
Saks Global meldet Chapter 11 Insolvenz: Schockwellen im Luxus-Einzelhandel
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Der Luxus-Einzelhandel erlebt turbulente Zeiten: Saks Global, die Muttergesellschaft von Saks Fifth Avenue und Neiman Marcus, hat am 13. Januar 2026 Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet. Die Entscheidung, die auf eine massive Schuldenlast aus der Übernahme von Neiman Marcus im Jahr 2024 zurückzuführen ist, sendet Schockwellen durch die Branche und betrifft auch kleinere Partner wie das Modeunternehmen Shoshanah Fashions.
Saks Global meldet Insolvenz an
Saks Global, die Dachgesellschaft hinter renommierten Luxusmarken wie Saks Fifth Avenue, Neiman Marcus und Bergdorf Goodman, hat am 13. Januar 2026 beim US-Insolvenzgericht für den Southern District of Texas einen Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 gestellt. Dieses Verfahren ermöglicht es einem Unternehmen, seine Schulden und Geschäftstätigkeiten zu restrukturieren, während der Betrieb fortgesetzt wird, geschützt vor den Forderungen der Gläubiger durch einen "automatic stay". Um den Geschäftsbetrieb während der Restrukturierung aufrechtzuerhalten, hat Saks Global eine Debtor-in-Possession-Finanzierung in Höhe von rund 1,75 Milliarden US-Dollar gesichert. Die Geschäfte, darunter etwa 33 Saks-Filialen, 36 Neiman Marcus-Standorte und zwei Bergdorf Goodman-Geschäfte sowie rund 70 Saks Off 5th Discount-Stores, sollen weiterhin geöffnet bleiben. Lieferanten und Mitarbeiter werden laut Unternehmensangaben bezahlt, und Kundenprogramme bleiben bestehen.
Die Übernahme von Neiman Marcus als Schuldenlast
Die Insolvenzanmeldung von Saks Global ist die direkte Folge einer ambitionierten, aber letztlich überfordernden Akquisition. Im Jahr 2024 erwarb die Hudson’s Bay Company, Eigentümerin von Saks Fifth Avenue, Neiman Marcus für 2,65 Milliarden US-Dollar (rund 2,1 Milliarden Pfund), um Saks Global zu gründen. Ziel war es, einen mächtigen Luxus-Einzelhandelskonzern zu schaffen, der bessere Konditionen mit Marken aushandeln und Kunden zurück in die physischen Geschäfte locken sollte. Stattdessen kämpfte das vergrößerte Unternehmen unter einer erheblichen Schuldenlast, die sich auf insgesamt 4,7 Milliarden US-Dollar (3,5 Milliarden Pfund) belief. Bereits im Jahr 2025 zeigten sich Liquiditätsprobleme, als Saks Inc. Lieferanten wiederholt verspätet bezahlte, was zu Spekulationen über die finanzielle Stabilität führte.
Die Führungsebene erlebte kurz vor der Insolvenz Turbulenzen: Marc Metrick trat Anfang Januar als CEO zurück, gefolgt von Executive Chairman Richard Baker, der das Amt nur kurzzeitig innehatte. Geoffroy van Raemdonck, ehemaliger CEO von Neiman Marcus, wurde daraufhin ernannt, um das Unternehmen durch das Insolvenzverfahren zu führen. Neil Saunders, Geschäftsführer von GlobalData Retail, zeigte sich überrascht von der Geschwindigkeit der Entwicklung und kommentierte, dass der Deal "hinter der glänzenden Fassade ein Geflecht komplexer Finanztechnik war, das es der Gruppe unmöglich machte, ihre erklärte Vision umzusetzen."
