
OnlyFans: Milliardenbewertung trotz "Porn Penalty" und Investorenscheu
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OnlyFans, die bekannte Plattform für nutzergenerierte Inhalte, steht Berichten zufolge kurz vor einem Investmentdeal mit Architect Capital, der das Unternehmen auf über 3 Milliarden US-Dollar bewerten würde. Dieser Schritt erfolgt inmitten anhaltender Herausforderungen bei der Gewinnung von Mainstream-Kapital, da viele Investoren die Risiken, die mit dem primär auf Erwachseneninhalten basierenden Geschäftsmodell verbunden sind, scheuen. Die Verhandlungen wurden durch den Tod des Eigentümers Leonid Radvinsky im März zusätzlich kompliziert.
OnlyFans: Ein profitables Geschäftsmodell mit Hürden
OnlyFans hat sich als bemerkenswertes Internetunternehmen etabliert, das sich durch niedrige Kosten, hohe Gewinne und kontinuierliches Wachstum auszeichnet. Das Geschäftsmodell ist einfach und effektiv: Es verbindet nutzergenerierte Inhalte, oft aus dem Bereich der Erwachsenenunterhaltung, mit einem Abonnementmodell. Die Plattform behält 20 Prozent der Einnahmen, während 80 Prozent an die Ersteller gehen.
Trotz dieser beeindruckenden finanziellen Leistung stößt OnlyFans immer wieder auf dasselbe Problem, wenn es um die Suche nach externem Kapital geht: Mainstream-Investoren sind zurückhaltend, in ein Unternehmen zu investieren, das hauptsächlich für pornografische Inhalte bekannt ist. Dies führt zu einer sogenannten "Porn Penalty", die die Bewertung des Unternehmens drückt.
Die Herausforderung der Investorensuche
Die jüngsten Berichte der Financial Times deuten darauf hin, dass die Muttergesellschaft von OnlyFans, Fenix International, kurz vor einem Investitionsabkommen mit Architect Capital steht, das eine Bewertung von über 3 Milliarden US-Dollar vorsieht. Dies liegt deutlich unter früheren Zielen; so versuchte das Unternehmen 2025, sich für 8 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Auch ein geplanter Börsengang über einen SPAC-Deal im Jahr 2022 scheiterte.
Die aktuellen Gespräche konzentrieren sich auf den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung von weniger als 20 Prozent an das in San Francisco ansässige Investmentunternehmen Architect Capital. Diese Strategie soll Stabilität für das Geschäft gewährleisten, insbesondere nach dem Tod des Eigentümers Leonid Radvinsky im März im Alter von 43 Jahren. Die Anteile des ukrainisch-amerikanischen Milliardärs werden nun von einem Familientrust gehalten.
Zahlen, die beeindrucken
Die finanziellen Kennzahlen von OnlyFans sind bemerkenswert. Im Geschäftsjahr bis zum 30. November 2024 verzeichnete das Unternehmen einen Vorsteuergewinn von 684 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von 1,4 Milliarden US-Dollar. Insidern zufolge sind diese Zahlen im Jahr 2025 weiter gestiegen. Die Zahlungen an die Ersteller beliefen sich im selben Zeitraum auf 7,2 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von fast 10 Prozent.
OnlyFans zählt 4,6 Millionen registrierte Erstellerkonten und 377 Millionen Fankonten. Leonid Radvinsky selbst profitierte erheblich von diesem Erfolg und erhielt allein im Jahr 2024 Dividendenzahlungen in Höhe von 701 Millionen US-Dollar. Seit 2021 beliefen sich seine Dividendenausschüttungen auf rund 1,8 Milliarden US-Dollar.
Der "Porn Penalty" und die Bewertungslücke
Der Vergleich mit anderen internetbasierten Abonnementdiensten verdeutlicht die Auswirkungen der "Porn Penalty". Die Match Group, das Unternehmen hinter Dating-Apps wie Tinder und Hinge, erzielte 2025 einen ähnlichen Vorsteuergewinn von 746 Millionen US-Dollar, allerdings bei einem Umsatz von 3,5 Milliarden US-Dollar. Investoren bewerten die Match Group jedoch mit über 8 Milliarden US-Dollar.
Diese erhebliche Bewertungsdifferenz lässt sich leicht erklären: Ohne die Assoziation mit Erwachseneninhalten könnte OnlyFans deutlich höher bewertet werden. Die mit dem Besitz eines nutzergenerierten Pornografie-Abonnementgeschäfts verbundenen Reputations-, Regulierungs- und Rechtsrisiken überzeugen viele Mainstream-Investoren, sich fernzuhalten.
Zukünftige Strategie und die Rolle von Architect Capital
OnlyFans ist daran interessiert, mit Architect Capital zusammenzuarbeiten, da das Unternehmen über Expertise im Finanzdienstleistungssektor verfügt. Dies spiegelt das Bestreben von OnlyFans wider, seinen Erstellern, die aufgrund der Art ihrer Arbeit Schwierigkeiten beim Zugang zu solchen Diensten haben, Bankprodukte anzubieten. Architect Capital würde OnlyFans dabei unterstützen, neue Finanzdienstleistungen und -produkte für die Plattform-Ersteller zu entwickeln.
Sollte der Verkauf der Minderheitsbeteiligung zustande kommen, würde die Kontrolle über das Geschäft weiterhin beim Familientrust von Radvinsky verbleiben. Dies markiert einen wichtigen Schritt für OnlyFans, um trotz der Herausforderungen im Investorenmarkt Stabilität und Wachstum zu sichern.