Russlands Öleinnahmen brechen ein: Kriegskasse unter Druck

Russlands Öleinnahmen brechen ein: Kriegskasse unter Druck

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Russland exportiert weiterhin große Mengen Öl, doch die Einnahmen aus diesem entscheidenden Wirtschaftszweig sind massiv eingebrochen. Eine Analyse von Goldman Sachs zeigt, dass die Energieprofite des Landes rapide fallen, was weitreichende Folgen für die Finanzierung des Krieges in der Ukraine hat.

Exportvolumen stabil, Einnahmen im freien Fall

Nachdem das US-Finanzministerium Ende Oktober Sanktionen gegen Russlands größte Ölproduzenten Lukoil und Rosneft verhängte, sanken deren seegestützte Lieferungen zunächst um 42 % auf etwa 1,7 Millionen Barrel pro Tag. Russlands gesamte Ölexporte gingen jedoch nur um 100.000 Barrel pro Tag zurück. Dies deutet darauf hin, dass Russland die Lieferungen schnell über kleinere, nicht sanktionierte Produzenten umgeleitet hat.

Trotz des stabilen Exportvolumens ist der finanzielle Druck enorm. Russlands Ölexporteinnahmen, in Rubel gemessen, sind in diesem Jahr um 50 % eingebrochen, von umgerechnet 7,6 % des BIP auf nur noch 3,7 %. Das russische Finanzministerium bestätigte diese Entwicklung und meldete einen Rückgang der Öl- und Gassteuereinnahmen um 34 % gegenüber dem Vorjahr.

Ursachen des Einnahmenrückgangs

Der Einbruch der Einnahmen ist eine Kombination aus mehreren Faktoren:

  • Stärkerer Rubel: Ein höherer Rubelkurs mindert den Wert der in US-Dollar erzielten Exporterlöse bei der Umrechnung in die Landeswährung.
  • Sinkende Brent-Preise: Der globale Ölpreis hat sich rückläufig entwickelt.
  • **Weitete Rabatte auf russisches Rohöl:** Käufer fordern aufgrund des Sanktionsrisikos deutlich höhere Preisnachlässe.

Laut Janis Kluge, einem Forscher am Deutschen Institut für Internationale Sicherheitspolitik, wird der russische Haushalt von einer „toxischen Mischung“ aus Sanktionen, fallenden Ölpreisen und einem starken Rubel getroffen. Nach der Sanktionierung von Rosneft und Lukoil erreichten die Rabatte für russisches Urals-Öl bis zu 20 US-Dollar pro Barrel, und der Durchschnittspreis sank im November auf 44,87 US-Dollar – den niedrigsten Stand seit März 2023. Der für die Haushaltseinnahmen entscheidende Ölpreis in Rubel liegt mit rund 3.250 Rubel pro Barrel auf dem tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

Auswirkungen auf die Kriegsfinanzierung

Öl- und Gaseinnahmen machten historisch mehr als ein Drittel des russischen Bundeshaushalts aus und sind weiterhin eine der wichtigsten Finanzierungsquellen des Landes. Obwohl Russland die Waffenproduktion und die Verteidigungsausgaben erhöht, schrumpfen die zur Unterstützung dieses Aufbaus fließenden Gelder.

Im November sanken die Öl- und Gaseinnahmen für den Bundeshaushalt weiter und beschleunigten sich. Das Finanzministerium verzeichnete Einnahmen von 530,9 Milliarden Rubel (ca. 6,64 Milliarden US-Dollar) aus Rohstoffsteuern, ein Rückgang von 34 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen aus der wichtigen Mineralienfördersteuer (MET) fielen um 36 %, während die Exportzölle um fast 40 % zurückgingen. In den ersten elf Monaten des Jahres beliefen sich die Öl- und Gaseinnahmen auf 8 Billionen Rubel (107,67 Milliarden US-Dollar), 2,3 Billionen Rubel (30,67 Milliarden US-Dollar) weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Taktische Anpassungen und neue Herausforderungen

Russische Ölhandelsnetzwerke reorganisieren sich schnell, um Sanktionen zu umgehen. Indien hat beispielsweise den Kauf von russischem Rohöl über nicht sanktionierte Zwischenhändler wieder aufgenommen. Indische Staatsraffinerien wie Indian Oil Corp. und Bharat Petroleum sicherten sich Lieferungen für Januar zu etwa 5 US-Dollar pro Barrel unter den aktuellen Marktpreisen, verglichen mit Rabatten von etwa 3 US-Dollar pro Barrel einen Monat zuvor.

Gleichzeitig intensiviert die Ukraine ihre Drohnenkampagne gegen Russlands Energieinfrastruktur, was Goldman Sachs als wachsendes geopolitisches Risiko hervorhebt. Angriffe zielten auf Hafenanlagen in Noworossijsk und die Raffinerie Rjasan. Trotz dieser Angriffe haben sich die Brent-Preise kaum bewegt, was darauf hindeutet, dass die Märkte nicht von einer unmittelbaren Gefahr für das russische Angebot überzeugt sind. Dies hält die globalen Preise niedrig und Russlands Einnahmen noch weiter unten.

Die Sanktionen und logistischen Probleme zwingen russische Unternehmen zudem, noch tiefere Rabatte auf ihr Rohöl anzubieten und Zugeständnisse an Großabnehmer wie China und Indien zu machen. Seegestützte Öllieferungen sind in den letzten zwei Monaten um 130.000 Barrel pro Tag gesunken, und 35 % der mit russischem Rohöl beladenen Tanker haben kein endgültiges Ziel. Rund 350 Millionen Barrel russisches Öl befinden sich derzeit in Tankern. Lukoil hat Schwierigkeiten, Käufer für seine Auslandsvermögen zu finden, und riskiert den Verlust von Vermögenswerten im Wert von rund 22 Milliarden US-Dollar.

Beschleunigter Rückgang und Ausblick

Der Rückgang der Einnahmen beschleunigt sich kontinuierlich: von 14 % im Januar-Mai auf 21 % im Oktober. Die Verluste dürften sich im November und Dezember noch vertiefen. Der Preis für Urals-Rohöl ist auf 36,61 US-Dollar pro Barrel gefallen, und die Rabatte auf russisches Rohöl können bis zu 23 US-Dollar pro Barrel im Vergleich zu Brent erreichen – die größte Differenz seit Mitte 2023. Zudem zwingen Sanktionen Tanker zu längeren arktischen Routen nach China, was die Lieferzeiten um Wochen verlängert und die Transportkosten erhöht.

Die Divergenz zwischen stabilen Exporten und kollabierenden Einnahmen hat erhebliche Auswirkungen auf Moskaus Fähigkeit, den Krieg in der Ukraine zu finanzieren. Die anhaltende finanzielle Belastung könnte Russland zu drastischeren Maßnahmen zwingen, um die Wirtschaft über Wasser zu halten.

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