
Snap entlässt 1.000 Mitarbeiter: KI treibt Umstrukturierung voran
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Snap, die Muttergesellschaft von Snapchat, kündigte am Mittwoch an, rund 1.000 Mitarbeiter zu entlassen und über 300 offene Stellen zu streichen. Diese umfassende Umstrukturierung, die etwa 16 % der Vollzeitbelegschaft betrifft, wird maßgeblich durch Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz (KI) vorangetrieben und zielt auf eine deutliche Kostensenkung ab.
KI als treibende Kraft der Umstrukturierung
Snap erklärte, dass die raschen Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz es dem Unternehmen ermöglichen, Abläufe zu optimieren und mit kleineren Teams zu agieren. KI generiert demnach über 65 % des neuen Codes, während kritischere Aufgaben fokussierten Teams und KI-Agenten zugewiesen werden. CEO Evan Spiegel betonte in einem Memo an die Mitarbeiter, dass diese Veränderungen notwendig seien, um das langfristige Potenzial von Snap zu realisieren.
Spiegel führte aus: "Während diese Änderungen notwendig sind, um das langfristige Potenzial von Snap zu realisieren, glauben wir, dass schnelle Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz unseren Teams ermöglichen, repetitive Arbeit zu reduzieren, die Geschwindigkeit zu erhöhen und unsere Community, Partner und Werbetreibenden besser zu unterstützen." Das Unternehmen hatte im Dezember etwa 5.261 Vollzeitmitarbeiter.
Druck durch Aktivisten und finanzielle Ziele
Die Entlassungen bei Snap erfolgen, nachdem der Aktivisteninvestor Irenic Capital Management, der ein wirtschaftliches Interesse von rund 2,5 % am Unternehmen hält, Snap dazu gedrängt hatte, sein Portfolio und seine Performance zu optimieren. Irenic Capital forderte unter anderem Kostensenkungen durch Personalabbau. Snap erwartet, durch die Entlassungen und weitere Maßnahmen zur Reduzierung der Betriebskosten und aktienbasierten Vergütungen bis zur zweiten Jahreshälfte mehr als 500 Millionen US-Dollar an jährlichen Ausgaben einzusparen.
Die Restrukturierungsmaßnahmen werden voraussichtlich Kosten zwischen 95 Millionen und 130 Millionen US-Dollar verursachen, hauptsächlich im zweiten Quartal, bedingt durch Abfindungen und Vertragskündigungen. Diese Schritte sollen Snap auf dem Weg zur Profitabilität und Effizienz unterstützen, insbesondere angesichts des intensiven Wettbewerbs um Werbeeinnahmen mit größeren Rivalen wie Meta und Google.
Die Rolle von Specs und Augmented Reality
Snap hat erheblich in seine Augmented-Reality-Brilleneinheit, bekannt als Specs, investiert und plant, das Produkt noch in diesem Jahr auf den Markt zu bringen. Irenic Capital Management hat Snap jedoch aufgefordert, diese Geschäftseinheit, in die bereits 3,5 Milliarden US-Dollar investiert wurden, entweder auszugliedern oder zu schließen, um Barmittel zu schonen und umfassendere Kostensenkungen zu ermöglichen.
Russ Mould, Investment Director bei AJ Bell, kommentierte die Situation: "Kostensenkungen mögen einen Aktivisten kurzfristig besänftigen und lang leidenden Aktionären etwas Erleichterung verschaffen, aber ob es das Unternehmen wirklich mit einem verteidigungsfähigen Geschäftsmodell und einer Wettbewerbsposition zurücklässt, die es verteidigen, entwickeln und in Gewinne und Cashflow umwandeln kann, ist noch unklar."
Breitere Branchentrends und Kritik
Snap reiht sich mit diesen Entlassungen in eine Reihe von Technologieunternehmen ein, die in diesem Jahr Personal abbauen. Firmen wie Meta, Block, Amazon und Oracle haben ebenfalls Tausende von Mitarbeitern entlassen und dabei oft auf Effizienzgewinne durch KI verwiesen. Marc Andreesen, ein Risikokapitalgeber und KI-Befürworter, äußerte die Meinung, dass KI-bedingte Kürzungen manchmal als Ausrede für Unternehmen genutzt würden, die zuvor zu viel Personal eingestellt hatten.
Obwohl CEO Spiegel in seinem Memo Produktivitätsvorteile durch KI betonte, glauben einige Experten und Arbeiter, dass die tatsächlichen Gewinne aus der Implementierung von KI unklarer sind. Ehemalige Mitarbeiter und sogar Pro-KI-Führungskräfte haben Firmen manchmal des "AI-Washing" von Entlassungen beschuldigt, um sich bei Investoren und am Markt besser darzustellen.
Marktreaktion und Ausblick
Die Nachricht von den Entlassungen führte am Mittwoch zu einem Anstieg des Snap-Aktienkurses um fast 8 %. Trotz dieses Anstiegs liegen die Aktien im Jahresverlauf immer noch etwa 25,7 % im Minus, obwohl sie im letzten Monat um 29 % zugelegt hatten. Der Aktienkurs von SNAP Inc. schloss bei 6,03 US-Dollar, ein Plus von 0,41 US-Dollar oder 7,39 %.
Die Umstrukturierung ist ein klares Signal von Snap, sich auf Profitabilität und Effizienz zu konzentrieren, während das Unternehmen gleichzeitig die Herausforderungen des Wettbewerbs und die Entwicklung neuer Technologien wie Augmented Reality meistert. Die Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt und die Geschäftsmodelle der Tech-Giganten bleiben ein zentrales Thema.