
Polymarket verschärft Regeln gegen Insiderhandel auf Vorhersagemärkten
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Polymarket, eine führende Plattform für Vorhersagemärkte, hat ihre Regeln zur Bekämpfung von Insiderhandel verschärft. Diese Maßnahme erfolgt inmitten wachsender Bedenken von Gesetzgebern und Aufsichtsbehörden hinsichtlich der Integrität von Wetten auf zukünftige Ereignisse, insbesondere nach auffällig getimten Einsätzen im Zusammenhang mit geopolitischen Entwicklungen. Ziel ist es, die Marktintegrität zu stärken und potenziellen Missbrauch vertraulicher Informationen zu unterbinden.
Polymarket verschärft Regeln gegen Insiderhandel
Polymarket hat am Montag bekannt gegeben, seine Richtlinien zu aktualisieren, um den Handel auf Basis von "gestohlenen vertraulichen Informationen" oder illegalen Tipps zu verbieten. Zudem dürfen Händler keine Wetten platzieren, wenn sie eine "Position der Autorität oder des Einflusses" innehaben, die das Ergebnis eines bestimmten Ereignisses beeinflussen könnte. Ein Beispiel hierfür wäre, dass CEOs eines öffentlichen Unternehmens nicht auf Märkte wetten dürfen, die sich auf die Häufigkeit bestimmter Wörter in ihren eigenen Earnings Calls konzentrieren.
Die neuen Regeln sind auf einer "Marktintegrität"-Seite der Webseite von Polymarket veröffentlicht und gelten sowohl für den US-amerikanischen als auch für den Offshore-Betrieb des Unternehmens. Polymarket setzt ein "mehrschichtiges Überwachungssystem" ein und arbeitet mit Spezialisten für Überwachung und Technologie zusammen, um Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen zu erkennen. Bei verdächtigen Handelsaktivitäten können Disziplinarmaßnahmen ergriffen oder die Angelegenheit an Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet werden. Neal Kumar, Chief Legal Officer von Polymarket, betonte, dass "Märkte von Klarheit leben" und diese Regelverbesserungen die Erwartungen für alle Teilnehmer verdeutlichen.
Hintergrund: Zunehmende Kritik an Vorhersagemärkten
Unternehmen wie Polymarket und der Konkurrent Kalshi ermöglichen es Nutzern, Geld auf den Ausgang von Wahlen, Sportereignissen und vielen anderen Geschehnissen zu setzen. Trotz ihrer wachsenden Popularität geraten diese Plattformen zunehmend ins Visier von Gesetzgebern und Kritikern. Diese äußern Bedenken hinsichtlich möglicher Verstöße gegen Anti-Glücksspiel-Vorschriften und die Integrität der Handelsaktivitäten.
Stephen Piepgrass, Partner bei Troutman Pepper Locke und Leiter der Regulierungspraxis der Anwaltskanzlei, wies auf "viel Besorgnis" bezüglich des Handels zwischen den USA und dem Ausland hin. Er sieht in den aktuellen Maßnahmen einen Versuch, einen einheitlichen Ansatz zu schaffen, der überall gilt.
Verdächtige Wetten und politische Reaktionen
In den letzten Monaten sorgte Polymarket für Aufsehen, nachdem einige Nutzer verdächtig gut getimte Wetten platzierten. Dies betraf unter anderem die Gefangennahme des ehemaligen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und den Ausbruch eines Krieges im Iran. Ein Nutzer soll Hunderttausende von Dollar mit Wetten auf den Zeitpunkt von US-Angriffen auf den Iran verdient haben.
Ein "Smart Money"-Konto platzierte zudem eine Wette von 14.500 US-Dollar auf einen US-Militäreinsatz im Iran in diesem Jahr, was im Kontext der erhöhten Aufmerksamkeit für kriegsbezogene Vorhersagemärkte bemerkenswert ist. Berichte des Center for American Progress und von Newsweek heben hervor, dass sechs neu erstellte Polymarket-Konten kurz vor gemeldeten Angriffen rund 1,2 Millionen US-Dollar durch konzentrierte "Ja"-Wetten verdienten. Diese Vorfälle führten zu scharfer Kritik.
Senator Ruben Gallego (Demokrat, Arizona) kommentierte auf sozialen Medien: "Insiderhandel am helllichten Tag." Auch Senator Chris Murphy (D-CT) äußerte sich mit "Wahnsinn, dass das legal ist" und argumentierte, solche Märkte lüden zum Missbrauch sensibler Informationen ein. Rep. Adam Schiff hat den sogenannten "DEATH BETS Act" vorangetrieben, der Verträge im Zusammenhang mit Krieg, Terrorismus, Attentaten oder Todesfällen verbieten soll, um nationale Sicherheitsrisiken zu mindern.
Regulierungsdruck und präventive Maßnahmen
Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC), die Vorhersagemärkte reguliert, hat Anfang des Monats Leitlinien zur Verhinderung von Insiderhandel herausgegeben. Die Behörde ermutigte Börsen im Rahmen eines vorgeschlagenen Regelsetzungsprozesses auch, mit ihren Mitarbeitern bei der Gestaltung von Event-Kontrakten zusammenzuarbeiten, um potenzielle "Manipulations- oder Preisverzerrungsrisiken" zu identifizieren.
Stephen Piepgrass deutet an, dass die Verschärfung der Regeln durch Polymarket und Kalshi ein Versuch sein könnte, einer möglichen Regulierung durch den Kongress zuvorzukommen. Er merkt an: "Ich denke, die Sorge ist, wenn diese Marktplattformen keine eigenen Regime implementieren, dann wird jemand das für sie tun."
Kalshi zieht nach
Auch der Konkurrent Kalshi kündigte am Montag an, seine Fähigkeiten zur Erkennung von Insiderhandel zu verbessern und seine Richtlinien gegen Marktmanipulation zu verschärfen. Das Unternehmen führt "neue technologische Schutzmaßnahmen" ein, die Politiker, Sportler und andere relevante Personen präventiv vom Handel in bestimmten Politik- und Sportmärkten ausschließen sollen. Kalshi plant zudem die Einführung einer Whistleblower-Funktion, die es Nutzern ermöglicht, potenzielle Regelverstöße zu melden.
Die Debatte um Ethik und Informationswert
Die Diskussion um Vorhersagemärkte berührt tiefgreifende ethische Fragen. Kritiker, darunter auch Glaubensführer wie Kardinal Blase J. Cupich, argumentieren, dass das Profitieren von Wetten auf Konflikte das öffentliche Vertrauen untergräbt und menschliche Kosten trivialisiert. Kardinal Cupich sprach von einem "tiefgreifenden moralischen Versagen, reale Menschen zu gamifizieren".
Laut Responsible Statecraft könnten kriegsbezogene Vorhersagemärkte Anreize für das Leaken nicht-öffentlicher Informationen und vorzeitige Offenlegungen schaffen. Selbst kleine Signale über verdeckte Operationen könnten monetarisiert werden, was die operative Sicherheit erschwert. Polymarket verteidigte jedoch die Bereitstellung solcher Märkte als konsistent mit seinen Regeln und argumentierte, dass aggregierte Handelssignale in geopolitischen Krisen informativ sein können. Dies unterstreicht die breitere Debatte darüber, ob der Informationswert die ethischen und sicherheitstechnischen Bedenken überwiegt.