OECD warnt: Nahost-Konflikt treibt Inflation, bremst Wachstum

OECD warnt: Nahost-Konflikt treibt Inflation, bremst Wachstum

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Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnt vor erheblichen Inflationsrisiken und einer Verlangsamung des globalen Wachstums infolge des Nahost-Konflikts. Sie prognostiziert eine deutlich höhere US-Inflation und empfiehlt Politikern drei zentrale Maßnahmen, um den Auswirkungen des Energiepreisschocks entgegenzuwirken. Der Konflikt testet die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft und erfordert ein umsichtiges Handeln.

Steigende Inflationsprognosen und globale Wachstumsdämpfung

Die OECD hat ihre Inflationsprognose für die USA und die Welt angehoben. Für die USA wird eine Inflation von 4,6 % in diesem Jahr erwartet, was deutlich über der Schätzung der Federal Reserve von 2,7 % liegt. Die Organisation geht davon aus, dass die Headline-Inflation der G20-Staaten im Jahr 2026 4,0 % erreichen wird, eine Erhöhung um 1,2 Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Prognose, bevor sie sich 2027 auf 2,7 % abschwächt.

Das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird voraussichtlich im Jahr 2026 um 2,9 % wachsen und sich 2027 auf 3,0 % erhöhen. Dies spiegelt die kombinierten Effekte höherer Kraftstoffkosten, Lieferkettenstörungen und anhaltender Unsicherheit über die Dauer des Konflikts wider. OECD-Generalsekretär Mathias Cormann betonte: „Der Energieschock durch den sich entwickelnden Konflikt im Nahen Osten stellt die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft auf die Probe. Wir prognostizieren, dass das globale Wachstum robust bleiben wird, aber langsamer als der Vorkonflikt-Trend, mit deutlich höherer Inflation.“

Die Ursachen des Energiepreisschocks

Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten, der mit US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran Ende Februar begann, hat die Energiemärkte erheblich gestört. Unterbrechungen der Lieferungen durch die Straße von Hormus, die typischerweise ein Viertel des weltweiten Seetransports von Rohöl und ein Fünftel der Flüssigerdgaslieferungen abwickelt, sowie Schäden an der Energieinfrastruktur führten zu Versorgungsengpässen.

Die Rohölpreise sind seit Beginn des Konflikts stark angestiegen. Brent-Rohöl notierte konstant über 100 US-Dollar pro Barrel und näherte sich kurzzeitig 120 US-Dollar. Zwischen Konfliktbeginn und Mitte März stiegen die Rohölpreise um mehr als 50 %. Auch andere wichtige Rohstoffe wie Helium, Harnstoffdünger und Schwefel verzeichneten drastische Preisspitzen, was die Geschäftskosten und Haushaltsbudgets zusätzlich belastet.

Regionale Auswirkungen und Gegenwind durch Geopolitik

Die Wachstumsaussichten variieren erheblich zwischen den großen Volkswirtschaften. Für die USA wird ein moderateres Wachstum von 2,0 % im Jahr 2026 auf 1,7 % im Jahr 2027 prognostiziert, da ein langsameres Realeinkommenswachstum und geringere Konsumausgaben die starken Technologieinvestitionen ausgleichen. Im Euroraum wird das BIP-Wachstum voraussichtlich 0,8 % im Jahr 2026 betragen, bevor es sich im folgenden Jahr auf 1,2 % erholt, unterstützt durch höhere Verteidigungsausgaben und eine nachlassende Inflation.

Die OECD warnte, dass eine längere Energieknappheit diese Gewinne untergraben und eine breitere Neubewertung an den Finanzmärkten auslösen könnte. Länder wie China, Südkorea und Indien sehen sich ebenfalls einem stärkeren Preisdruck aufgrund des Energieschocks gegenüber. Die Organisation stellte fest, dass die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft nun auf die Probe gestellt wird, insbesondere angesichts der strategischen Rolle der Straße von Hormus.

Drei Säulen zur Inflationsbekämpfung laut OECD

Um den steigenden Inflationsrisiken entgegenzuwirken, hat die OECD drei zentrale Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger formuliert:

1. Wachsames Risikomanagement der Zentralbanken

Die Geldpolitik muss angesichts des anhaltenden Konflikts im Iran sorgfältig kalibriert werden. Die OECD betont, dass Zentralbanken wachsam und aufmerksam auf Verschiebungen im Risikogleichgewicht bei wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen bleiben müssen, um sicherzustellen, dass der zugrunde liegende Inflationsdruck dauerhaft eingedämmt wird. Sie müssen die Risiken von Inflation und Wachstumsmoderation im Hinblick auf die Dynamik des Arbeitsmarktes sorgfältig abwägen.

2. Schutz der fiskalischen Nachhaltigkeit

Regierungen könnten politische Maßnahmen wie Subventionen, Steuersenkungen und Preisobergrenzen in Betracht ziehen, um Haushalte und Unternehmen während Energiepreisspitzen zu unterstützen. Die OECD mahnt jedoch: „Alle Maßnahmen sollten befristet und gezielt auf die Bedürftigsten ausgerichtet sein, während Anreize zur Reduzierung des Energieverbrauchs erhalten bleiben.“ Solche Optionen sind kostspielig, und die Staatshaushalte stehen bereits unter Druck durch hohe Schulden und Ausgaben.

3. Stärkung der Energiesicherheit und -effizienz

Die Reduzierung der Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen minimiert die Auswirkungen einer größeren Energieversorgungsstörung, wie sie die Weltwirtschaft derzeit erlebt. Die OECD fordert Regierungen auf, der heimischen Energieeffizienz Priorität einzuräumen, da diese Bemühungen die Anfälligkeit für zukünftige geopolitische Schocks verringern und die Kosten für Verbraucher senken können. Initiativen für saubere Energie, wie die Modernisierung von Stromnetzen und die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, unterstützen diese Bestrebungen.

Lichtblick durch KI-Investitionen

Trotz der geopolitischen Herausforderungen startete die Weltwirtschaft das Jahr 2026 mit einer starken zugrunde liegenden Dynamik, angetrieben durch Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und verbesserte Handelsbedingungen. Die technologiebezogene Produktion expandierte weiterhin schnell, insbesondere in Asien und den Vereinigten Staaten, was dazu beitrug, eine schwächere Konsumnachfrage in einigen Sektoren auszugleichen. Die OECD warnte jedoch, dass anhaltende Energieengpässe diese Gewinne untergraben könnten.

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