
StubHub nach IPO unter Druck: Klagen wegen Cashflow-Problemen
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Der Ticket-Zweitmarktplatz StubHub, ein bekannter Akteur im globalen Ticketgeschäft, steht nach seinem Börsengang im September unter rechtlichem Druck. Investoren werfen dem Unternehmen vor, wesentliche finanzielle Risiken und Cashflow-Probleme im Vorfeld des Initial Public Offering (IPO) nicht ausreichend offengelegt zu haben. Diese Anschuldigungen folgen auf den ersten Quartalsbericht von StubHub als börsennotiertes Unternehmen, der einen deutlichen Rückgang des freien Cashflows aufzeigte.
StubHubs Börsengang und die Klagenwelle
StubHub ging am 17. September mit einem IPO an die Börse, bei dem rund 34 Millionen Aktien zu je 23,50 US-Dollar verkauft wurden und insgesamt 758 Millionen US-Dollar nach Underwriter-Gebühren einspielten. Kurz darauf, am 24. November, reichte die Anwaltskanzlei Glancy Prongay & Murray im Namen des Investors Daniel Salabaj eine Klage beim Bundesgericht in Manhattan ein. Diese Klage ist die erste einer Reihe von rechtlichen Schritten, die StubHub betreffen.
Die Kanzlei Glancy Prongay & Murray behauptet, dass die Registrierungserklärung von StubHub irreführend war und kritische Informationen über die Cashflow-Probleme des Unternehmens verschwieg. Mindestens acht weitere Anwaltskanzleien, darunter Robbins LLP, Pomerantz LLP und Rosen Law Firm, haben ebenfalls Untersuchungen zu StubHubs Finanzoffenlegungen und dem IPO-Prozess angekündigt.
Vorwürfe der Investoren: Fehlende Transparenz
Die Hauptanklage lautet, dass StubHub es versäumt habe, Investoren über operative Änderungen zu informieren, die die Liquidität des Unternehmens erheblich beeinflussen würden. Insbesondere wird bemängelt, dass Änderungen im Zeitpunkt der Zahlungen an Lieferanten, die den freien Cashflow negativ beeinflussten, nicht offengelegt wurden. Daniel Salabaj, der während des IPOs Aktien erwarb, gibt an, von diesen Nachrichten überrascht worden zu sein.
Die Anwälte von Salabaj erklärten: „Die in dieser Sammelklage eingereichte Beschwerde behauptet, dass die Registrierungserklärung materiell falsch und/oder irreführend war und wesentliche nachteilige Fakten über das Geschäft, die Operationen und die Aussichten des Unternehmens nicht offengelegt hat.“ Als Beklagte in der Sammelklage werden StubHub selbst, CEO Eric Baker sowie mehrere Investmentbanken, die den IPO begleiteten, darunter JP Morgan, Goldman Sachs und Bank of America, genannt.
Finanzielle Kennzahlen im Fokus
Die rechtlichen Schritte folgen auf StubHubs ersten Quartalsbericht als öffentliches Unternehmen, der am 13. November veröffentlicht wurde. Dieser Bericht zeigte einen negativen freien Cashflow von 4,6 Millionen US-Dollar für das dritte Quartal 2025, verglichen mit einem positiven Cashflow von 10,6 Millionen US-Dollar im gleichen Quartal des Vorjahres. Der operative Cashflow sank im Jahresvergleich um 69 % auf 3,8 Millionen US-Dollar von 12,4 Millionen US-Dollar.
Weitere Kennzahlen aus dem Bericht und dem Geschäftsjahr 2024 umfassen:
- **Umsatz Q3 2025:** 468,1 Millionen US-Dollar
- Bruttowarenwert (GMS) Q3 2025: 2,4348 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 11 % gegenüber dem Vorjahr
- **Bereinigtes EBITDA Q3 2025:** 67 Millionen US-Dollar, was einer Marge von 14 % entspricht
- **Nettoverlust Q3 2025:** 1,294 Milliarden US-Dollar, hauptsächlich bedingt durch eine einmalige aktienbasierte Vergütung im Zusammenhang mit dem IPO
- Jahresumsatz 2024: Rund 1,77 Milliarden US-Dollar
- Bruttowarenwert (GMS) 2024: Etwa 8,7 Milliarden US-Dollar
StubHub ist ein bedeutender Akteur im Sekundärmarkt für Tickets und meldete 2024 den Verkauf von über 40 Millionen Tickets an mehr als 1 Million einzigartige Verkäufer weltweit. Zu den Wettbewerbern zählen SeatGeek, Vivid Seats, Gametime und TickPick.
Die Reaktion des Marktes
Der Markt reagierte empfindlich auf die veröffentlichten Zahlen. Nach dem Q3-Bericht fiel der Aktienkurs von StubHub am 14. November um 20,9 % oder 3,95 US-Dollar und schloss bei 14,87 US-Dollar. Am 20. November erreichte die Aktie ein Allzeittief von 10,31 US-Dollar, was einem Rückgang von 56 % gegenüber dem IPO-Preis entsprach. Obwohl sich der Kurs am 25. November leicht auf 12,73 US-Dollar erholte, lag er immer noch 46 % unter dem ursprünglichen IPO-Preis von 23,50 US-Dollar.
StubHub selbst führte den Rückgang des freien Cashflows in seiner 10-Q-Einreichung auf „Änderungen im Zeitpunkt der Geldeingänge und -auszahlungen im Zusammenhang mit Ticketverkäufen sowie dem Zeitpunkt der Zahlungen an Lieferanten“ zurück. Die Kläger argumentieren jedoch, dass diese Informationen den Investoren vor dem Börsengang vorenthalten wurden.