Nike: Turnaround verzögert, China bremst, Nordamerika glänzt

Nike: Turnaround verzögert, China bremst, Nordamerika glänzt

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Nike hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 zwar die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen, doch die Aktie des Sportartikelherstellers sank nachbörslich deutlich. Während das Management den Turnaround als fortlaufend bezeichnet, dämpften erhebliche Probleme in China und ein verhaltener Ausblick für das dritte Quartal die Anlegerstimmung erheblich.

Quartalsergebnisse übertreffen Erwartungen, Aktie fällt dennoch

Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Nike einen Gesamtumsatz von 12,4 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 1 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit wurden die Wall Street-Erwartungen von rund 12,2 Milliarden US-Dollar übertroffen. Der Gewinn pro Aktie (EPS) sank zwar um 33 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 53 Cent, lag aber deutlich über dem Konsens von 38 Cent, den LSEG-Daten zeigten. Analysten hatten im Vorfeld ein EPS von 0,37 US-Dollar und einen Umsatz von 12,14 Milliarden US-Dollar erwartet.

Trotz dieser positiven Zahlen fiel die Nike-Aktie im nachbörslichen Handel um fast 11 % auf unter 60 US-Dollar und erreichte damit den tiefsten Stand seit Juni. Die Aktie, die am 16. Dezember bei 67,12 US-Dollar gehandelt wurde, ist über die letzten 52 Wochen um 12,94 % gefallen und liegt etwa 20 % unter ihren 52-Wochen-Höchstständen von 82,44 US-Dollar. Die Marktreaktion zeigt, dass der Ausblick und die regionalen Herausforderungen stärker gewichtet wurden als die übertroffenen Quartalszahlen.

China-Geschäft als größter Bremsklotz

Das Geschäft in Greater China erwies sich als größtes Problemfeld und erlitt einen erheblichen Rückschlag. Die Umsätze in dieser Region fielen um 17 % auf 1,4 Milliarden US-Dollar und verfehlten damit die Schätzungen von 1,57 Milliarden US-Dollar. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres waren die Umsätze in China noch um 9 % gesunken.

Die Schwäche zeigte sich über alle Kanäle hinweg: Die direkten Umsätze sanken um 18 %, die digitalen Umsätze um 36 % und die Umsätze in Nike-eigenen Geschäften um 5 %. Der Großhandelsumsatz ging um 15 % zurück, und das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) brach um 49 % ein. Das Management kündigte einen "vollständigen Reset" für den Ansatz in China an, um das Geschäft zu sanieren.

Nordamerika als Lichtblick im Turnaround

Im Gegensatz zu China zeigte sich Nordamerika als starker Wachstumstreiber. Die Umsätze in dieser Region stiegen um rund 9 % gegenüber dem Vorjahr auf 5,6 Milliarden US-Dollar und übertrafen damit die Analystenschätzungen von etwa 5,1 Milliarden US-Dollar. Die Profitabilität erholt sich hier, obwohl der Margendruck durch Zölle weiterhin besteht.

CEO Elliott Hill, der vor 14 Monaten die Führung übernahm, hatte die Sanierung des größten Geschäfts in Nordamerika zur obersten Priorität erklärt. Die Fortschritte sind ermutigend und deuten darauf hin, dass die Rückbesinnung auf den Großhandelskanal und der Fokus auf Innovation anstelle einer zu starken Abhängigkeit von Klassikern Früchte tragen. Initiativen wie "Win Now", die sich auf die leistungsstärksten Kategorien in Hauptregionen wie New York und Los Angeles konzentriert, und der "Sport Offense"-Plan, der die Organisation näher an die Athleten bringt, scheinen erfolgreich zu sein.

Margendruck durch Zölle und Inventarmanagement

Die Bruttomargen lagen im zweiten Quartal bei 40,6 %, was am oberen Ende der vom Management prognostizierten Spanne eines Rückgangs von 300 bis 375 Basispunkten lag. Die Kosten der verkauften Waren stiegen jedoch um 6 % im Jahresvergleich, maßgeblich beeinflusst durch zollbedingte Kosten. Nike sieht sich mit jährlichen Zollkosten von 1,5 Milliarden US-Dollar konfrontiert, was einer Bruttomargenbelastung von 320 Basispunkten für das Geschäftsjahr entspricht.

Das Unternehmen plant, diesen Einfluss durch Maßnahmen in der Lieferkette und Kostenanpassungen auf 120 Basispunkte zu reduzieren, was jedoch Zeit in Anspruch nehmen wird. Eine mögliche Entscheidung des US Supreme Court, Zölle für illegal zu erklären, könnte die Situation Anfang nächsten Jahres dramatisch verändern. Die Lagerbestände sanken um 3 % auf 7,7 Milliarden US-Dollar, wobei das Management die Bestände in Nordamerika und der EMEA-Region als "gesund und sauber" einschätzt.

Verhaltener Ausblick und gemischte Analystenmeinungen

Der Ausblick für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 enttäuschte die Anleger. Das Management prognostiziert einen Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Bereich, mit "moderatem Wachstum" in Nordamerika, aber Rückgängen in Greater China und bei der Marke Converse. Dies liegt unter der FactSet-Konsensschätzung von etwa 1,3 % Wachstum.

Die Bruttomargen werden voraussichtlich um 175 bis 225 Basispunkte im Jahresvergleich sinken, was ebenfalls deutlich unter der FactSet-Schätzung einer Verbesserung um 60 Basispunkte liegt. Ohne den Einfluss von Zöllen wären die Bruttomargen im dritten Quartal positiv. Die Vertriebs-, Verwaltungs- und Gemeinkosten (SG&A) sollen im niedrigen einstelligen Bereich steigen, was im Einklang mit den Erwartungen steht.

Analysten bewerten Nike derzeit mehrheitlich mit "Neutral", basierend auf 20 Ratings, mit einem durchschnittlichen Einjahres-Kursziel von 79,5 US-Dollar, was ein potenzielles Aufwärtspotenzial von 18,44 % gegenüber dem Kurs vom 16. Dezember impliziert. Der CNBC Investing Club mit Jim Cramer behält seine "Buy"-äquivalente Bewertung bei, senkt jedoch das Kursziel von 80 auf 75 US-Dollar, um der Schwäche in China Rechnung zu tragen. Andere Analysten zeigen sich optimistischer: BTIG bekräftigte ein "Buy"-Rating mit einem Kursziel von 100 US-Dollar, während Guggenheim mit einem "Buy"-Rating und einem Kursziel von 77 US-Dollar die Berichterstattung aufnahm. Analysten stellen fest, dass Nike im Vergleich zu Wettbewerbern wie On Holding, Deckers Outdoor und Birkenstock Holding bei Umsatzwachstum, Bruttogewinn und Eigenkapitalrendite im unteren Bereich liegt.

Elliott Hills Turnaround-Strategie: Ein Marathon, kein Sprint

Unter der Führung von CEO Elliott Hill konzentriert sich Nike auf seine wichtigsten Kategorien in den drei Hauptregionen und fünf Großstädten. Nach einer Phase, in der das Direct-to-Consumer-Geschäft zu stark im Fokus stand, kehrt Nike nun zu wichtigen Einzelhandelspartnern zurück, um den Umsatz anzukurbeln. Der Turnaround ist ein komplexer Prozess, der ungleichmäßige Fortschritte zeigt, insbesondere angesichts der Herausforderungen in verschiedenen geografischen Märkten.