
Michael Burry: Vom "Big Short"-Orakel zum transparenten Finanzkommentator
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Michael Burry, der durch den Film "The Big Short" Berühmtheit erlangte, hat eine bemerkenswerte Transformation vollzogen: Vom zurückgezogenen Investor, der kryptische Warnungen auf X postete und diese oft wieder löschte, ist er zu einer Quelle täglicher, offener Kommunikation geworden. Auf seiner neuen Substack-Plattform teilt er nun umfassende Einblicke in seine Anlagestrategie und seine persönlichen Ansichten, insbesondere seine Bedenken hinsichtlich einer potenziellen KI-Blase.
Vom "Big Short"-Enigma zum offenen Buch
Lange Zeit galt Michael Burry als eine der rätselhaftesten Figuren der Finanzwelt. Seine öffentlichen Äußerungen waren spärlich und oft von Geheimnissen umgeben, was ihn zu einem "Enigma" machte. Eine Szene aus dem Film "The Big Short", in der Christian Bale Burry spielt und einen Analysten nach seinem Haarschnitt fragt, basiert auf einem realen, missglückten Kommentar Burrys, den er selbst auf Substack enthüllte.
Diese Zurückhaltung änderte sich im November, als Burry seinen Hedgefonds für externes Kapital schloss und sich als Newsletter-Autor neu erfand. Seine Beiträge, die eine KI-Blase diagnostizieren und seine Wetten gegen Nvidia und Palantir erläutern, haben große Aufmerksamkeit erregt. Doch es sind vor allem seine detaillierten Antworten auf Dutzende von Fragen, die einen beispiellosen Einblick in sein Leben und seine Denkweise bieten.
"Cassandra Unchained": Burrys neue Plattform
Burrys Substack, betitelt "Cassandra Unchained", spielt auf den Namen an, den Warren Buffett ihm einst gab, als er ihn als "Cassandra" bezeichnete – eine Anspielung auf die trojanische Prinzessin, deren wahre Prophezeiungen niemand glaubte. Die Plattform wurde im November gestartet, um Burry die Möglichkeit zu geben, "frei" über seine bärischen Ansichten zur Technologie und andere Themen zu sprechen.
Mit über 35.000 Abonnenten, die jährlich 379 US-Dollar oder monatlich 39 US-Dollar zahlen, hat sich Burry von einem Fondsmanager, der praktisch Stillschweigen bewahrte, zu einer Art "24/7 Ask Me Anything"-Sprechstunde entwickelt. Er teilt seine Gedanken zu aktuellen Schlagzeilen und Marktbewegungen und bietet damit eine Transparenz, die bei Elite-Investoren selten ist.
Warnungen vor der KI-Blase
Ein zentrales Thema auf Burrys Substack sind seine eindringlichen Warnungen vor einer aufkommenden KI-Blase. Er zieht Parallelen zwischen dem aktuellen KI-Boom und dem Dotcom-Crash der frühen 2000er Jahre. Dabei vergleicht er Nvidia, das kürzlich als erstes Unternehmen eine Marktkapitalisierung von 5 Billionen US-Dollar erreichte, mit Cisco, dessen Aktie während der Dotcom-Ära ebenfalls stark anstieg und dann kollabierte.
Burry zitiert auch den ehemaligen Federal Reserve-Vorsitzenden Alan Greenspan, der 2005 versicherte, eine Immobilienblase sei "nicht wahrscheinlich", und stellt dies Jerome Powell gegenüber, der KI-Unternehmen als "profitabel" und "anders" als frühere Spekulationsmanien beschreibt. Seine Bedenken mündeten in Short-Wetten seines ehemaligen Hedgefonds Scion Asset Management im Wert von über 1 Milliarde US-Dollar gegen Nvidia und Palantir. Burry prognostiziert düster: "Bevor ein paar Jahre vergehen, sehe ich einen 100-Auto-Unfall, der viele KI-Bullen verletzen wird."
Einblicke in Burrys Anlagestrategie und Portfolio
Auf seiner Plattform gewährt Michael Burry detaillierte Einblicke in seine Anlagestrategie. Er diskutiert Gewinnmitteilungen, analysiert Aktiencharts, beleuchtet die menschliche Psychologie und legt seine makroökonomischen Ansichten dar. Er sprach über Apples Aktienentwicklung und schrieb, dass eine Fusion von SpaceX, X und xAI den Shareholder Value von Tesla steigern würde, wobei er zwischen "Share Value" und "Share Price" unterscheidet.
Burry hat sogar den Inhalt seines Portfolios offengelegt, bis hin zu den Aktien, die er an einem bestimmten Tag gekauft hat, und dem durchschnittlichen Preis, den er dafür zahlte. Zu seinen langjährigen Lieblingsinvestitionen zählen Gold und Silber, die er seit über 20 Jahren hält. Auch Samsung Electronics kauft er immer wieder, wenn die Aktie günstig ist – eine Strategie, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten "spektakulär bewährt" hat.
Persönliche Facetten des Investors
Neben den Finanzthemen teilt Burry auch humorvolle und persönliche Anekdoten. Er scherzte, dass ein Dokumentarfilm über ihn, der "in meinen Shorts vor einem Computer sitzt", wohl nicht sehr fesselnd wäre. Auf die Frage, wie er sich auf einer Skala von 1 bis 10 fühle, antwortete er: "Ich bin so ziemlich immer eine 5. Meine Frau kann das bezeugen. Mein 54-jähriges Gesicht ist nicht von vielen Lächeln gezeichnet."
Er offenbarte, dass der Stress während des "Big Short", als seine Wette zunächst schiefging, sich in seinem Magen manifestierte und er kurz vor einer Operation stand, bevor der Handel aufging und er "geheilt" war. Burry liest die Science-Fiction-Buchreihe "The Sun Eater", hatte in den 80ern eine "Heidenzeit" auf einem Aerosmith-Konzert und spielte Pokémon mit seinen Kindern. Diese Offenheit zeichnet den einst so verschlossenen Investor heute aus.