
OpenAI IPO: Milliardenbewertung und der Weg an die Börse
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OpenAI, bekannt für seinen bahnbrechenden Chatbot ChatGPT, steht möglicherweise kurz vor einem der größten Technologie-Börsengänge der letzten Jahrzehnte. Das Unternehmen, das die Künstliche Intelligenz (KI)-Branche maßgeblich prägt, bereitet sich auf ein Initial Public Offering (IPO) vor, das die direkte Investition für den Durchschnittsanleger ermöglichen könnte.
Ein Gigant vor dem Börsengang
OpenAI hat sich seit dem Start von ChatGPT vor etwas mehr als drei Jahren schnell zum führenden Unternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz entwickelt. Berichte deuten darauf hin, dass der Börsengang (IPO) bereits im vierten Quartal 2026 stattfinden könnte, auch wenn dieser Zeitplan nicht endgültig feststeht. Das Unternehmen hat jedoch bereits Schritte unternommen, die auf eine bevorstehende Notierung hindeuten, darunter die Erweiterung seines Finanzteams um einen Mitarbeiter für Investor Relations und eine stärkere Ausrichtung auf sein Kernprodukt ChatGPT.
Beeindruckende Bewertungen und Finanzierungsrunden
OpenAI strebt Berichten zufolge eine Bewertung von 1 Billion US-Dollar an. Die jüngste Finanzierungsrunde, die größte in der Geschichte des Silicon Valley, brachte dem Unternehmen 122 Milliarden US-Dollar ein und bewertete es mit 852 Milliarden US-Dollar. Ursprünglich wurde im Februar 2026 eine Finanzierungsrunde von 110 Milliarden US-Dollar bei einer Pre-Money-Bewertung von 730 Milliarden US-Dollar gemeldet, die später durch zusätzliche 12 Milliarden US-Dollar von Risikokapitalfirmen und über 3 Milliarden US-Dollar von Einzelinvestoren aufgestockt wurde. Zu den größten Investoren dieser Runde gehören Amazon mit 50 Milliarden US-Dollar, Nvidia mit 30 Milliarden US-Dollar und Softbank mit 30 Milliarden US-Dollar. Nvidia profitiert zudem vom Anstieg der Nachfrage nach seinen Prozessoren, die für OpenAIs Rechenzentrumsinfrastruktur benötigt werden.
Explosives Umsatzwachstum und ehrgeizige Prognosen
OpenAI hat ein bemerkenswertes Umsatzwachstum gezeigt. Das Unternehmen meldete Ende Februar 2026 annualisierte Einnahmen von über 25 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 21,4 Milliarden US-Dollar Ende 2025 und rund 6 Milliarden US-Dollar Ende 2024. Dies entspricht einer Vervierfachung innerhalb von 14 Monaten und übertrifft das Wachstum von Unternehmen wie Salesforce und Snowflake in vergleichbarer Größenordnung. Finanzchefin Sarah Friar bestätigte im Januar 2026, dass die annualisierten Einnahmen die 20-Milliarden-Dollar-Marke überschritten hatten. Für das Jahr 2030 prognostiziert OpenAI gegenüber potenziellen Investoren einen Jahresumsatz von 280 Milliarden US-Dollar, der sowohl aus Unternehmens- als auch aus kommerziellen Produkten stammen soll. Das Unternehmen hatte im letzten Jahr einen Umsatz von 13,1 Milliarden US-Dollar.
Das Geschäftsmodell: Vielfältige Einnahmequellen
OpenAI generiert Einnahmen aus verschiedenen Schlüsselbereichen. ChatGPT, das über 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer zählt und 50 Millionen zahlende Kunden sowie 9 Millionen zahlende Geschäftskunden hat, ist eine Hauptquelle. Individuelle Nutzer zahlen 20 US-Dollar pro Monat für ChatGPT Plus oder 200 US-Dollar pro Monat für ChatGPT Pro. Darüber hinaus bietet OpenAI über seine GPT API und Enterprise-Plattform Zugang zu seinen KI-Modellen, die von über einer Million Unternehmen genutzt werden. Seit Januar 2026 werden auch Anzeigen für einige US-Nutzer der kostenlosen ChatGPT-Version geschaltet. Strategische Lizenzierungsvereinbarungen, wie die Partnerschaft im Rahmen des 500 Milliarden US-Dollar schweren Stargate AI-Infrastrukturprojekts mit SoftBank und Oracle, tragen ebenfalls zu den Einnahmen bei.
Herausforderungen und der Weg zur Profitabilität
Trotz des beeindruckenden Wachstums steht OpenAI vor finanziellen Herausforderungen. Das Unternehmen erwartet, erst 2029 einen positiven Cashflow zu erzielen. Es wird prognostiziert, dass OpenAI allein im Jahr 2026 14 Milliarden US-Dollar verlieren wird, da es massiv in den Aufbau von KI-Rechenzentren und anderer Infrastruktur investiert. Die Kosten für die Ausbildung und den Betrieb der KI-Modelle dominieren die Ausgaben. Ein weiterer Aspekt ist die Umsatzbeteiligung mit Microsoft. OpenAI teilt 20 % seiner Einnahmen mit Microsoft im Rahmen ihrer Partnerschaftsvereinbarung, was bedeutet, dass die gemeldeten Umsatzzahlen den tatsächlich von OpenAI einbehaltenen Nettoumsatz überzeichnen können. Laut einer Morningstar-Analyse hat OpenAI seine Kundenbindungsrate im Unternehmensbereich nie öffentlich bekannt gegeben, was bei einer angestrebten Billionen-Dollar-Bewertung als bemerkenswerte Auslassung gilt. PitchBook-Forschungen zufolge schneidet OpenAI bei den grundlegenden Geschäftsqualitätsmerkmalen unter den drei großen KI-IPO-Kandidaten (OpenAI, Anthropic und Databricks) am schwächsten ab, obwohl es die höchste Bewertung anstrebt.
Die Rolle von Microsoft und strategische Partnerschaften
Microsoft hat über 13 Milliarden US-Dollar in OpenAI investiert und integriert dessen Modelle in Produkte wie Copilot und Azure AI. Im Gegenzug erhält Microsoft einen Anteil von 20 % an den Einnahmen von OpenAI. Diese strategische Partnerschaft ist eine wichtige Säule des Geschäftsmodells. Fast die Hälfte der Umsätze von OpenAI im Jahr 2026 sollen von Unternehmenskunden stammen, was die Intensivierung des Fokus auf diesen Bereich vor dem Börsengang unterstreicht.
Der Markt und die IPO-Bereitschaft
Der Zeitpunkt für einen Börsengang scheint günstig, da die Nachfrage nach KI-Aktien derzeit sehr hoch ist. Obwohl der Markt nicht mehr auf seinem Höhepunkt ist, ist die Stimmung weit entfernt von den schwierigen Jahren 2022 und 2023. Im Jahr 2021 gab es 1.078 IPOs, während diese Zahl 2022 auf 202 sank. Die aktuelle Marktlage, gepaart mit OpenAIs Rekordfinanzierung, erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Börsengangs in diesem Jahr, da Unternehmen versuchen, das "IPO-Fenster" zu nutzen, um die höchste Bewertung für ihre Aktien zu erzielen.