
Netflix im Übernahmekampf: Milliarden-Deal mit Warner Bros. Discovery wackelt
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Netflix, der Pionier des Streaming-Dienstes seit 2007, steht erneut vor einer Neuausrichtung seines Geschäftsmodells. Das Unternehmen hat eine Vereinbarung zur Übernahme strategischer Vermögenswerte von Warner Bros. Discovery getroffen, sieht sich jedoch einem feindlichen Übernahmeversuch durch Paramount Skydance gegenüber. Diese Entwicklungen haben den Netflix-Aktienkurs unter Druck gesetzt, werfen aber auch die Frage auf, ob sich hier eine Kaufgelegenheit für den Streaming-Marktführer bietet.
Netflix' ambitionierter Schritt: Die geplante Übernahme
Netflix hat kürzlich eine Vereinbarung zur Akquisition strategischer Vermögenswerte von Warner Bros. Discovery bekannt gegeben. Dazu gehören die Film- und Fernsehstudios sowie HBO und der Streaming-Dienst HBO Max. Der Deal hat einen Unternehmenswert von rund 82,7 Milliarden US-Dollar.
Diese Übernahme würde Netflix mit einem riesigen Fundus an geistigem Eigentum versorgen, darunter populäre Franchises wie "Game of Thrones" und "Harry Potter". Netflix plant, HBO Max als separaten Dienst zu betreiben und diesen seinen über 300 Millionen bestehenden Abonnenten zu bewerben.
Das Drama um das Gegenangebot
Die Vereinbarung zwischen Netflix und Warner Bros. Discovery wurde jedoch durch ein Gegenangebot von Paramount Skydance kompliziert. Paramount Skydance, ein Erzrivale von Netflix, versucht eine feindliche Übernahme, indem es den Aktionären von Warner Bros. Discovery ein reines Barangebot von 30 US-Dollar pro Aktie unterbreitet. Dieses Angebot bewertet den Vorschlag mit einem Unternehmenswert von 108,4 Milliarden US-Dollar, verglichen mit Netflix' Bar- und Aktienangebot von 27,75 US-Dollar pro WBD-Aktie.
Es gibt zahlreiche bewegliche Teile in diesem Szenario. Netflix und Warner Bros. Discovery haben eine Vereinbarung getroffen, die Gebühren vorsieht, falls die Fusion nicht zustande kommt. Zudem hat der Deal bereits eine regulatorische Prüfung durch Politiker ausgelöst, die ihn als wettbewerbswidrig bezeichnen.
Potenzielle Chancen und Risiken für Netflix
Sollte Netflix die Akquisition abschließen, würde das Unternehmen eine breite Palette an geistigem Eigentum gewinnen, was die Abhängigkeit von Drittlizenzen reduziert und die globale Kundenbindung stärkt. Die Produktionsstärke von Warner Bros. würde Netflix mehr Kontrolle über die Content-Pipeline und die Entwicklung langfristiger Franchises geben. Warner-Führungskräfte erwarten zudem Kostensynergien von 2 bis 3 Milliarden US-Dollar durch die Zusammenlegung von Produktions-, Verwaltungs- und Technologieabläufen.
Allerdings birgt der Deal auch erhebliche Risiken. Der Kaufpreis wird von einigen Analysten als exorbitant hoch angesehen, selbst unter Berücksichtigung der einzigartigen Vermögenswerte. Netflix plant, das 25-fache des geschätzten EBITDA von Warner Bros.' Streaming- und Studiogeschäft für 2026 zu zahlen, was selbst nach erwarteten Kosteneinsparungen (dann 14x EBITDA) noch als sehr hoch gilt. Die Bilanz des Unternehmens könnte durch den Deal stark belastet werden.
Regulatorische Hürden und politische Skepsis
Die regulatorische Genehmigung ist höchst unsicher. Regulierungsbehörden in den USA und Europa werden den Deal intensiv prüfen. Berichten zufolge ist das Weiße Haus sehr skeptisch gegenüber dem Geschäft, und ein Gerichtsverfahren zur Blockierung der Fusion könnte parteiübergreifende Unterstützung finden. Ein Kartellverfahren könnte stark sein, da es um die gemeinsame Eigentümerschaft der größten und viertgrößten Streaming-Plattformen in den USA ginge.
Auch Hollywood-Gewerkschaften, Filmemacher und Interessengruppen äußerten Bedenken, dass die Fusion die Kinoproduktion reduzieren, die kreative Vielfalt einschränken und die Entscheidungsfindung zentralisieren könnte.
Netflix' Geschäftsstrategie und aktuelle Kennzahlen
Netflix hat sich durch eine andere Strategie als seine Wettbewerber ausgezeichnet. Das Unternehmen hat es vermieden, für große Live-Sportprogramme zu bieten, und ist organisch gewachsen, ohne auf traditionelle Medienunternehmen angewiesen zu sein. Dies verschafft Netflix den Vorteil, kein rückläufiges Altgeschäft verwalten zu müssen.
Für das dritte Quartal 2025 meldete Netflix einen Umsatz von 11,5 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 17 % gegenüber dem Vorjahr, und ein operatives Ergebnis von 3,2 Milliarden US-Dollar. Der freie Cashflow betrug 2,7 Milliarden US-Dollar, mit einem Cash-Puffer von 9,3 Milliarden US-Dollar am Quartalsende. Das Unternehmen erreichte zudem den höchsten vierteljährlichen Zuschaueranteil in den USA und Großbritannien. Die Werbeeinnahmen sollen sich 2025 mehr als verdoppeln, und es gibt weiterhin erhebliches Wachstumspotenzial in Schwellenländern.
Auswirkungen auf den Aktienkurs und Analystenmeinungen
Der Netflix-Aktienkurs (NASDAQ: NFLX) ist seit der Ankündigung der Übernahmevereinbarung gesunken und hat in den letzten sechs Monaten eine Korrektur von 21 % erfahren. Zuvor hatte die Aktie Anfang 2025 von 82,11 US-Dollar auf 134,12 US-Dollar zugelegt, bevor sie nach verfehlten Q3-Gewinnschätzungen wieder fiel.
Analysten reagierten unterschiedlich auf die Entwicklungen. Seaport Research Partners senkte sein Kursziel für die NFLX-Aktie von 138 US-Dollar auf 115 US-Dollar. Die Pivotal Research Group stufte die NFLX-Aktie von "Kaufen" auf "Halten" herab. Einige sehen die Aktie trotz des "Panikverkaufs" als attraktiv für langfristige Anleger. Die regulatorische Genehmigung wird als "Toss-up" (50/50 Chance) eingeschätzt, was zu einer moderaten Reduzierung des fairen Wertes für Netflix führen könnte, wodurch die Aktien nach einer Meinung "erheblich überbewertet" wären.