
Polestar erzielt Rekord-Retail-Verkäufe 2025 und stärkt Finanzstruktur
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Polestar Automotive hat ein ereignisreiches Jahr 2025 abgeschlossen, das von Rekord-Retail-Verkäufen, einer signifikanten Umsatzsteigerung und wichtigen Schritten zur Stärkung der Finanzstruktur geprägt war. Trotz eines herausfordernden Marktumfelds konnte der schwedische Elektrofahrzeughersteller seine strategischen Ziele vorantreiben und eine umfassende Modelloffensive einleiten.
Rekordjahr 2025: Wachstum und verbesserte Margen
Im Geschäftsjahr 2025 lieferte Polestar über 60.100 Fahrzeuge aus, was einem Wachstum von 34 % gegenüber dem Vorjahr entspricht und die eigene Prognose von 30 bis 35 % Wachstum erfüllte. Dies markiert einen neuen Rekord für die junge Marke. Der Umsatz stieg um 50 % auf über 3 Milliarden US-Dollar.
Jean Francois Madi, CFO von Polestar, hob hervor, dass das Unternehmen eine nahezu ausgeglichene bereinigte Bruttomarge von minus 0,7 % erreichte, eine deutliche Verbesserung gegenüber minus 12,5 % im Vorjahr. Diese positive Entwicklung wurde durch einen wachsenden Anteil des Polestar 4 am Absatzmix, Verbesserungen im geografischen Absatzmix, höhere Einnahmen aus CO2-Gutschriften in Höhe von 181 Millionen US-Dollar sowie kontinuierliche Produktkostenreduzierungen unterstützt.
Die unbereinigte Bruttomarge lag jedoch bei minus 35 %, hauptsächlich aufgrund von Wertminderungsaufwendungen in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar für Polestar 2, Polestar 3 und interne Entwicklungsprojekte, einschließlich des Polestar 5. Diese Wertminderungen wurden durch Änderungen in Vorschriften und Richtlinien, höhere Produktionskosten, Preisdruck und eine verlangsamte Nachfrage im oberen EV-Premiumsegment begründet. Der bereinigte EBITDA-Verlust verringerte sich um 27 % auf 783 Millionen US-Dollar.
Stärkung der Finanzierung und Kapitalstruktur
Polestar hat im letzten Monat des Jahres 2025 und Anfang 2026 erhebliche Fortschritte bei der Sicherung zusätzlicher Finanzierungen erzielt. Seit Dezember 2025 wurden in drei Eigenkapitalfinanzierungsrunden 1 Milliarde US-Dollar an neuem externem Eigenkapital mit Unterstützung von Geely Sweden Holdings aufgenommen. Diese Platzierungen stärken die Bilanz und erweitern die Aktionärsbasis.
Darüber hinaus wurden Vereinbarungen mit Volvo Cars und Geely Sweden Holdings zur Umwandlung von Aktionärsdarlehen in Höhe von rund 640 Millionen US-Dollar in Eigenkapital bekannt gegeben. Diese Umwandlungen sollen die Liquiditätsposition stärken und den Anteil von Volvo Cars an Polestar bei etwa 19,9 % halten. Michael Lochscheller, CEO von Polestar, betonte, dass diese Maßnahmen ein klares Zeichen der anhaltenden Unterstützung durch die Hauptaktionäre seien.
Zum Jahresende 2025 verfügte Polestar über eine Liquidität von rund 1,2 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen erfüllte alle Kreditauflagen und die Club-Loan-Gläubiger stimmten einer Änderung der Auflagen für 2026 zu.
Umfassende Modelloffensive und technologische Fortschritte
Polestar präsentierte im Februar die Details seiner bisher größten Modelloffensive mit vier neuen Fahrzeugen, die in den nächsten drei Jahren geplant sind:
- Polestar 5: Der viertürige GT, der Ende letzten Jahres vorgestellt wurde, soll im Sommer ausgeliefert werden.
- Polestar 4 Variante: Eine neue Variante des globalen Bestsellers Polestar 4 wird Ende des Jahres auf den Markt kommen, mit ersten Auslieferungen im vierten Quartal. Die Produktion für alle Märkte erfolgt in Busan, Südkorea.
- Nächste Generation Polestar 2: Eine komplett neu gestaltete Version des Modells, das die Marke Polestar etabliert hat.
- Polestar 7: Ein kompaktes Premium-SUV, das einen attraktiven Einstieg in die Marke bieten soll.
Technologisch setzt Polestar weiterhin Akzente. Der aufgerüstete Polestar 3 des Modelljahres 2026 verfügt über eine 800-Volt-Architektur, die Ladeleistungen von bis zu 350 Kilowatt und eine Leistung von bis zu 500 Kilowatt ermöglicht. Zudem wurde der Nvidia-Prozessor auf 254 Billionen Operationen pro Sekunde aufgerüstet, ein Upgrade, das auch bestehenden Polestar 3 Kunden angeboten wird.
Polestar ist der erste OEM, der Googles Life Lane Guidance in seine Fahrzeuge integriert hat, die bereits für Polestar 4 Kunden in den USA und Schweden ausgerollt wird. Im November wurde zudem Googles KI-basierter Gemini-Assistent im Polestar 5 demonstriert, der per Over-the-Air-Updates auch für bestehende Kunden verfügbar sein soll.
Ausblick auf 2026 und strategische Prioritäten
Für 2026 prognostiziert Polestar ein niedriges zweistelliges Wachstum der Retail-Verkaufszahlen. Der Polestar 4 Coupé wird weiterhin das meistverkaufte Modell sein, und später im Jahr wird die neue Polestar 4 SUV-Variante den Absatzmix erweitern.
Im ersten Quartal 2026 verzeichnete Polestar bereits 13.100 Retail-Verkäufe, ein Rekord für ein erstes Quartal und ein Wachstum von 7 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders starke Zuwächse gab es in wichtigen Märkten wie Großbritannien (20 %), Schweden (17 %) und Deutschland (35 %).
Die strategischen Prioritäten des Unternehmens für die Zukunft umfassen:
- Wachstum durch das aktive Vertriebsmodell und das erweiterte Händlernetz vorantreiben.
- Prozesse verbessern, die Organisation straffen und weitere operative Synergien finden.
- Effizienz steigern, Kosten senken und finanzielle Disziplin aufrechterhalten.
- Fokus auf das Management des Cash Conversion Cycle und die Erschließung zukünftiger Finanzierungsquellen.
Polestar plant, sein Händlernetz bis Ende 2026 auf rund 250 Verkaufsstellen zu erweitern, was einem Wachstum von 20 % gegenüber Ende 2025 entspricht. Das Unternehmen ist bestrebt, den Cash-Burn im Jahr 2026 im Vergleich zu 2025 zu verbessern, unterstützt durch optimierte Betriebsergebnisse, reduzierte Finanzzinsen und geringere Investitionsausgaben durch eine einzigartige Plattformstrategie und die Nutzung von Geely Group Technologien. Michael Lochscheller betonte die Flexibilität der globalen Fertigungspräsenz in Nordamerika, Südkorea und China, mit dem mittelfristigen Ziel, die Produktion in Europa zu lokalisieren, beispielsweise für den Polestar 7.