
Oracle entlässt Tausende für KI-Push: Abfindungen und globale Umstrukturierung
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Oracle hat eine umfassende Entlassungswelle eingeleitet, die Mitarbeiter weltweit betrifft. Die Kündigungen erfolgten abrupt per E-Mail, wobei die betroffenen US-Mitarbeiter ein Abfindungspaket erhalten, das sich nach Dienstjahren richtet. Diese Maßnahmen sind Teil einer strategischen Neuausrichtung zur Finanzierung massiver Investitionen in die KI-Infrastruktur.
Umfassende Entlassungswelle bei Oracle
Am 31. März 2026 begann Oracle mit einer weitreichenden Entlassungswelle, die Mitarbeiter in globalen Niederlassungen betrifft. Betroffene Angestellte in den USA, Indien, Kanada und Mexiko erhielten am frühen Dienstagmorgen, oft gegen 6 Uhr Ortszeit, Kündigungs-E-Mails von "Oracle Leadership". Diese Mitteilungen erfolgten ohne vorherige Warnung durch die Personalabteilung oder direkte Vorgesetzte.
Die E-Mails informierten die Mitarbeiter, dass ihre Rolle im Rahmen einer umfassenderen organisatorischen Veränderung gestrichen wurde und der Tag des E-Mail-Eingangs ihr letzter Arbeitstag sei. Der Zugang zu den Unternehmenssystemen wurde umgehend gesperrt. Oracle hat die genaue Anzahl der betroffenen Personen nicht bestätigt, doch Schätzungen von TD Cowen gehen von 20.000 bis 30.000 Mitarbeitern aus, was etwa 18 % der weltweiten Belegschaft von rund 162.000 Vollzeitkräften (Stand Mai 2025) entspricht.
Das Abfindungspaket für US-Mitarbeiter
Für entlassene US-Mitarbeiter bietet Oracle ein standardisiertes Abfindungspaket an, das im "Oracle America, Inc. Severance Pay Plan" festgelegt ist. Dieses sieht eine "Enhanced severance pay benefits" vor, die vier Wochen Grundgehalt für das erste Dienstjahr sowie eine zusätzliche Woche Gehalt für jedes weitere Dienstjahr umfasst. Die maximale Abfindung ist auf insgesamt 26 Wochen Grundgehalt begrenzt.
Für die Berechnung eines vollen Dienstjahres müssen Mitarbeiter im letzten Jahr ihrer Anstellung mindestens sechs Monate gearbeitet haben. Die Auszahlung wird für Angestellte in Bundesstaaten mit einer WARN-Kündigungsfrist angepasst. Die Berechtigung zum Erhalt der Abfindung tritt nach Unterzeichnung der Kündigungsunterlagen, die über DocuSign versandt werden, in Kraft. In Indien wird eine Abfindungsstruktur erwartet, die der Standard-N+2-Formel folgt, wobei N die Anzahl der Arbeitsjahre in Monaten ausgezahlt wird; unverfallbare RSUs gehen dabei verloren, während verfallene Aktien über Fidelity zugänglich bleiben.
Vergleich mit anderen Big Tech-Unternehmen
Oracles Abfindungsangebot fällt im Vergleich zu einigen anderen jüngsten Angeboten von Big Tech-Unternehmen kleiner aus. Block, das kürzlich fast die Hälfte seiner Mitarbeiter entlassen hat, bot 20 Wochen Gehalt plus eine zusätzliche Woche pro Dienstjahr, sechs Monate Krankenversicherung, ein Stipendium von 5.000 US-Dollar und die Option, das Arbeitsgerät zu behalten.
Im Jahr 2025 umfasste das Abfindungspaket von Meta 16 Wochen Gehalt und zwei zusätzliche Wochen für jedes Dienstjahr, ergänzt durch sechs Monate Krankenversicherungsschutz. Oracles Angebot ähnelt dem von Amazon, das im Januar die Streichung von 16.000 Unternehmensstellen ankündigte und betroffenen Mitarbeitern 90 Tage volles Gehalt und Leistungen sowie ein zusätzliches Abfindungspaket gewährte.
