
RBI hält Leitzins stabil: Indiens Wirtschaft im Schatten des Iran-Krieges
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Die indische Zentralbank (RBI) hat am 8. April 2026 ihren Leitzins bei 5,25 % belassen. Diese Entscheidung erfolgte, da ein robustes Wirtschaftswachstum der RBI Spielraum für eine straffe Geldpolitik gibt, während der Iran-Krieg die Inflationsrisiken erhöht. Ökonomen hatten im Vorfeld mehrheitlich mit einer unveränderten Zinspolitik gerechnet.
Leitzins unverändert: RBI reagiert auf Inflationsrisiken
Das Monetary Policy Committee (MPC) der Reserve Bank of India (RBI) hielt den Leitzins, den sogenannten Repo-Satz, bei 5,25 %. Dies markiert die fünfte Sitzung in Folge ohne Änderung. RBI-Gouverneur Sanjay Malhotra betonte in seiner Erklärung, dass die Intensität und Dauer des Konflikts sowie die daraus resultierenden Schäden an der Energie- und anderen Infrastruktur ein "Risiko für Indiens Inflation und Wachstum" darstellen.
Die indische Verbraucherinflation stieg im Februar zum vierten Mal in Folge auf 3,21 %, nach 2,75 % im Vormonat. Malhotra äußerte sich "kurzfristig komfortabel" bezüglich der Nahrungsmittelpreise, wies jedoch auf das Risiko steigender Energiepreise durch den Nahostkonflikt für die Inflation hin. Die RBI behält weiterhin eine "Neutral"-Haltung bei, was auf eine vorsichtige Beobachtung der wirtschaftlichen Entwicklung hindeutet.
Geopolitische Spannungen und ihre Auswirkungen
Der Konflikt, der am 28. Februar nach US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran begann, hat den Warenverkehr durch die Straße von Hormus erheblich gestört. Diese kritische Wasserstraße transportiert 20 % des weltweiten Öls, was zu einem Anstieg der Energie- und Frachtkosten führte und die globalen Lieferketten belastete. Die Brent-Rohölpreise stiegen von etwa 70 US-Dollar pro Barrel Ende Februar auf über 105 US-Dollar Ende März.
Für Indien, einen großen Energieimporteur, bedeutet jeder Anstieg der Ölpreise um 10 US-Dollar eine Erhöhung der jährlichen Importrechnung um etwa 13 bis 14 Milliarden US-Dollar. Eine vorübergehende Entspannung trat am selben Tag ein, als die USA und der Iran einen Waffenstillstand vereinbarten. Teheran erklärte, dass eine sichere Passage von Schiffen für die nächsten zwei Wochen in Abstimmung mit den Streitkräften des Landes "möglich" sei, was zu einem Rückgang der Brent-Rohöl-Futures um etwa 10 % auf rund 95 US-Dollar pro Barrel führte.
Indiens Wirtschaft im Spannungsfeld von Wachstum und Risiko
Indien bleibt die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft der Welt und expandierte im Dezember-Quartal um über den Erwartungen liegende 7,8 %. Trotz dieser Stärke droht der Iran-Krieg das Wachstum zu bremsen. Indiens Chef-Wirtschaftsberater V. Anantha Nageswaran warnte bereits im Vormonat, dass die Wachstumsprognose von 7,0 %–7,4 % für das Finanzjahr bis März 2027 "erheblichen Abwärtsrisiken" durch steigende Energiekosten und Lieferkettenstörungen ausgesetzt sei.
Nageswaran betonte, dass der Nahostkonflikt die Lieferungen wichtiger Rohstoffe wie Öl, Gas und Düngemittel stören, Importpreise in die Höhe treiben und Logistikkosten erhöhen würde, was sich auf Wachstum und Inflation auswirken könnte. Der HSBC Flash Purchasing Managers' Index von S&P Global zeigte zudem, dass sich die Aktivität des indischen Privatsektors im März auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2022 verlangsamte. Befragte Unternehmen nannten den Nahostkrieg, instabile Marktbedingungen und Inflationsdruck als Gründe für das "gedämpfte Wachstum".
Fiskalische Disziplin und Handlungsspielraum
Finanzministerin Nirmala Sitharaman erklärte am Montag, dass die Aufrechterhaltung der Haushaltsdisziplin der Regierung ausreichend Flexibilität verschafft habe, um Kapitalausgaben fortzusetzen und von der Westasien-Krise betroffene Sektoren zu unterstützen. Sie deutete an, dass die RBI Spielraum für zusätzliche Zinssenkungen habe, um auf die sich entwickelnde Wirtschaftslage zu reagieren. Indien verfüge über "fiskalischen Spielraum" für Investitionsprogramme, Zinssenkungen der RBI und gezielte Unterstützung, was sie als "Dividende eines Jahrzehnts fiskalischer Disziplin" bezeichnete.
Die Regierung hat auch Maßnahmen ergriffen, um Haushalte vor den unmittelbaren Inflationsauswirkungen zu schützen, indem sie die Verbrauchssteuern auf Benzin und Diesel ab dem 27. März um 10 Rupien pro Liter senkte. Obwohl diese Reduzierung den Einfluss höherer Ölpreise auf die Inflation dämpft, setzt sie das Haushaltsdefizitziel von 4,3 % des BIP unter Druck. Die RBI reagierte ebenfalls, indem sie über 30 Milliarden US-Dollar an Devisenreserven verkaufte, die täglichen Netto-Offenpositionen der Banken straffte und den Zugang zu Offshore-Non-Deliverable-Forward-Kontrakten einschränkte, um die finanzielle Volatilität einzudämmen.
Marktreaktionen und Ausblick
Die indischen Finanzmärkte reagierten am 8. April 2026 positiv auf den Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran. Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen fielen im frühen Handel um fast 10 Basispunkte von 7,0458 % auf rund 6,9359 %. Auch die indische Rupie legte zu und eröffnete fast 40 Paise höher bei 92,64 gegenüber dem US-Dollar.
Trotz der unmittelbaren geopolitischen Entspannung warnen Analysten, dass tiefere strukturelle Probleme die wirtschaftlichen Aussichten Indiens weiterhin belasten. Das Handelsdefizit des Landes weitete sich im Februar 2026 auf 27,10 Milliarden US-Dollar aus, angetrieben durch eine starke Importnachfrage nach Gold und Silber. Analysten wie Morgan Stanley haben Indiens Wachstumsprognose für das Finanzjahr 2027 auf 6,2 % gesenkt, während die ICICI Bank eine revidierte Prognose von 6,8-6,9 % teilt. Die RBI wird die eingehenden Daten, insbesondere potenzielle Angebotsschocks, die die Inflation anheizen könnten, weiterhin genau beobachten. Die Dauer des Energieschocks bleibt die primäre Variable für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.