
Nasdaq ändert Regeln: SpaceX könnte schnell in den Index aufsteigen
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Die Nasdaq hat eine Reihe von Regeländerungen für ihre Indexmethodik angekündigt, die den beschleunigten Eintritt großer Unternehmen in den Nasdaq 100 ermöglichen könnten. Diese Anpassungen zielen darauf ab, die Repräsentativität des Index zu wahren, stoßen jedoch auf geteilte Meinungen in der Finanzwelt. Insbesondere das Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk könnte von den neuen Bestimmungen profitieren.
Nasdaq passt Regeln an: Schnellerer Index-Eintritt
In einer am Montag veröffentlichten Erklärung teilte die Nasdaq mit, dass sie Feedback zu mehreren Überarbeitungen der Nasdaq-100-Methodik eingeholt habe. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen sicherstellen, dass der Index "zeitgemäß und repräsentativ für den von ihm gemessenen Markt" bleibt. Zudem sollen sie gewährleisten, dass der Index "seinem Ziel entspricht, die 100 größten nicht-finanziellen Unternehmen" auf der Plattform abzubilden. Alle Änderungen treten ab dem 1. Mai 2026 in Kraft, wobei die meisten Auswirkungen auf die Indexzusammensetzung ab Juni spürbar werden sollen.
Die Kernpunkte der Regeländerungen
Die Nasdaq hat mehrere wesentliche Änderungen vorgeschlagen, die den Zugang zum Nasdaq 100 neu gestalten könnten:
- Marktkapitalisierungsberechnung: Die Nasdaq schlägt vor, sowohl gelistete als auch ungelistete Aktien für die Berechnung der Marktkapitalisierung zur Rangfolge und Aufnahme in den Index zu berücksichtigen. Die Gewichtung im Index basiert jedoch weiterhin auf der gelisteten Marktkapitalisierung.
- "Fast Entry" für große Unternehmen: Große, neu gelistete Unternehmen könnten bereits 15 Tage nach ihrem Börsengang (IPO) in den Index aufgenommen werden. Voraussetzung dafür ist, dass ihre gesamte Marktkapitalisierung zu den Top 40 der aktuellen Indexbestandteile gehört. Bisher betrug diese Frist mindestens drei Monate.
- Entfernung der 10%-Free-Float-Anforderung: Die Regel, die vorschreibt, dass ein Unternehmen mindestens 10% seiner Aktien öffentlich handeln muss, wird aufgehoben.
- Anpassung der Gewichtung von Low-Float-Wertpapieren: Die Gewichtung von Wertpapieren mit geringem Free-Float soll auf das Dreifache ihres Free-Floats angepasst werden.
SpaceX als potenzieller Profiteur
Die Regeländerungen könnten insbesondere Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX zugutekommen. SpaceX strebt voraussichtlich im Juni einen Börsengang an und erwägt eine Notierung an der Nasdaq. Quellen zufolge könnte das Unternehmen mit einer Bewertung von bis zu 1,75 Billionen US-Dollar an die Börse gehen. Berater von SpaceX sollen bereits Gespräche mit großen Indexanbietern geführt haben, um einen schnelleren Zugang zu wichtigen Benchmarks zu ermöglichen. Eine potenzielle Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar könnte SpaceX zu einem der größten Unternehmen im Nasdaq 100 machen.
Kritik an den neuen Regeln
Die vorgeschlagenen Änderungen stoßen in der Finanzgemeinschaft auf deutliche Kritik. Investor Michael Burry, bekannt aus "The Big Short", äußerte sich kritisch zu der Entscheidung. Er merkte an, dass bei einem SpaceX-IPO von 1,75 Billionen US-Dollar und einem Free-Float von 5% (was etwa 87,5 Milliarden US-Dollar an öffentlich handelbaren Aktien entspräche) der Index SpaceX mit einem 5-fachen Multiplikator bei 25% seiner Gesamtmarktkapitalisierung gewichten würde. Dies würde Fonds zwingen, Aktien zu kaufen, als wäre SpaceX ein 437,5 Milliarden US-Dollar schweres Unternehmen.
Wall-Street-Veteran George Noble bezeichnete die Idee als "schamlose" Manipulation des Index. Er argumentierte, dass die übliche Wartezeit von bis zu einem Jahr für die Indexaufnahme der Preisfindung dient und passive Anleger vor ungetesteten, illiquiden Aktien schützt. Noble fügte hinzu, dass die Regeln umgeschrieben würden, um IPO-Emittenten und frühen Insidern zu nützen, und das Kapital der Anleger als Werkzeug zur Bereicherung dieser Gruppen diene.
Der anonyme Substack-Autor Keubiko, dessen Ansichten Burry teilte, warnte vor einer "massiven, künstlichen Angebots- und Nachfrage-Squeeze". Er argumentierte, dass der Index eine "Phantom-Mega-Dollar-Gewichtung" auf einen "eingeschränkten, eng gehaltenen Free-Float" anwenden würde, was eine erhebliche Marktverzerrung zur Folge hätte.
Nasdaq verteidigt die Anpassungen
Cameron Lilja, Leiter der globalen Indexlösungen der Nasdaq, bestätigte gegenüber Reuters, dass die Regeln geändert werden, um Erwartungen zu reduzieren. Er betonte, dass es "nicht ganz korrekt ist, ein großes Unternehmen, das einen bedeutenden Anteil im Index einnehmen kann, außen vor zu lassen." Lilja erklärte, dass sich die Eigenkapitalstruktur und die Unternehmensmodelle ändern, da Unternehmen länger privat bleiben und bis zum Zeitpunkt ihres Börsengangs eine Mega-Kapitalisierung erreichen. Dies schließe auch große Unternehmen ein, die von anderen Börsen wechseln.
Vergleich mit S&P 500
Die aktuellen Regeln des S&P 500 Index unterscheiden sich deutlich von den neuen Nasdaq-Vorschlägen. Für eine Aufnahme in den S&P 500 muss ein Unternehmen in den USA ansässig sein, eine Marktkapitalisierung von mindestens 22,7 Milliarden US-Dollar aufweisen und seit 12 Monaten öffentlich gelistet sein. Darüber hinaus verlangt der S&P 500, dass mindestens 50% der Aktien öffentlich gehandelt werden und eine "Saisonierungsphase" von 6 bis 12 Monaten durchlaufen wird. Die Gewichtung erfolgt hierbei Free-Float-bereinigt. George Noble hob hervor, dass die Nasdaq mit ihren neuen Regeln das genaue Gegenteil der S&P 500-Praktiken tue.