
Samsung-Mitarbeiter fordern höhere Boni und drohen mit Streik
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Tausende Mitarbeiter von Samsung Electronics haben am Donnerstag, den 23. April 2026, in Pyeongtaek, Südkorea, für höhere Boni und eine transparente Vergütung demonstriert. Die Proteste finden vor dem Hintergrund eines boomenden Speicherchip-Marktes statt, der durch die wachsende Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz (KI) befeuert wird und den Halbleiterherstellern Rekordgewinne beschert. Die Gewerkschaft droht mit einem umfassenden Streik, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden.
Proteste bei Samsung Electronics
Rund 40.000 Mitglieder der Samsung Electronics Gewerkschaft versammelten sich auf dem Gelände des Computerchip-Komplexes in Pyeongtaek. Unter starker Polizeipräsenz hielten die Arbeiter Schilder und Transparente hoch, auf denen Forderungen wie „Boni-Obergrenzen aufheben“ und „Vergütung transparent machen“ zu lesen waren. Die Gewerkschaft, die etwa 74.000 Mitarbeiter vertritt, kritisiert, dass das Unternehmen trotz seiner starken Leistung keine angemessene Vergütung angeboten habe.
Forderungen der Gewerkschaft
Die Gewerkschaft hat das Angebot des Managements, Boni in Form von gesperrten Aktien zu zahlen, abgelehnt. Stattdessen fordert sie die Aufhebung der Boni-Obergrenzen und eine transparente Gestaltung der Vergütungssysteme. Zu den spezifischen Forderungen gehören eine siebenprozentige Lohnerhöhung und die Zuweisung von 15 Prozent der operativen Gewinne für Boni. Choi Seung-ho, ein Gewerkschaftsführer, erklärte: „Wir werden diesen Kampf nicht aufgeben, bis unsere fairen Forderungen erfüllt sind.“ Eine weitere Gewerkschaftsvertreterin betonte, man werde nicht nachgeben, bis ein transparentes Vergütungssystem garantiert sei.
Der KI-Boom treibt Gewinne an
Die Proteste ereigneten sich nur Stunden, nachdem Samsungs Konkurrent SK Hynix für das erste Quartal (Januar-März) einen Rekordumsatz und -betriebsgewinn gemeldet hatte. SK Hynix führte diesen Anstieg auf die globalen Investitionen in Rechenzentren und andere KI-Infrastrukturen zurück, die die Nachfrage nach Speicherchips ankurbelten. Samsung, das zusammen mit SK Hynix etwa zwei Drittel der weltweiten Speicherchips produziert, prognostizierte Anfang des Monats einen Rekord-Betriebsgewinn von 57,2 Billionen Won (ca. 38,6 Milliarden US-Dollar) für das erste Quartal. Dies übertrifft die 37,6 Billionen Won (ca. 25,4 Milliarden US-Dollar) von SK Hynix, wobei Samsung ein breiteres Geschäftsfeld, einschließlich Smartphones und Unterhaltungselektronik, abdeckt.
Drohender Streik und mögliche Folgen
Die Gewerkschaft hat angekündigt, vom 21. Mai bis zum 7. Juni einen 18-tägigen Streik durchzuführen, falls die Verhandlungen mit dem Management scheitern. Sie schätzt, dass eine solche Arbeitsniederlegung das Unternehmen täglich über 1 Billion Won (ca. 676 Millionen US-Dollar) kosten könnte. Samsung erklärte in einer Stellungnahme, man werde "weiterhin daran arbeiten, so früh wie möglich eine Lohnvereinbarung zu erzielen". Die Geschichte des Unternehmens war lange von einer starken Anti-Gewerkschafts-Haltung des Gründers Lee Byung-chul geprägt, doch die erste Gewerkschaft bei Samsung Electronics wurde Ende der 2010er Jahre gegründet.
Geopolitische Risiken für die Chipindustrie
Während Halbleiterhersteller vom KI-Boom profitieren, trübt der Konflikt im Nahen Osten die Zukunftsaussichten. Die Versorgung mit wichtigen Materialien wie Helium, die für die Chipherstellung entscheidend sind, wird gestört und die Energiekosten steigen. Woo Hyun Kim, Finanzvorstand von SK Hynix, erklärte jedoch in einer Telefonkonferenz, dass das Unternehmen den Konflikt genau beobachte, aber keine wesentlichen Auswirkungen auf die Produktion erwarte. SK Hynix habe die Beschaffung von Helium und Brom über den Nahen Osten hinaus diversifiziert und verfüge über ausreichende Lagerbestände.