Ölpreise im freien Fall: Russlands Wirtschaft unter Druck und globaler Überfluss

Ölpreise im freien Fall: Russlands Wirtschaft unter Druck und globaler Überfluss

Aktualisiert:
5 Min. Lesezeit
AI-Generated
Human-verified
Teilen:

Keine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken

Die globalen Rohölmärkte erleben eines der schwächsten Jahre seit der Pandemie, mit einem deutlichen Preisverfall bei WTI und Brent. Ein Überangebot an Öl und eine sich verlangsamende Nachfrage belasten die Preise, während die westlichen Sanktionen und sinkende Einnahmen Russlands Wirtschaft zunehmend unter Druck setzen.

Ölpreise auf Talfahrt: Das schlechteste Jahr seit der Pandemie

US-Benchmark West Texas Intermediate (WTI) und Brent Crude Futures verzeichnen 2025 einen der stärksten jährlichen Rückgänge seit dem Covid-bedingten Einbruch im Jahr 2020. WTI-Rohöl-Futures notieren bei rund 58 US-Dollar pro Barrel, ein Rückgang von fast 20 % im Jahresverlauf, während Brent-Rohöl-Futures bei etwa 61 US-Dollar pro Barrel liegen.

Im Dezember 2025 fielen WTI auf 55,27 US-Dollar und Brent auf 58,92 US-Dollar pro Barrel, die tiefsten Stände seit Februar 2021. WTI verzeichnete mit einem Minus von rund 23 % die schlechteste Performance seit 2018, Brent mit einem Rückgang von etwa 21 % das schlechteste Jahr seit 2020. Die Preise zeigten 2025 eine "absteigende Dreiecks"-Formation, mit Höchstständen, die sanken, und drei Tests der Tiefststände, die nicht durchbrochen wurden.

Ursachen des Preisverfalls: Überangebot und gedämpfte Nachfrage

Der Abwärtstrend der Ölpreise ist primär auf ein steigendes Angebot der Produzenten und ein sich verlangsamendes Nachfragewachstum zurückzuführen. Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei ING, hob die mangelnde Volatilität hervor, trotz zahlreicher geopolitischer Ereignisse und Versorgungsrisiken. Er führte dies auf eine Ermüdung gegenüber geopolitischen Entwicklungen und wachsende Erwartungen eines Angebotsüberschusses zurück.

Die globalen Versorgungsdynamiken, einschließlich der Bereitschaft der OPEC+-Produzenten, die Fördermengen moderat zu erhöhen, tragen ebenfalls zum Druck bei. JPMorgan-Strategen stellten fest: "Während die Nachfrage robust ist, ist das Angebot einfach zu reichlich vorhanden." Macquarie-Ölanalysten bezeichneten den Markt als "karikaturhaft überversorgt".

Aktuelle US-Rohölbestandsdaten vom 17. Dezember 2025 zeigten einen geringeren Abbau als erwartet (1,274 Millionen Barrel gegenüber erwarteten 2,4 Millionen Barrel), was auf eine weiterhin komfortable Versorgung im US-Markt hindeutet. Dies verstärkte die Bedenken, dass die Raffinerienachfrage und der Endverbrauch zum Jahresende hin nachlassen könnten.

Russlands Wirtschaft unter Druck: Sanktionen und sinkende Einnahmen

Die anhaltend niedrigen Ölpreise verstärken die Auswirkungen der umfassenden westlichen Sanktionen gegen Russland nach der Invasion der Ukraine im Februar 2022. Die Abschläge auf russisches Exportöl stiegen im Dezember wieder auf historische Höchststände und lagen 20 bis 30 US-Dollar pro Barrel unter dem Brent-Preis – die größte Differenz an den Häfen seit Anfang 2022.

Eine Analyse von Goldman Sachs zeigte, dass Russlands Ölexporteinnahmen, gemessen in Rubel, in diesem Jahr um 50 % eingebrochen sind, von 7,6 % des BIP auf nur noch 3,7 %. Die russische Wirtschaft verlangsamt sich: Das BIP wuchs im dritten Quartal um 0,6 % gegenüber dem Vorjahr, nach 1,1 % im zweiten und 1,4 % im ersten Quartal.

Die russische Zentralbank senkte ihre Wachstumsprognose für 2025 auf 0,5 % bis 1 % und erwartet für 2026 ein Wachstum von nur 0,5 % bis 1,5 %. Die Urals-Rohölpreise sind auf die niedrigsten Stände seit der Pandemie gefallen, nachdem die USA Rosneft und Lukoil sanktioniert hatten. Argus berichtete von Verkaufspreisen zwischen 34 und 36 US-Dollar pro Barrel im Ausland, mit Abschlägen von 23 bis 25 US-Dollar pro Barrel. Bei rund 40 US-Dollar pro Barrel deckt Urals kaum die Förder- und Transportkosten.

Craig Kennedy, Experte am Davis Center for Russia and Eurasian Studies in Harvard, kommentierte: "Die Upstream-Ölindustrie gerät in eine Krise, und die jüngsten Sanktionen werden dies beschleunigen." Er schätzt, dass 1,6 bis 2,8 Millionen Barrel pro Tag ohne feste Nachfrage bleiben könnten, wobei viel unverkauftes Öl in Tankern gelagert wird. Trotz Sanktionen erreicht russisches Rohöl weiterhin europäische Märkte, unter anderem über indirekte Kanäle wie die Terminals in der Türkei.

Ausblick 2026: Anhaltendes Überangebot erwartet

Der schwache Trend wird sich voraussichtlich bis ins Jahr 2026 fortsetzen, da das Angebotswachstum die Nachfrage weiterhin übertreffen dürfte. Analysten erwarten, dass der Ölmarkt in eine Phase struktureller Ungleichgewichte eintritt, in der die Produktion voraussichtlich dreimal so schnell wachsen wird wie die Nachfrage.

Ahmad Assiri, Research-Stratege bei Pepperstone, prognostiziert, dass Brent 2026 wahrscheinlich unter 60 US-Dollar pro Barrel fallen und bis zum vierten Quartal in den niedrigen 50er-Bereich rutschen könnte. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass das Angebot die Nachfrage im Jahr 2026 um 3,85 Millionen Barrel pro Tag übersteigen wird, was fast 4 % des globalen Verbrauchs entspricht.

Goldman Sachs prognostiziert für 2026 durchschnittliche Brent-/WTI-Preise von 56/52 US-Dollar, da eine "letzte große Angebotswelle" den Markt mit einem Überangebot von 2 Millionen Barrel pro Tag konfrontiert. Russland bleibt laut Goldman Sachs ein entscheidender Faktor. Sollte ein Friedensabkommen zu einer allmählichen Erholung der russischen Produktion führen oder sich die Weltwirtschaft verlangsamen, könnte Brent 2026 durchschnittlich 51 US-Dollar pro Barrel betragen.

Claudio Galimberti, Chefökonom bei Rystad Energy, betonte, dass die Fundamentaldaten der Anker für Energierohstoffe bleiben, selbst wenn bullische Anzeichen wie mögliche Lieferrückgänge aus Venezuela oder Zinssenkungen der US-Notenbank auftreten. Die OPEC+-Staaten haben zwar im April begonnen, die Fördermengen wiederherzustellen, um Marktanteile zurückzugewinnen, pausieren jedoch weitere Erhöhungen für das erste Quartal des nächsten Jahres aufgrund schwächerer saisonaler Nachfrage.

Erwähnte Persönlichkeiten