
Ölschock droht: Hormusstraße-Blockade treibt Energiepreise weltweit
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Die Weltwirtschaft steht möglicherweise vor einem neuen Ölschock, dessen Ausmaß sich in den kommenden Wochen entscheiden wird. Der U.S.-israelische Konflikt mit Iran hat die Schifffahrt in der strategisch wichtigen Hormusstraße zum Erliegen gebracht, was weitreichende Folgen für die globalen Energiemärkte und darüber hinaus haben könnte. Experten warnen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen drastisch eskalieren könnten, sollte die Meerenge nicht bald wieder geöffnet werden.
Die tickende Uhr im Persischen Golf
Die Hormusstraße, eine etwa 160 Kilometer lange Wasserstraße, ist ein entscheidender Knotenpunkt für den globalen Ölhandel, durch den normalerweise rund 20 % des weltweiten Ölangebots transportiert werden. Seit dem 15. März 2026, als Satellitenbilder Rauch über dem Hafen von Fujairah zeigten, ist der Verkehr in der Meerenge aufgrund iranischer Angriffe auf zivile Schiffe und Energieinfrastruktur zum Stillstand gekommen. Die Ölindustrie und Analysten befürchten, dass die wirtschaftlichen und marktbezogenen Folgen des Krieges stark zunehmen könnten, wenn die Straße nicht innerhalb der nächsten ein bis drei Wochen wieder geöffnet wird.
Selbst bei einer baldigen Wiedereröffnung könnte der bereits entstandene Schaden dazu führen, dass Energie- und viele andere Preise längerfristig erhöht bleiben. Diese Risiken spiegeln sich noch nicht vollständig in allen weit verbreiteten Märkten wider, einschließlich der Aktienmärkte und des Referenzpreises für Brent-Rohöl.
Notmaßnahmen und ihre Grenzen
Um die Auswirkungen des Ölversorgungsengpasses abzufedern, wurden vorübergehende Maßnahmen ergriffen. Dazu gehört die Freigabe von 400 Millionen Barrel Öl aus strategischen Reserven – die größte Freigabe in der Geschichte. Zudem haben die USA vorübergehend Sanktionen gegen russisches und iranisches Öl aufgehoben, um dem Markt etwas Spielraum zu verschaffen.
Diese Notmaßnahmen haben die Rohölpreise in den USA und Europa bisher relativ niedrig gehalten. Analysten warnen jedoch, dass ihre Wirksamkeit Anfang bis Mitte April nachlassen wird. Danach gäbe es wenig, was die USA oder andere Regierungen tun könnten, um einen dramatischen Anstieg der Energiepreise zu verhindern.
Stimmen aus der Industrie: Physische Realitäten
Führende Persönlichkeiten der Ölindustrie äußerten sich besorgt über die zunehmenden Störungen. Mike Wirth, CEO von Chevron, erklärte am Montag auf der S&P Global CERAWeek in Houston, es gäbe "sehr reale, physische Auswirkungen der Schließung der Hormusstraße, die sich weltweit ausbreiten". Wael Sawan, CEO von Shell, bestätigte dies wenige Tage später und berichtete, dass die Störungen, die in Südasien begannen, sich bis April nach Südostasien, Nordostasien und dann verstärkt nach Europa verlagert hätten.
Das Weiße Haus äußert die Überzeugung, dass die Militärstrategie des Präsidenten die iranische Bedrohung bald beenden und die Preisängste zerstreuen wird. Alle Beteiligten sind sich jedoch einig, dass es keinen Ersatz für die Wiedereröffnung der Hormusstraße gibt.
Papierpreise vs. Physische Preise: Eine Diskrepanz
Auf der CERAWeek wurde intensiv über den Unterschied zwischen sogenannten "Papierpreisen" und "physischen Preisen" diskutiert. Papierpreise spiegeln den Handel an Finanzmärkten wider und sind oft die Schlagzeilen-Ölpreise in der Presse. Sie sind in der Regel niedriger geblieben als die Preise für die physische Lieferung von Öl, insbesondere in Asien, dem Hauptabnehmer von Rohöl aus dem Nahen Osten.
Während die Brent-Rohöl-Futures-Preise vom 27. Februar bis zum 27. März um 36 % auf über 113 Dollar pro Barrel stiegen, verzeichnete der Dubai-Preis, der die physische Lieferung von bestimmten Nahost-Verkäufern abbildet, einen Anstieg von 76 % auf 126 Dollar. Dieser Preis ist mehr als doppelt so hoch wie der Papierpreis und war zuletzt besonders volatil. Ben Cahill, Direktor für Energiemärkte und -politik am Center for Energy and Environmental Systems Analysis der University of Texas at Austin, erklärte, dass ein Grund für die niedrigere Entwicklung der Papierpreise die regelmäßigen Reaktionen auf Äußerungen von Präsident Donald Trump seien, der eine baldige Beendigung oder Deeskalation des Krieges andeutete. Dies werde von Händlern als "Jawboning" bezeichnet. Cahill merkte an: "In diesem Sinne funktioniert es, es verhindert eine größere Reaktion des Papiermarktes. Aber die Realität der physischen Marktstörung ist wirklich schwer zu ignorieren."
Breitere Auswirkungen auf die Weltwirtschaft
Die Störung beschränkt sich nicht nur auf Öl und die Auswirkungen auf die US-Benzinpreise. Auch die Preise für Flüssigerdgas (LNG) geben Anlass zur Sorge. In Japan und Südkorea sind die LNG-Preise um 48 % gestiegen. Die Kosten für Flugzeugtreibstoff schnellen ebenfalls in die Höhe, ebenso wie die Preise für exotischere Rohstoffe wie Helium. Ohne Entspannung könnten diese Preise weiter steigen, was die globale Inflation antreiben und das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen würde.