Oracle's KI-Schuldenlast: Anleihemarkt schlägt Alarm und Klage droht

Oracle's KI-Schuldenlast: Anleihemarkt schlägt Alarm und Klage droht

Aktualisiert:
4 Min. Lesezeit
AI-Generated
Human-verified
Teilen:

Keine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken

Die ambitionierte KI-Strategie von Oracle (NYSE:ORCL), die auf KI-Infrastruktur, Hyperscale-Ambitionen und eine wegweisende Partnerschaft mit OpenAI setzt, gerät zunehmend unter Beschuss. Während die Aktienmärkte noch optimistisch sind, haben die Anleihemärkte bereits deutliche Warnsignale ausgesendet, die auf ein erheblich gestiegenes Kreditrisiko hindeuten. Eine Klage von Anleihegläubigern verschärft die Situation zusätzlich.

Oracle's KI-Ambitionen und die Schuldenlast

Oracle verfolgt eine aggressive Strategie im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Dazu gehört ein massiver Fünfjahresvertrag im Wert von 300 Milliarden Dollar zur Bereitstellung von Rechenleistung für OpenAI. Um diese Expansion zu finanzieren, begab sich Oracle im späten September mit neuen Anleihen im Wert von 18 Milliarden Dollar an den Anleihemarkt.

Nur wenige Wochen zuvor hatte das Unternehmen den Deal mit OpenAI bekannt gegeben. Die Finanzierung der KI-Infrastruktur, insbesondere der Bau von Datenzentren, erfordert jedoch erhebliche Investitionen.

Die Klage der Anleihegläubiger

Sieben Wochen nach der ersten Anleiheemission suchte Oracle erneut den Kapitalmarkt auf, diesmal für Darlehen in Höhe von 38 Milliarden Dollar zur Finanzierung von zwei KI-fokussierten Datenzentren in Texas und Wisconsin. Laut den Anleihegläubigern, angeführt vom Ohio Carpenters' Pension Plan, wurden die Investoren von dieser zweiten Kapitalbeschaffung überrascht.

Die Kläger werfen Oracle vor, in den Angebotsunterlagen für die ursprüngliche 18-Milliarden-Dollar-Anleiheemission falsche und irreführende Angaben gemacht zu haben. Sie behaupten, Oracle habe bereits zu diesem Zeitpunkt konkrete Pläne für zusätzliche Finanzierungen gehabt, anstatt nur einen "potenziellen" Bedarf zu kommunizieren. Die Klage richtet sich gegen Oracle, Chairman Larry Ellison, die ehemalige CEO Safra Catz, Chief Accounting Officer Maria Smith und 16 Konsortialbanken.

Der Anleihemarkt schlägt Alarm

Die Reaktion des Anleihemarktes auf die erhöhte Verschuldung war deutlich: Oracle-Anleihen wurden stark abverkauft, die Renditen stiegen und das Kreditrisiko wurde nahezu über Nacht neu bewertet. Dies deutet darauf hin, dass die Kreditgeber eine höhere Entschädigung für das gestiegene Risiko fordern.

Mit einer Gesamtverschuldung von rund 108 Milliarden Dollar (Stand: Ende November 2025) trägt Oracle nun die größte Schuldenlast unter den großen Technologieunternehmen. Die Anleihen des Unternehmens werden zunehmend weniger wie stabile, "Investment Grade"-Instrumente gehandelt, sondern eher wie Papiere, die mit aggressiver Hebelwirkung verbunden sind.

Das "Smart-Money-Signal": CDS auf Krisenniveau

Hinter den Kulissen signalisiert auch der Kreditversicherungsmarkt für Oracle erhöhte Risiken. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) sind auf Niveaus gestiegen, die zuletzt mit der Finanzkrise von 2009 in Verbindung gebracht wurden. Im Dezember 2025 erreichte Oracles Fünfjahres-CDS 155,27 Basispunkte, den höchsten Stand seit der globalen Finanzkrise 2009, was auf eine gewisse "Marktpanik" hindeutet.

Dies ist ein Zeichen dafür, dass erfahrene Investoren sich stillschweigend gegen Szenarien absichern, die an den Aktienmärkten noch nicht vollständig eingepreist sind. Obwohl Oracle eine Kreditwürdigkeit von BBB besitzt, liegen seine Spread-Niveaus nun auf Augenhöhe oder sogar über denen von Junk Bonds. Kreditmärkte bewegen sich tendenziell langsamer als Aktien, aber wenn sie sich bewegen, geschieht dies meist aus strukturellen Gründen.

Skepsis am Markt: Michael Burry und die Bilanzgrenzen

Die massive Verschuldung von Oracle steht schon länger unter Beobachtung. Bereits 2025, als der 300-Milliarden-Dollar-Deal mit OpenAI unterzeichnet wurde, äußerten einige Beobachter Skepsis hinsichtlich Oracles aggressiver Strategie. Angesichts jährlicher Einnahmen von 60 Milliarden Dollar und einem Cashflow von 200 Milliarden Dollar wurde die Fähigkeit des Unternehmens, einen derart kolossalen Auftrag zu erfüllen, hinterfragt.

Der Kern der Marktskepsis liegt in der Frage, ob Oracles massive Kreditaufnahme zum Aufbau der KI-Infrastruktur letztendlich fruchtlos sein wird. Der bekannte "Big Short"-Investor Michael Burry hat Put-Optionen auf Oracle-Aktien offengelegt und das Unternehmen in den letzten sechs Monaten geshortet. Burry äußerte, er möge und verstehe Oracles Marktpositionierung und Investitionsstrategie nicht, was seine Skepsis gegenüber der aggressiven Expansionsstrategie widerspiegelt. Die KI-Strategie von Oracle mag sich letztendlich auszahlen, doch der Anleihemarkt diskutiert nicht mehr das Aufwärtspotenzial, sondern die Grenzen der Bilanz. Wenn Schuldeninvestoren das Risikoprofil neu bewerten, reicht der Optimismus am Aktienmarkt allein nicht aus, um die Erzählung intakt zu halten.

Erwähnte Persönlichkeiten