
Oracle sichert 16 Mrd. Dollar für KI-Rechenzentrum in Michigan
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Oracle hat eine Finanzierung in Höhe von 16 Milliarden US-Dollar für einen geplanten KI-Rechenzentrumscampus in Saline Township, Michigan, abgeschlossen. Dieses Megaprojekt, das eine Kapazität von über einem Gigawatt erreichen soll, ist ein zentraler Baustein für Oracles KI-Geschäft und die breitere US-amerikanische KI-Infrastruktur. Es unterstreicht die enormen Kapitalinvestitionen, die für die Entwicklung künstlicher Intelligenz erforderlich sind.
Milliardenfinanzierung für Mega-Rechenzentrum
Die Finanzierung des Rechenzentrums, das vom Entwickler Related Digital gebaut und von Oracle für OpenAI gemietet wird, ist nach monatelangen Verhandlungen zustande gekommen. Sie umfasst 14 Milliarden US-Dollar aus dem Verkauf von Anleihen, die hauptsächlich von Pacific Investment Management Co. (PIMCO) gezeichnet wurden, welche rund 10 Milliarden US-Dollar beisteuerte. Blackstone und Related Digital stellten etwa 2 Milliarden US-Dollar an Eigenkapital bereit. Bank of America agierte als Strukturierungsagent und Finanzberater für den Deal.
Der Campus in Saline Township, etwa 80 Kilometer außerhalb von Detroit, wird sich über 250 Hektar erstrecken und damit zu den größten in den Vereinigten Staaten zählen. Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer bezeichnete es im vergangenen Jahr als die "größte Investition in der Geschichte Michigans".
Ein Leuchtturmprojekt für die KI-Infrastruktur
Das Rechenzentrum ist darauf ausgelegt, Oracles KI-Geschäft zu unterstützen, von dem das Unternehmen bis 2027 einen Umsatz von rund 90 Milliarden US-Dollar erwartet. Es ist zudem ein integraler Bestandteil des "Stargate"-Projekts, einer 500 Milliarden US-Dollar schweren Initiative von Oracle, OpenAI und SoftBank. Ziel dieser Initiative ist der Aufbau von KI-Infrastruktur in den USA, um die Vorherrschaft des Landes im Wettlauf um die Entwicklung künstlicher Intelligenz zu sichern. Die Bauarbeiten für den Campus begannen im Februar.
Oracle ist der Anker-Mieter des Campus und plant, die Einrichtung zur Bedienung von OpenAI zu nutzen. Das Projekt soll eine Schlüsselrolle in der digitalen Entwicklung der Vereinigten Staaten spielen und Oracles Präsenz im Bereich der US-amerikanischen KI-Rechenleistung erweitern.
Finanzierungsprozess: Vorsichtige Wall Street
Der Finanzierungsprozess gestaltete sich langwierig und signalisiert eine vorsichtigere Haltung der Wall Street gegenüber schuldengetriebenen KI-Investitionen. Investoren forderten höhere Prämien und zusätzliche Kreditsicherheiten, da Oracle lediglich Mieter und nicht Miteigentümer der Anlage ist. Einige US-Banken zogen sich Berichten zufolge aus dem Deal zurück, da sie Zweifel an der Nachhaltigkeit der KI-Infrastrukturnachfrage in dem von Oracle prognostizierten Umfang hegten.
Die Anleihen wurden als Privatplatzierung mit einer Laufzeit bis 2045 und einem Kupon von 7,5 % ausgegeben. Diese Projektfinanzierung ist gegen den Campus selbst besichert und nicht gegen Oracles Unternehmensbilanz. Dies bedeutet, dass Investoren gegen die prognostizierten Cashflows einer einzelnen Anlage und nicht gegen die Kreditwürdigkeit eines 400 Milliarden US-Dollar schweren Unternehmens absichern. Oracles verbleibende Leistungsverpflichtungen von 553 Milliarden US-Dollar, die im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 gemeldet wurden, untermauern die Nachfrageannahme, wobei ein erheblicher Teil dieser Verpflichtungen auf OpenAI zurückzuführen ist.
Lokale Bedenken und Umweltauswirkungen
Trotz der wirtschaftlichen Versprechen äußern Anwohner in Michigan Bedenken hinsichtlich des Projekts. Bei Protesten im Dezember in Saline wurden Sorgen über die Auswirkungen auf das Stromnetz, das von DTE, Michigans größtem Stromversorger, betrieben wird, und die potenzielle Umweltverschmutzung geäußert. Tammie Bruneau, eine Anwohnerin, erklärte gegenüber Michigan Public Radio: "Wenn es auf magische Weise verschwinden würde, wäre ich sehr glücklich, weil ich zu meinem ruhigen Leben zurückkehren könnte."
Die Entwickler des Saline-Projekts gaben an, ein "geschlossenes Kühlsystem" zu verwenden, um Michigans Wasserressourcen zu schützen. Auch die Zusage von Tech-Führern im März, einen größeren Anteil der Energiekosten von Rechenzentren zu übernehmen, konnte die Sorgen der Anwohner bisher kaum lindern.
Der breitere Kontext der KI-Expansion
Ländliche Gebiete in den USA sind zunehmend zum bevorzugten Standort für Tech-Giganten geworden, die Rechenkapazitäten für ihre KI-Ambitionen sichern wollen. Eine Untersuchung von Business Insider aus dem letzten Jahr identifizierte 1.240 bestehende oder geplante Rechenzentren im ganzen Land im Jahr 2024, ein deutlicher Anstieg gegenüber 311 im Jahr 2010. Ein beträchtlicher Teil davon wird im Mittleren Westen gebaut.
Unternehmen wie OpenAI argumentieren, dass der Bau neuer Rechenzentren die US-Wirtschaft reindustrialisieren und Arbeitsplätze schaffen wird. Gleichzeitig investieren große Tech-Unternehmen wie Alphabet, Amazon und Meta laut Bridgewater Associates in diesem Jahr kollektiv rund 650 Milliarden US-Dollar in den Ausbau ihrer KI-bezogenen Infrastruktur. Oracles 16-Milliarden-Dollar-Finanzierung ist ein signifikanter Teil seines umfassenderen Plans, in den Jahren 2026 bis 2027 insgesamt 45 bis 50 Milliarden US-Dollar für den Ausbau von Rechenzentren zu mobilisieren.