Monzo verlässt US-Markt: Fokus auf Europa und UK-Wachstum

Monzo verlässt US-Markt: Fokus auf Europa und UK-Wachstum

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Die britische Digitalbank Monzo zieht sich überraschend aus dem US-Markt zurück, um sich vollständig auf ihr Heimatland Großbritannien und die europäische Expansion zu konzentrieren. Dieser Schritt steht im direkten Widerspruch zu den erst im Mai 2025 veröffentlichten Jahresberichten, die noch detaillierte Pläne für das US-Geschäft enthielten. Die Entscheidung unterstreicht die erheblichen Schwierigkeiten, denen ausländische Fintechs beim Versuch begegnen, im hart umkämpften amerikanischen Bankensektor Fuß zu fassen.

Monzo zieht sich aus den USA zurück

Die in Großbritannien ansässige Digitalbank Monzo hat ihre Pläne zur Expansion in den Vereinigten Staaten aufgegeben. Das Unternehmen wird keine neuen US-Kunden mehr aufnehmen, und bestehende Konten sollen bis Juni geschlossen werden. Diese strategische Neuausrichtung führt zur Entlassung von rund 50 Mitarbeitern.

Ein Sprecher von Monzo erklärte gegenüber American Banker: "Mit einem schnell wachsenden Kundenstamm von 15 Millionen in Großbritannien und der Wachstumschance, die unsere europäische Banklizenz schafft, treffen wir eine bewusste, strategische Entscheidung, uns auf die Skalierung in unserem Heimatmarkt und Europa zu konzentrieren und uns aus den USA zurückzuziehen." Die Nachricht über Monzos Rückzug wurde zuerst von Bloomberg gemeldet.

Die Entscheidung steht in direktem Konflikt mit der jüngsten öffentlichen Kommunikation des Unternehmens. Im Jahresbericht vom Mai 2025 hatte die Bank noch explizit Pläne zur weiteren Expansion in den USA dargelegt, einschließlich der Einführung neuer Funktionen wie zinsbringender Sparkonten und eines wachsenden amerikanischen Teams.

Monzo hatte seine US-Expansion 2019 mit einer Light-Version seiner App angekündigt. Im April 2020 beantragte die Bank eine US-Banklizenz, zog den Antrag jedoch Ende 2021 zurück, nachdem Regulierungsbehörden Berichten zufolge signalisiert hatten, dass sie das Angebot ablehnen würden. Ohne eigene Lizenz war Monzo auf Partnerinstitute wie Sutton Bank und später Lead Bank angewiesen, um Kundeneinlagen zu halten und Debitkarten auszugeben.

Herausforderungen im US-Finanzmarkt

Der Rückzug von Monzo verdeutlicht die immensen Schwierigkeiten, mit denen ausländische Finanztechnologieunternehmen konfrontiert sind, wenn sie versuchen, den stark gesättigten amerikanischen Bankensektor zu durchdringen. Emmett Higdon, Direktor für Digital Banking bei Javelin Strategy and Research, kommentierte, dass "ein globales digitales Banking-Modell, das für alle passt, in den USA niemals erfolgreich sein wird."

Die USA weisen die höchsten Kundenakquisitionskosten für Banken weltweit auf, mit durchschnittlich 300 US-Dollar pro Kunde im Vergleich zu einem globalen Durchschnitt von 100 US-Dollar. Higdon fügte hinzu: "Die Landschaft wird weiterhin von Misserfolgen übersät sein, die durch mangelnde Wertschätzung für die einzigartigen Bedürfnisse und Erwartungen des US-Verbrauchers verursacht werden."

Monzo ist nicht die erste ausländische Digitalbank, die in den USA scheitert. Die deutsche N26 stellte ihre US-Geschäfte bereits 2021 ein. Andere Banken haben in dieser Zeit ihre Massenmarkt-Retail-Operationen in den USA verkauft, darunter die spanische BBVA an PNC, die britische HSBC an Citizens und Cathay sowie die französische BNP Paribas an BMO.

Strategische Neuausrichtung auf Europa und den Heimatmarkt

Monzo konzentriert sich nun auf sein Kerngeschäft in Großbritannien und die Expansion in Europa. Das Unternehmen verfügt über einen schnell wachsenden Kundenstamm von 15 Millionen in Großbritannien. Im Dezember 2025 erhielt Monzo eine vollständige Banklizenz von der Europäischen Zentralbank (EZB), was neue Wachstumschancen in Europa eröffnet.

Das britische Geschäft von Monzo befindet sich in einer Phase starker Profitabilität, was Investitionen in den US-Markt schwerer rechtfertigte. Die bereinigten Vorsteuergewinne stiegen im Geschäftsjahr bis März 2025 um das Achtfache auf 113,9 Millionen Pfund. Dies wurde durch einen Anstieg der Kundenzahl um 25 Prozent, also rund 2,4 Millionen neue Konten, unterstützt. Die Einlagen in Großbritannien stiegen im gleichen Zeitraum um 48 Prozent und stärkten die Finanzierungsbasis der Bank für die Kreditvergabe. Im Geschäftsjahr bis März 2025 erwirtschaftete Monzo in Großbritannien einen Umsatz von 1,2 Milliarden Pfund.

Führungswechsel und zukünftige Ausrichtung

Der Rückzug aus den USA erfolgt nach einer Umstrukturierung im Vorstand von Monzo. Der ehemalige CEO TS Anil trat im Oktober zurück, um Platz für die frühere Google-Managerin Diana Layfield zu machen. Layfield wurde als neue CEO eingesetzt, und dieser strategische Schwenk ist eine ihrer ersten großen Entscheidungen.

Berichten zufolge gab es Meinungsverschiedenheiten zwischen Anil und dem Vorstand bezüglich des Zeitpunkts eines Börsengangs und des bevorzugten Börsenplatzes. Anil soll New York favorisiert haben, während der Vorstand London bevorzugte. Anil kehrte später in einer Funktion als stellvertretender Vorsitzender in den Monzo-Vorstand zurück.

Kontrastierende Strategien der Wettbewerber

Während Monzo sich aus dem US-Markt zurückzieht, verfolgen andere internationale Fintechs weiterhin aggressive Expansionsstrategien in den Vereinigten Staaten. Monzos britischer Rivale Revolut verdoppelt seine Anstrengungen im amerikanischen Markt. Revolut hat im vergangenen Monat einen Antrag für eine nationale US-Banklizenz eingereicht und plant, 500 Millionen US-Dollar in sein nordamerikanisches Wachstum zu investieren. Das Unternehmen hat bereits über eine Million Kunden in den USA.

Auch andere Digitalbanken wie die brasilianische Nubank, die im Januar eine bedingte Genehmigung für eine OCC-Lizenz erhielt, und die niederländische Bunq, die im Januar erneut einen OCC-Antrag stellte, streben eine stärkere Präsenz in den USA an. Diese unterschiedlichen Ansätze zeigen die geteilten Meinungen über das Potenzial und die Herausforderungen des US-Finanzmarktes für internationale Akteure.