Startup-Gründer als Influencer: Der neue Weg zu Finanzierung und Wachstum

Startup-Gründer als Influencer: Der neue Weg zu Finanzierung und Wachstum

Aktualisiert:
5 Min. Lesezeit
AI-Generated
Human-verified
Teilen:

Keine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken

In der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie verschwimmen die Grenzen zwischen Startup-Gründer und Influencer zusehends. Um Finanzierungen zu sichern und Nutzer zu gewinnen, setzen junge CEOs verstärkt auf persönliche Markenbildung und virale Inhalte in sozialen Medien, auch wenn dies oft als "Hausaufgaben" empfunden wird.

Der Aufstieg des Gründer-Influencers

Myles Slayton, der 23-jährige CEO der Dating-App Cerca, wollte ursprünglich kein Influencer sein. Doch seit Juli letzten Jahres postet er täglich mehrere Videos auf TikTok und Instagram, teilt Ratschläge für Singles und wird mittlerweile als "Cerca Guy" auf der Straße erkannt. Seine Videos, von denen eines über 6 Millionen Aufrufe erzielte, erwähnen Cerca nur selten, haben seinem Unternehmen aber zahlreiche neue Nutzer beschert. Slayton sieht es als notwendige Aufgabe: "Wenn man als Gründer nicht postet, fällt man zurück."

Ähnlich verhält es sich bei Claire Lee, der 25-jährigen Mitgründerin von Selleb, einer sozialen App zum Teilen von Einkaufsbelegen. Sie verbringt manchmal bis zu 70 % ihres Tages mit der Erstellung von Inhalten, um möglichst viele "Eyeballs" zu gewinnen. Dieser Druck ist besonders groß für Startups, die um die Aufmerksamkeit junger Nutzer konkurrieren. Slayton merkt an, dass ein 23-jähriger Gründer, der 23-Jährige vermarktet, im Nachteil ist, wenn er nicht online postet.

Venture Capital und die neue Marketing-Realität

Auch Venture-Capital-Firmen suchen zunehmend nach Gründern, die ihre Vision ebenso geschickt vermarkten können, wie sie Produkte entwickeln. Lester Chen, Partner bei Andreessen Horowitz (a16z), betont: "Man ist tot, wenn man sich nicht vermarktet. Es ist überdeutlich, dass sich das Produkt nicht mehr von selbst verkauft." Er fügt hinzu, dass dies vor zehn Jahren noch ganz anders war. Virale Inhalte mögen zwar nicht direkt zu einer Finanzierungszusage führen, aber sie "öffnen die Tür".

Im Zuge dieser Entwicklung hat a16z Ende letzten Jahres "A16z New Media" ins Leben gerufen, um Gründer bei der "Legitimität, dem Geschmack, der Markenbildung, dem Fachwissen und der Dynamik" zu beraten, die sie für den "narrativen Kampf online" benötigen. Investoren wie Andrew Yeung sehen Aufmerksamkeit als den "einzigen Graben, den man als Software-Gründer hat". Cristin Culver, eine PR-Beraterin für Gründer und VCs, fasst zusammen: "Jeder Gründer muss auch ein Influencer sein."

Strategien für virale Reichweite

Eliza Wu, 31, Mitgründerin von Corner, einer Google Maps-Alternative für die Gen Z, hat Tausende von Instagram Reels analysiert, um Algorithmen zu "hacken". Ihr Video-Stil – auf der Couch sitzend, mit Mikrofon über New York City sprechend – führte von 10.000 zu 150.000 und schließlich zu Millionen von Aufrufen. Jedes Video erfordert etwa eine Stunde Brainstorming, zwei Stunden Skripting und weitere zwei Stunden für Dreh und Schnitt. Wu beschreibt Marketing als "Blut, Schweiß und Tränen".

Lucious McDaniel IV, 25, Gründer des Y Combinator-unterstützten Essenslieferdienstes BiteSight, nutzte virale Homevideo-Posts, um neue Kunden zu gewinnen. Ein Video, in dem seine Schwester seine App vorstellt, erreichte über 18 Millionen Aufrufe. McDaniel wurde zum Gesicht des Unternehmens und postete zeitweise bis zu sechsmal täglich. Obwohl er sich dabei "albern" fühlte, zahlte sich der Content aus und half ihm, zusätzliches Kapital zu beschaffen.

