden

Als CEO setzt Carvalho auf Vertrauen und behandelt jeden Mitarbeiter wie einen Erwachsenen. Sein Fokus liegt stets auf der Erledigung der Arbeit, nicht auf der Anzahl der Stunden oder der Anwesenheit im Büro. Er schlägt vor, "Happy Hours" durch "Wellness Hours" zu ersetzen, beispielsweise durch gemeinsame Yoga-Sitzungen oder Workouts mit Kollegen. Solche gesunden Gewohnheiten in den Arbeitsalltag zu integrieren, könne das Wohlbefinden im gesamten Unternehmen verbessern. Für ihn bedeutet Wohlbefinden, produktiv, gesund und glücklich zu sein. Die Produktivität sei dabei wichtig, da sie zeige, dass Glück und Gesundheit sinnvoll eingesetzt werden.

Work-Life-Integration: Persönliche Rituale für Erfolg

Carvalho glaubt an die Integration von Leben und Arbeit: "Man muss seine Ehe oder Familie nicht für den Erfolg opfern." Auf die Frage nach seinen Arbeitszeiten antwortet er: "Ich arbeite die ganze Zeit. Ich denke beim Sport über die Arbeit nach." Er hat persönliche Rituale entwickelt, die er fast nie bricht. Wenn er auf Reisen ist, ruft er seine Kinder jeden Abend um 19:30 Uhr an, selbst wenn das bedeutet, um 2 Uhr morgens einen Wecker zu stellen. Dies sei seine Art, ihnen nahe zu sein, egal wo er sich befindet.

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