
Target: KI-Shopping kommt – Kunden haften für Bot-Einkäufe
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Der US-Einzelhändler Target bereitet sich auf eine neue Ära des digitalen Einkaufens vor und hat seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) entsprechend angepasst. Im Zuge einer bevorstehenden Partnerschaft mit Googles KI-Bot Gemini werden Kunden künftig für Käufe haftbar gemacht, die von einem autorisierten KI-Shopping-Agenten in ihrem Namen getätigt werden. Diese Entwicklung unterstreicht die zunehmende Integration von Künstlicher Intelligenz in den Online-Handel.
Target und die Ära des KI-gestützten Einkaufens
Am 22. März hat Target seine AGB aktualisiert, um die Integration mit Google Gemini vorzubereiten. Diese Partnerschaft soll es der KI ermöglichen, Produkte vorzuschlagen und Einkäufe im Namen des Kunden abzuschließen. Dabei ist wichtig zu betonen, dass der KI-Agent keine Produkte ohne die ausdrückliche Genehmigung des Käufers erwerben kann.
Die neuen Bedingungen legen fest, dass Transaktionen, die ein Kunde durch einen KI-Shopping-Agenten in seinem Namen autorisiert, als "von Ihnen autorisierte Transaktionen" gelten. Dies bedeutet, dass der Kunde die Kosten tragen muss, selbst wenn der Bot beispielsweise einen falschen Artikel bestellt. Target weist zudem darauf hin, dass das Unternehmen nicht garantieren kann, dass Drittanbieter-KI-Tools "unter allen Umständen genau nach Ihren Vorstellungen handeln werden." Ein Sprecher von Target bestätigte, dass die Richtlinienänderung mit der kommenden Integration von Google Gemini AI zusammenhängt und Produkte weiterhin für Rücksendungen und Umtausch berechtigt sein können.
Wer haftet bei Fehlern? Die neuen Bedingungen
Die Kernbotschaft der aktualisierten AGB ist klar: Die Verantwortung für über KI-Agenten getätigte Käufe liegt beim Kunden. Auch wenn die KI noch keine autonomen Einkäufe für Target-Kunden tätigen kann, signalisieren diese Änderungen, wie der Online- und In-App-Einkauf in Zukunft aussehen könnte und welche Bedeutung KI für Einzelhändler hat.
Neil Saunders, Managing Director für Einzelhandel bei GlobalData, bezeichnet dies als eine "bedeutende Verschiebung", die signalisiert, dass das Zeitalter des "Agentic Commerce" für viele Einzelhändler Realität wird. Er merkt jedoch an, dass Target nicht erwartet, dass dies sofort einen großen Anteil am Umsatzkuchen ausmachen wird, da der "Agentic Commerce" noch in einem sehr frühen Stadium ist.
Ein Blick auf den "Agentic Commerce"
Target treibt die Einführung neuer KI-gestützter Einkaufserlebnisse aktiv voran. Bereits im November führte das Unternehmen ein Produktempfehlungstool mit OpenAI's ChatGPT ein. Anfang dieses Jahres folgte die Ankündigung einer separaten Integration mit Google Gemini. Anstatt die Target-App oder -Website zu öffnen, könnten Kunden Gemini nach Empfehlungen fragen – etwa, was sie für ein Training kaufen sollen – und dann direkt zur Kasse gehen.
Da Gemini im Namen eines Benutzers eine Verbindung zu Target herstellen kann, anstatt ihn lediglich zur App oder Website weiterzuleiten, war laut einem Unternehmenssprecher eine Aktualisierung der Bedingungen erforderlich, um die Beteiligung eines Drittanbieters an der Transaktion widerzuspiegeln.
Wettbewerber ziehen nach: Amazon und Walmart im KI-Rennen
Auch andere große Einzelhändler wie Amazon und Walmart haben eigene KI-Assistenten eingeführt: Rufus bei Amazon und Sparky bei Walmart. Walmart hat zudem Vereinbarungen mit OpenAI und Google Gemini getroffen. Beide Unternehmen haben ebenfalls ihre AGB an die Nutzung von KI angepasst.
Walmart weist darauf hin, dass seine KI Text mit "Fehlern und Auslassungen" produzieren kann und warnt Kunden, alle Käufe vor dem Abschluss zu überprüfen und zu verifizieren. Amazon betont in seinen KI-Offenlegungen eher Sicherheitsvorkehrungen und Genauigkeit, anstatt spezifische Nutzerhaftung für Käufe zu skizzieren. Walmart erklärte, dass es derzeit keine autonomen Käufe durch Agenten zulässt und sich weiterhin darauf konzentriert, Kunden direkt zu bedienen. Neil Saunders vermutet, dass solche Bedingungen, die Kunden von der Haftung für von ihnen eingesetzte Agenten nicht entbinden, in Zukunft weitaus häufiger werden.
Technologie als Wachstumstreiber für Target
Targets Vorstoß in die KI-Technologie ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Umsatzsteigerung. Der in Minneapolis ansässige Einzelhändler verzeichnete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatzrückgang von 1,7 %, während Wettbewerber wie Walmart und Costco ihre Umsätze steigern konnten. Technologie ist eine der vier Säulen von CEO Michael Fiddelkes Comeback-Plan, der auch neue Merchandising-Strategien, ein verbessertes Einkaufserlebnis und die Stärkung der Beziehungen zu Mitarbeitern und der Gemeinschaft umfasst.
Targets Tech-Team arbeitet an Updates, um neue Produkte schneller in die Läden zu bringen, Probleme in der Kunden-App zu beheben und Merchandising-Teams beim Bestücken der Regale zu unterstützen. Prat Vemana, Chief Information and Product Officer des Unternehmens, kommentierte die aktuelle Situation: "Ich hätte mir keinen besseren Zeitpunkt für das Aufkommen der KI wünschen können, denn jetzt haben wir einen Bedarf. Wir haben eine mutige Agenda vor uns."