Russland blockiert Snapchat, Roblox und FaceTime: Neue Eskalation der Internetkontrolle

Russland blockiert Snapchat, Roblox und FaceTime: Neue Eskalation der Internetkontrolle

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Russland hat seine Internetregulierung weiter verschärft und die beliebten Plattformen Snapchat und Roblox sowie Apples Videotelefoniedienst FaceTime blockiert. Die staatliche Medien- und Internetaufsichtsbehörde Roskomnadzor begründet diese Maßnahmen mit der angeblichen Nutzung der Dienste für „extremistische und terroristische Aktivitäten“. Diese Schritte sind Teil einer umfassenderen Strategie Moskaus zur Kontrolle des digitalen Raums.

Neue Restriktionen im russischen Internet

Die russische Internet- und Medienaufsichtsbehörde Roskomnadzor hat diese Woche die Blockade von Snapchat und Roblox bekannt gegeben. Snapchat wurde demnach bereits seit dem 10. Oktober in Russland gesperrt, die offizielle Ankündigung erfolgte jedoch erst am Donnerstag. Roblox wurde am Mittwoch für russische Nutzer unzugänglich gemacht.

Begründung: Terrorismus und Extremismus

Roskomnadzor erklärte, dass Snapchat laut Strafverfolgungsbehörden zur Organisation und Durchführung terroristischer Aktivitäten, zur Rekrutierung von Tätern sowie zur Begehung von Betrug und anderen Verbrechen gegen russische Bürger genutzt werde. Eine ähnliche Begründung wurde für die Blockade von Roblox angeführt, wobei der Gaming-Plattform vorgeworfen wird, die Verbreitung von Propaganda zu ermöglichen, die extremistische oder terroristische Aktivitäten befürwortet.

Roblox und die "LGBT-Informationen"

Im Fall von Roblox führte Roskomnadzor zusätzlich an, dass Nutzer die Plattform zur Verbreitung von „LGBT-Informationen“ nutzen würden. Diese Informationen werden in Russland gesetzlich als extremistisch eingestuft. Im September 2022 zählte Roblox in Russland etwa 2 Millionen täglich aktive Nutzer, verglichen mit 11 Millionen in den USA.

Ein Sprecher von Roblox betonte gegenüber Business Insider das „tiefe Engagement für Sicherheit“ des Unternehmens und die proaktiven Maßnahmen zur Verhinderung schädlicher Inhalte. „Wir respektieren die lokalen Vorschriften in den Ländern, in denen wir tätig sind, und glauben, dass Roblox einen positiven Raum für Lernen, Kreation und sinnvolle Verbindungen für alle bietet“, so der Sprecher.

Apples FaceTime ebenfalls betroffen

Neben Snapchat und Roblox hat Roskomnadzor auch „restriktive Maßnahmen“ gegen Apples Videotelefoniedienst FaceTime verhängt. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur TASS wird FaceTime ebenfalls zur Koordinierung terroristischer Aktivitäten, zur Rekrutierung von Terroristen und zur Begehung von Betrug und anderen Verbrechen gegen Bürger genutzt. FaceTime war einer der letzten großen Videoanrufdienste, die in Russland noch weitgehend zugänglich waren.

Apple und Snap Inc. haben auf Anfragen von Business Insider außerhalb der regulären Geschäftszeiten nicht reagiert.

Kontext der Internetregulierung in Russland

Seit Beginn der umfassenden Invasion in der Ukraine hat Russland die Internetregulierung erheblich verschärft. Dies führte zu unterschiedlichen restriktiven Maßnahmen gegen internationale soziale Medien und Messaging-Plattformen. Dazu gehören Verbote von Signal und Metas WhatsApp und Instagram. Auch Telegram, eine von dem in Russland geborenen Pavel Durov gegründete Messaging-App, ist teilweise eingeschränkt, wobei Sprach- und Videoanrufe im Land limitiert sind. Es wird zudem vermutet, dass der Kreml den YouTube-Traffic im Land drosselt.

Die russischen Behörden haben bereits vor 2022 Bedenken hinsichtlich Extremismus und Terrorismus als Gründe für Internetbeschränkungen angeführt. Diese Begriffe werden nun auch verwendet, um ukrainische oder Anti-Kreml-Partisanenangriffe auf russischem Territorium zu beschreiben. Es ist jedoch unklar, ob die jüngsten Beschränkungen direkt mit solchen Angriffen zusammenhängen.

Hintergrund: Zunehmende Kontrolle und inländische Bedrohungen

Russland sieht sich auch mit inländischen Angriffen und Bedrohungen konfrontiert, die keine starken Verbindungen zur Ukraine aufweisen. Im März 2024 wurden bei einem koordinierten Angriff in einem Konzertsaal in Moskau mindestens 149 Menschen getötet und 609 weitere verletzt. Eine in Afghanistan ansässige ISIS-Gruppe bekannte sich zu diesem Anschlag.

Die russischen Behörden haben die Beschränkungen für ausländische Dienste verstärkt, während das staatliche Unternehmen VK Co. eine nationale „Super-App“ namens Max eingeführt hat. Diese App soll Regierungsdienste hosten und die Speicherung von Dokumenten, Messaging, Bankgeschäfte und andere öffentliche und kommerzielle Dienste ermöglichen. Roskomnadzor versucht zudem, den Zugang von Nutzern zu VPN-Diensten zu beschränken, die dazu dienen, solche Einschränkungen zu umgehen.