
Palo Alto Networks: KI-Wachstum trotz kurzfristiger Prognose-Dämpfer
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Palo Alto Networks hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 solide Ergebnisse vorgelegt, doch eine vorsichtigere Gewinnprognose für das laufende Quartal und das Gesamtjahr führte zu einem deutlichen Kursrückgang der Aktie. Trotz dieser kurzfristigen Dämpfer betonen Analysten und das Management die langfristigen Wachstumschancen im Cybersicherheitsmarkt, insbesondere durch die zunehmende Bedeutung der Künstlichen Intelligenz.
Palo Alto Networks: Starke Zahlen, getrübter Ausblick
Der Cybersicherheitsriese Palo Alto Networks (PANW) übertraf im zweiten Geschäftsquartal, das am 31. Januar endete, die Erwartungen. Der Umsatz stieg um 15 % auf 2,59 Milliarden US-Dollar und lag damit über der Konsensschätzung von 2,58 Milliarden US-Dollar (LSEG). Der Gewinn pro Aktie (EPS) sprang im Jahresvergleich um 27 % auf 1,03 US-Dollar und übertraf die LSEG-Schätzung von 94 Cents.
Trotz dieser starken Zahlen fiel die Aktie im nachbörslichen Handel um mehr als 8 %. Grund dafür war eine schwächer als erwartete EPS-Prognose für das laufende Quartal sowie eine Senkung des Ausblicks für den Gesamtjahresgewinn. Das Management erklärte, dass die Abwärtskorrektur der Profitabilität auf die Verwässerung durch die Akquisitionen von CyberArk und Chronosphere zurückzuführen sei und nicht auf fundamentale Probleme. Gleichzeitig wurde die Umsatzprognose für das laufende Quartal und das Gesamtjahr sowie die Prognose für den Next-Generation Security Annual Recurring Revenue (ARR) angehoben.
Cybersicherheit im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) im Bereich der Cybersicherheit war ein zentrales Thema der Telefonkonferenz. CEO Nikesh Arora betonte, dass die KI-Einführung die Angriffsfläche für Unternehmen erweitert, da mehr virtuelle Agenten, Infrastruktur und Maschine-zu-Maschine-Aktivitäten neue Risikoklassen schaffen. Ein umfassender Plattform-Ansatz zur Cybersicherheit sei daher nicht nur wichtig, sondern ermögliche die sichere und skalierbare Einführung von KI.
Arora wies darauf hin, dass die Geschwindigkeit der KI bedeutet, dass Unternehmen mit mehreren Sicherheitsanbietern nicht schnell genug auf Bedrohungen reagieren können. Er verglich die aktuelle Adoptionskurve der KI-Sicherheit mit der Cloud-Sicherheit vor einem Jahrzehnt und stellte fest, dass sich alles diesmal viel schneller entwickle. Palo Alto Networks generiert proprietäre, domänenspezifische Daten an den "Rändern" des Netzwerks, die nicht durch Large Language Models (LLMs) ersetzt werden können, da diese auf vorhandenen Trainingsdaten basieren.
Ein Analyst fragte, warum die gestiegene Nachfrage noch nicht in großem Umfang in den Zahlen sichtbar sei. Arora erklärte, dass es, ähnlich wie bei der Cloud-Einführung, einen Zeitverzug gebe, der typischerweise zwei bis drei Jahre betrage, bis Unternehmen ihre Anwendungen vollständig migriert hätten. Er erwarte jedoch, dass sich die Zahlen bald zeigen werden. Ein Indikator dafür ist Prisma AIRS, Palo Altos KI-native Sicherheitsplattform, die als eines der am schnellsten wachsenden Produkte in der Unternehmensgeschichte mit über 100 Kunden und einer mehr als dreifachen sequenziellen Steigerung genannt wurde.
Geschäftsdynamik und Wachstumstreiber
Abseits der kurzfristigen Prognoseanpassungen zeigt das Geschäft von Palo Alto Networks eine starke Dynamik. Der Next-gen ARR beschleunigte sich im zweiten Geschäftsquartal auf 33 %, gegenüber 29 % im Vorquartal. Auch die gesamten verbleibenden Leistungsverpflichtungen (RPO), die bereits unterzeichnete, aber noch nicht erfüllte Geschäfte repräsentieren, lagen über den Erwartungen.
Das Unternehmen verzeichnete eine starke Ausweitung der operativen Marge. Im zweiten Quartal wurden etwa 110 neue "Plattformisierungen" abgeschlossen, was einem Wachstum von rund 35 % im Jahresvergleich entspricht. Die Netto-Bindungsrate (NRR) bei plattformisierten Kunden lag bei 119 %, was bedeutet, dass diese Kundengruppe 19 % mehr Next-gen ARR generiert als vor einem Jahr. Dies deutet auf eine hohe Kundenbindung und die Fähigkeit hin, das Geschäft mit bestehenden Kunden auszubauen.
Ausblick und Analystenbewertung
Für das dritte Geschäftsquartal 2026 erwartet das Management:
- Next-generation ARR: 7,94 Milliarden bis 7,96 Milliarden US-Dollar
- Verbleibende Leistungsverpflichtung (RPO): 17,85 Milliarden bis 17,95 Milliarden US-Dollar
- Umsatz: 2,941 Milliarden bis 2,945 Milliarden US-Dollar
- Bereinigter Gewinn pro Aktie: 0,78 bis 0,80 US-Dollar
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 wurde die Prognose angepasst:
- Next-generation ARR: 8,52 Milliarden bis 8,62 Milliarden US-Dollar
- RPO: 20,2 Milliarden bis 20,3 Milliarden US-Dollar
- Umsatz: 11,28 Milliarden bis 11,31 Milliarden US-Dollar (zuvor 10,5 Milliarden bis 10,54 Milliarden US-Dollar)
- Bereinigter Gewinn pro Aktie: 3,65 bis 3,70 US-Dollar (zuvor 3,80 bis 3,90 US-Dollar)
Trotz der gesenkten EPS-Prognose bekräftigen Analysten ihre positive Einschätzung für Palo Alto Networks. Sie sehen den Kursrückgang als Kaufgelegenheit und betonen, dass der Cybersicherheitsmarkt ein säkularer Wachstumsmarkt ist, da Unternehmen angesichts der ständigen Bedrohungen durch Cyberkriminelle nicht auf Investitionen in die Verteidigung verzichten können. Jim Cramer hat wiederholt betont, dass Cybersicherheitsaktien wie Palo Alto und CrowdStrike nicht mit traditionellen SaaS-Namen in einen Topf geworfen werden sollten, da Cyberschutz in einer von KI geprägten Welt von entscheidender Bedeutung ist. Die Geduld der Investoren wurde bereits bei der Cloud-Revolution belohnt, und es wird erwartet, dass dies auch in der KI-Revolution der Fall sein wird.