Der Benachrichtigungsprozess
Die Benachrichtigung der betroffenen Mitarbeiter in den USA begann am frühen Dienstagmorgen. Viele berichteten, dass sie gegen 3 Uhr Pazifikzeit eine E-Mail erhielten und gleichzeitig aus den internen Systemen des Unternehmens ausgesperrt wurden. Oracle lehnte eine Stellungnahme zu den Entlassungen ab.
Der Inhalt der Kündigungs-E-Mails, die Business Insider vorliegen, lautete: "Nach sorgfältiger Abwägung der aktuellen Geschäftsbedürfnisse von Oracle haben wir die Entscheidung getroffen, Ihre Rolle im Rahmen einer umfassenderen organisatorischen Veränderung zu streichen. Infolgedessen ist heute Ihr letzter Arbeitstag."
Hintergrund der Umstrukturierung: Fokus auf KI
Die Entlassungen sind Teil einer strategischen Neuausrichtung von Oracle, um erhebliche Mittel für den Ausbau seiner KI-Infrastruktur freizusetzen. TD Cowen schätzt, dass Oracle rund 156 Milliarden US-Dollar für den Aufbau seiner KI-Infrastruktur aufwenden muss. Die Stellenstreichungen sollen dazu dienen, Barmittel für diese massiven Investitionen zu generieren und Oracles Position im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu stärken.
Finanzielle Aspekte der Neuausrichtung
Zur Finanzierung seiner Oracle Cloud Infrastructure (OCI) hat das Unternehmen im Jahr 2026 bereits 45 bis 50 Milliarden US-Dollar durch Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung aufgenommen. Berichten zufolge haben mehrere US-Banken die Kreditkosten erhöht oder sich von der Finanzierung bestimmter Oracle-Rechenzentrumsprojekte zurückgezogen. TD Cowen schätzt, dass die Personalreduzierungen einen Cashflow von 8 bis 10 Milliarden US-Dollar freisetzen werden.
Oracle hatte in seiner 10-Q SEC-Einreichung vom März 2026 einen Restrukturierungsplan in Höhe von 2,1 Milliarden US-Dollar offengelegt, wovon 982 Millionen US-Dollar bereits in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 verbucht wurden. Es wird erwartet, dass etwa 1,1 Milliarden US-Dollar dieses Budgets hauptsächlich für Abfindungszahlungen verwendet werden. Trotz dieser Maßnahmen verzeichnete Oracle im letzten Quartal einen Anstieg des Nettogewinchts um 95 % auf 6,13 Milliarden US-Dollar, und die verbleibenden Leistungsverpflichtungen beliefen sich auf 523 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 433 % gegenüber dem Vorjahr. Dies deutet darauf hin, dass die Entlassungen eine kapitalintensive Wette auf die KI-Infrastruktur darstellen und nicht auf Umsatzschwierigkeiten zurückzuführen sind.
Betroffene Abteilungen und Regionen
Die Entlassungen betrafen Mitarbeiter in verschiedenen globalen Regionen, darunter die USA, Indien, Kanada, Mexiko und Uruguay. Innerhalb des Unternehmens waren zahlreiche Abteilungen betroffen, darunter Oracle Health, Sales, Cloud, Customer Success und NetSuite.
Laut Beiträgen von entlassenen Mitarbeitern auf LinkedIn und anderen Plattformen wurden spezifische Teams wie Revenue and Health Sciences (RHS) und SaaS and Virtual Operations Services (SVOS) mit Reduzierungen von mindestens 30 % konfrontiert. Auch das India Development Centre (IDC) von NetSuite war betroffen, wobei Kürzungen Projektmanagement-, Individual Contributor- und Manager-Rollen auf verschiedenen Ebenen umfassten.