Auswirkungen auf Partner wie Shoshanah Fashions
Die Turbulenzen bei Saks Global haben weitreichende Folgen für den gesamten Luxus-Einzelhandel, insbesondere für kleinere Marken, die auf die großen Kaufhäuser als Vertriebspartner angewiesen sind. Am selben Tag wie Saks Global meldete auch Shoshanah Fashions, das Unternehmen hinter der 27 Jahre alten Luxusmodemarke Shoshanna, Insolvenz nach Chapter 11 an. Die Marke Shoshanna, gegründet von Shoshanna Lonstein Gruss, ist bekannt für ihre Kollektionen, die bei Prominenten wie Mindy Kaling, Isla Fisher, Kelly Ripa und Meghan Markle beliebt sind. Sie wird in Luxusgeschäften wie Bergdorf Goodman, Neiman Marcus, Saks Fifth Avenue, Bloomingdale's, ShopBop und Anthropologie sowie in über 500 Spezialgeschäften in den USA, Kanada, Europa und Asien vertrieben.
Da Saks Fifth Avenue und Neiman Marcus wichtige Vertriebspartner für Shoshanah Fashions sind, ist es laut Daten von Ragini Bhalla, Head of Brand und Sprecherin von Creditsafe, "fast sicher", dass Shoshanah Fashions von seinen Partnern Geld geschuldet wird. Die Forschung von Creditsafe zeigte, dass Saks Inc. im Jahr 2025 ein "hartnäckiges und beunruhigendes Muster" von verspäteten Zahlungen an Lieferanten aufwies, was auf anhaltende Liquiditätsprobleme hindeutete. Die Days Beyond Terms (DBT), also die Anzahl der Tage, die ein Unternehmen seine Rechnungen über die Zahlungsfristen hinaus verspätet bezahlt, waren bei Saks Inc. deutlich höher als bei anderen Unternehmen der Branche.
Herausforderungen im Luxus-Einzelhandel
Die Insolvenz von Saks Global ist nicht nur ein Einzelfall, sondern ein deutliches Warnsignal für den gesamten Luxus-Einzelhandel. Die Branche sieht sich einem schwierigen Umfeld gegenüber, selbst für finanziell stabilere Unternehmen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Bain & Co. aus dem November wird erwartet, dass die weltweiten Verkäufe von Luxusgütern das zweite Jahr in Folge zurückgehen, da Verbraucher aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten ihre Ausgaben reduzieren. Der Aufstieg von Online-Händlern und die Expansion von Eigenmarken der Luxuslabels haben den traditionellen Kaufhäusern Kunden entzogen. Dies beschleunigt den Rückgang des Multi-Marken-Kaufhausmodells.
In der Vergangenheit mussten bereits andere große Einzelhändler Insolvenz anmelden, darunter Neiman Marcus selbst im Jahr 2020 während der Coronavirus-Pandemie und Lord & Taylor im August desselben Jahres, die danach nur noch als Online-Händler operierten. Die Hudson’s Bay Company begann im März 2025 mit der Liquidation fast aller ihrer Geschäfte, bis auf sechs.
Der Weg nach vorne: Restrukturierung und Digitalisierung
Unter der Führung des neuen CEO Geoffroy van Raemdonck sieht Saks Global das Insolvenzverfahren als "Wendepunkt" und eine "bedeutende Gelegenheit", die Grundlagen des Geschäfts zu stärken und die Gruppe für die Zukunft des Luxus-Einzelhandels neu zu positionieren. Van Raemdonck betonte Investitionen in wachstumsstarke Bereiche und die Evaluierung der Filialpräsenz, was potenzielle Schließungen unrentabler Standorte bedeuten könnte. Die Führungskräfte versichern, dass die Restrukturierung eine Stabilisierung der Operationen und eine Neupositionierung der Gruppe für die Zukunft des Luxus-Einzelhandels ermöglichen soll.
Für Luxushäuser wie Gucci, Louis Vuitton und Chanel, die lange auf Kaufhäuser für ihre breite Präsenz angewiesen waren, beschleunigen die Schwierigkeiten von Saks Global einen bereits bestehenden Trend hin zu E-Commerce- und Direktvertriebsmodellen (DTC). Die Restrukturierung signalisiert eine strategische Neuausrichtung, die den Fokus auf digitale Kanäle und eine verfeinerung der Kundenansprache legen wird, während das traditionelle Kaufhausmodell weiter unter Druck gerät.