
Paulson warnt vor US-Staatsanleihen-Kollaps: Notfallplan gefordert
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Der ehemalige US-Finanzminister Henry Paulson hat die US-Behörden eindringlich aufgefordert, einen Notfallplan für einen potenziellen Zusammenbruch der Nachfrage nach Staatsanleihen vorzubereiten. Er warnt, dass eine solche Krise weitaus schwieriger zu bewältigen wäre als die Finanzkrise von 2008 und "bösartige" Auswirkungen hätte, die das globale Finanzsystem erschüttern könnten.
Die dringende Warnung des ehemaligen Finanzministers
Paulson, der das Finanzministerium während der Finanzkrise 2008 leitete, betonte am Donnerstag in einem Interview auf Bloomberg Television’s Wall Street Week mit David Westin die Notwendigkeit eines "Break-the-Glass"-Plans. Dieser Plan müsse zielgerichtet und kurzfristig sein, um sofort einsatzbereit zu sein, "wenn wir gegen die Wand fahren". Er hob hervor, dass eine US-Schuldenkrise schwerer einzudämmen wäre als die Kreditkrise, die er damals managte.
Er beschrieb ein gefährliches Szenario: "Wenn man gegen die Wand fährt und versucht, Staatsanleihen auszugeben, und die Fed der einzige Käufer ist und die Preise der Staatsanleihen fallen und die Zinsen steigen, ist das eine gefährliche Sache." Obwohl der genaue Zeitpunkt eines solchen Szenarios unmöglich vorherzusagen sei, wären die Auswirkungen "bösartig", weshalb eine Vorbereitung unerlässlich sei.
Die wachsende US-Staatsschuld und das Defizit
Die US-Staatsschuld hat die Marke von 39 Billionen Dollar überschritten, während das Defizit bei etwa 6% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegt. Solche Defizitwerte wurden historisch nur in Kriegszeiten oder Rezessionen beobachtet. Das Congressional Budget Office (CBO) prognostiziert, dass die Schuldenquote im Verhältnis zum BIP bis 2030 einen Rekordwert von 108% erreichen wird.
Diese Entwicklung hat Ökonomen seit Jahren vor einer potenziellen "Doom Loop" warnen lassen. Dabei fordern Investoren aufgrund der wachsenden Staatsverschuldung höhere Renditen für Staatsanleihen, was wiederum die Zinszahlungen erhöht und das Defizit weiter ausweitet. Die aktuellen Zinszahlungen für 10-jährige Anleihen liegen bei 4,3%.
Lösungsansätze und politische Hürden
Paulson schlägt vor, das Problem durch höhere Einnahmen, das Schließen von Steuerschlupflöchern und eine Überarbeitung der Sozialversicherungs- und Gesundheitsprogramme anzugehen. Die größte Herausforderung sieht er jedoch in der Politik. "Der Kongress mag es nicht, unangenehme Dinge zu tun, bis es eine unmittelbare Krise gibt", kommentierte er.
Das Fundament des globalen Finanzsystems
Der US-Treasury-Markt gilt als das Fundament des globalen Finanzsystems und dient als "risikofreier" Referenzwert. Andere Vermögenswerte wie Unternehmensanleihen, Hypotheken und Aktien werden relativ zu den Treasuries bepreist. Eine Instabilität in diesem Markt könnte weitreichende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben.
Sollte das Finanzministerium nicht in der Lage sein, die notwendigen Mittel zur Begleichung der Zinsen aufzubringen, wird weithin angenommen, dass die Federal Reserve zum Hauptkäufer von Staatsanleihen werden müsste. Dies würde die Risiken einer steigenden Inflation und eines Vertrauensverlusts in den US-Dollar erhöhen.
Auswirkungen auf den Kryptomarkt
Ein Zusammenbruch des US-Treasury-Marktes könnte vielfältige Auswirkungen auf die Kryptomärkte haben, sowohl positive als auch negative:
- Flucht in alternative Werte: Eine Krise könnte eine Flucht in alternative Wertspeicher wie Bitcoin (BTC) oder Gold auslösen, insbesondere wenn die Fed gezwungen wäre, Schulden zu monetarisieren, was Inflationsängste schürt und das Vertrauen in den Dollar untergräbt.
- **Stablecoin-Risiken:** Der weltweit größte Stablecoin-Emittent Tether ist maßgeblich durch Treasuries gedeckt. Laut dem Transparenzbericht von Tether bestehen 63% seiner Gesamtreserven aus US-Treasury Bills und 10% aus Overnight Reverse Repurchase Agreements.
- Kurzfristige Schmerzen: Andri Fauzan Adziima, Forschungsleiter bei der Handelsplattform Bitrue, bezeichnet dies als "Watch-List Macro Tail Risk". Im Falle einer Krise könnte es zu kurzfristigen Schmerzen durch "spikende Renditen, engere globale Liquidität und Risk-Off-Verkäufe kommen, die BTC und Altcoins hart treffen und Stablecoin-Risiken verstärken". Tether allein hält über 120 Milliarden Dollar in Treasuries, was es anfällig für Rücknahme-Runs oder Depegs macht, falls das Vertrauen schwindet.
- Langfristige Chancen: Langfristig könnte eine solche Krise "eine Flucht in nicht-souveräne Wertspeicher beschleunigen und Bitcoin als 'digitales Gold' inmitten des schwindenden Vertrauens in die US-Schuld/Dollar-Dominanz positionieren".
Maßnahmen zur Marktstabilisierung
Das US-Finanzministerium hat bereits Schritte zur Verbesserung der Marktfunktion unternommen. Am Donnerstag führte es den größten einzelnen Schuldenrückkauf durch und akzeptierte ältere Wertpapiere im Wert von 15 Milliarden Dollar, die zwischen 2026 und 2028 fällig werden. Solche Rückkäufe sollen die Liquidität des Treasury-Marktes verbessern.