Julia Pintar, die mit ihrer Firma Playkit Startups bei viralen Kampagnen unterstützt, kennt den "Dopamin"-Effekt von App-Downloads und Views. Sie weist jedoch darauf hin, dass die Vorstellung, eine Kampagne müsse massiv viral gehen, um relevant zu sein, ein "Missverständnis" ist. Auch Aufmerksamkeit im kleineren Maßstab von Tausenden statt Millionen kann für Startups ausreichend sein.

Social Media als Fundament für Startups

Der Start eines Startups über soziale Medien ist eine der effektivsten Marketingstrategien, insbesondere für Gründer mit begrenzten Ressourcen. Es ermöglicht den Aufbau von Gemeinschaften, die Validierung von Ideen und die Generierung von Einnahmen ohne hohe Marketingbudgets. Dieser Ansatz gleicht das Spielfeld aus und bietet eine solide Grundlage für die Social Media Strategie von Startups.

Weltweit nutzen 5,66 Milliarden Menschen soziale Medien und verbringen durchschnittlich 2 Stunden und 28 Minuten täglich auf diesen Plattformen (Stand 2026, Hootsuite). Für Startups bedeutet dies:

  • Plattformwahl: Konzentrieren Sie sich auf 1-2 Plattformen, auf denen Ihre Zielgruppe aktiv ist. Instagram eignet sich für visuelle Nischen, LinkedIn für professionelle Bereiche.
  • Authentizität und Engagement: "Build in public" – teilen Sie echte Erfolge, Misserfolge und Erkenntnisse. Authentizität schafft Bindung. Verbringen Sie 70 % der Zeit mit Interaktion und 30 % mit Content-Erstellung.
  • Qualität vor Quantität: 10.000 engagierte Follower sind wertvoller als 100.000 stille. Hohes Engagement führt zu besserer Reichweite und loyalen Kunden.
  • Kosteneffizienz: Social Media ermöglicht es, Millionen von Nutzern mit geringem Budget zu erreichen und ist ein integraler Bestandteil des Content-Marketings.

LinkedIn generiert über 80 % der B2B-Social-Media-Leads mit einer Engagement-Rate von bis zu 6,5 %. Reddit bietet mit 0,50 bis 2 US-Dollar pro Klick deutlich niedrigere Kosten als LinkedIn (8-10+ US-Dollar) und genießt das Vertrauen von 82 % seiner Nutzer bei Produktempfehlungen.

Risiken und Schattenseiten des Hypes

Trotz der Vorteile birgt die extreme Selbstvermarktung auch Gefahren. Megan Lightcap, Investorin bei Slow Ventures, bezeichnet Virality als "Zuckerwasser", das flüchtig ist und vom eigentlichen Aufbau eines Unternehmens ablenken kann. Das AI-Startup Cluely, das mit "Rage-Baiting"-Inhalten viral ging, musste feststellen, dass Views und Likes keinen Erfolg garantieren. CEO Roy Lee gab später zu, Umsatzzahlen geschönt und das Startup möglicherweise zu früh gestartet zu haben.

Jeffrey Rayport, Dozent an der Harvard Business School, warnt davor, dass extreme Selbstvermarktung ein "rotes Tuch" sein kann, das auf Kompensation hindeutet, und nennt Ozy Media und Theranos als Beispiele. Er hinterfragt: "Sind wir dabei, den Aufbau eines sozialen Profils als extreme Form des 'Fake it till you make it' zu nutzen, und sollten wir in diesem Fall nicht alle zur Besinnung kommen und uns auf den Aufbau echter Unternehmen konzentrieren?"

Der ständige Druck zur Content-Erstellung kann zudem zu Burnout führen. Myles Slayton würde es als "Last von den Schultern" empfinden, nicht mehr posten zu müssen. Eliza Wu warnt: "Es gibt einen Kipppunkt, an dem Gründer zu weit gehen. Man muss sich daran erinnern, dass man kein Content Creator ist. Man versucht, ein Geschäft aufzubauen." Letztlich sind Retention und nachhaltige Monetarisierung die entscheidenden Indikatoren für den langfristigen Erfolg eines Startups.

Erwähnte Persönlichkeiten