Texas' Datenzentrum-Boom: Blase oder Wachstumschance für das Stromnetz?

Texas' Datenzentrum-Boom: Blase oder Wachstumschance für das Stromnetz?

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Texas, der "Lone Star State", erlebt einen beispiellosen Ansturm von Datenzentren, befeuert durch den globalen Boom der Künstlichen Intelligenz. Günstiges Land und niedrige Energiekosten ziehen Entwickler in Scharen an, doch die schiere Größenordnung der Nachfrage lässt Experten von einer potenziellen Blase sprechen, die das Stromnetz an seine Grenzen bringt.

Die Explosion der Nachfrage in Texas

Die Anzahl der Anfragen für den Anschluss großer Lasten an das texanische Stromnetz ist im Jahr 2025 massiv gestiegen. Das Electric Reliability Council of Texas (ERCOT), das den Großteil des texanischen Stromnetzes verwaltet, verzeichnete bis Mitte November 2025 insgesamt 225 neue Anfragen für große Lasten. Dies entspricht einem Anstieg der Nachfrage um 270 % seit Januar 2025. Insgesamt beläuft sich die Kapazität der großen Lasten, die einen Netzanschluss suchen, auf über 230 Gigawatt (GW) in diesem Jahr, gegenüber 63 GW im Dezember 2024.

  • Mehr als 70 % dieser Anfragen stammen von Datenzentren.
  • Viele einzelne Projekte überschreiten 1 GW pro Standort.
  • Kryptowährungs-Mining-Anlagen machen 8,8 % der Anfragen aus, während Projekte, die Datenzentren und Krypto-Mining kombinieren, weitere 1,2 % ausmachen. Die restlichen Anfragen stammen von Wasserstoffproduktions- und Industrieanlagen.

Ein Blick auf die Zahlen: Gigawatt-Flut

Die gemeldeten Zahlen sind enorm und übersteigen die aktuellen Kapazitäten des Staates bei Weitem. Die angefragten über 230 GW sind mehr als das Doppelte des Rekord-Spitzenbedarfs im Sommer von etwa 85 GW und der gesamten verfügbaren Stromerzeugung von rund 103 GW in Texas.

Joshua Rhodes, Forschungswissenschaftler an der University of Texas at Austin und Gründer des Energieberatungsunternehmens IdeaSmiths, bezeichnet die Spitzenwerte als "fast lachhaft". Beth Garza, ehemalige ERCOT-Aufseherin von 2014 bis 2019, ergänzt, dass es "nicht genug Material gibt, um so viel Last auf der Ausrüstungsseite oder der Verbrauchsseite zu bedienen."

Experten warnen vor einer Blase

Die enorme und schnell wachsende Nachfrage wirft Fragen nach der Realisierbarkeit auf. "Es sieht, riecht, fühlt sich an – verhält sich definitiv wie eine Blase", so Joshua Rhodes. Er betont, dass es "einfach keine Möglichkeit gibt, physisch so viel Stahl in den Boden zu bringen, um diese Zahlen zu erreichen."

Michael Hogan, Senior Advisor beim Regulatory Assistance Project, merkt an: "Wir wissen, dass nicht alles real ist. Die Frage ist, wie viel davon real ist." Spekulative Projekte verstopfen die Pipeline für den Netzanschluss, was es schwierig macht, den tatsächlichen Bedarf zu erkennen. Investoren könnten auf den Kosten sitzen bleiben, wenn überhöhte Nachfrageprognosen zu mehr Infrastruktur führen, als tatsächlich benötigt wird.

Herausforderungen für das Stromnetz und die Infrastruktur

Die schiere Größenordnung und Geschwindigkeit der Anfragen stellen ERCOT vor erhebliche Planungsherausforderungen. Die Netzbehörde muss berücksichtigen, wie schnell große Lasten angeschlossen und hochgefahren werden können. Die Übertragungsnetzplanung hat sich entsprechend intensiviert:

  • Die Anzahl der Projektbewertungen im Übertragungsnetz hat sich 2025 gegenüber 2024 mehr als verdoppelt.
  • ERCOT genehmigte Übertragungsprojekte im Wert von rund 3,626 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025, vergleichbar mit den hohen Niveaus der letzten Jahre.
  • Projekte im Wert von etwa 1,678 Milliarden US-Dollar wurden 2025 in Betrieb genommen.

Die Rolle der Gesetzgebung

Ein wichtiger Faktor für die Explosion der Anfragen war die texanische Gesetzgebung von 2023. Diese schreibt vor, dass Projekte, die noch keine Stromanschlussvereinbarungen unterzeichnet haben, in den Strombedarfsprognosen berücksichtigt werden müssen. Dies führte zu einem fast vierfachen Anstieg der Anfragen für elektrische Anschlüsse in diesem Jahr. Allerdings haben mehr als die Hälfte dieser Projekte, die etwa 128 GW potenzieller Nachfrage repräsentieren, noch keine Studien zur Überprüfung bei ERCOT eingereicht.

Angebot und Infrastruktur: Erneuerbare Energien und Gas

Auf der Versorgungsseite dominieren weiterhin Wechselrichter-basierte Ressourcen die Anschluss-Pipeline von ERCOT. Von insgesamt 1.999 aktiven Erzeugungsanschlussanfragen mit einer Gesamtleistung von 432 GW entfallen:

  • 176 GW auf Energiespeicher.
  • 158 GW auf Solarenergie.
  • Zusammen machen diese beiden Technologien etwa 77 % der gesamten Warteschlange aus.
  • Windkraft trägt 46 GW bei, Gas 48 GW und andere Ressourcen rund 4 GW.

Das Interesse an Gaskapazitäten nimmt ebenfalls zu, mit einem Anstieg von 26 GW im Oktober 2024 auf 48 GW im Oktober 2025. Seit dem letzten Winter wurden über 11.000 Megawatt (MW) an neuen Erzeugungsressourcen in das Netz eingespeist, hauptsächlich Speicher und Solaranlagen.

Auch staatlich unterstützte, steuerbare Ergänzungen durch den Texas Energy Fund (TEF) bewegen sich in die Anschluss-Pipeline. Alle 18 TEF-Projekte mit einer Gesamtleistung von über 7 GW haben Anträge für vollständige Anschlussstudien eingereicht. Das erste TEF-Projekt, Pin Peaking, erhielt im November 2025 die Genehmigung zur Inbetriebnahme.

Ausblick und Regulierungsbemühungen

Die schnelle Nachfragesteigerung übertrifft weiterhin das Wachstum neuer Energieversorgungen, was Bedenken hinsichtlich der Netzstabilität aufwirft. ERCOT-Verantwortliche betonen, dass sowohl die Übertragungsinfrastruktur als auch die Ressourcenausstattung berücksichtigt werden müssen, um große Lasten schnell anschließen und hochfahren zu können.

Die Public Utility Commission of Texas (PUC) arbeitet an neuen Regeln für die Lastprognose, um glaubwürdige Lasten zu identifizieren, die tatsächlich eingeplant werden sollten. Ein Diskussionsentwurf definiert einen Großverbraucher als einen Kunden, der einen neuen oder erweiterten Anschluss beantragt, bei dem sein gesamter Spitzenbedarf an einem einzigen Standort mindestens 75 MW beträgt. Diese Bemühungen sollen Standards für Versorgungsunternehmen schaffen, um Großverbraucher an das ERCOT-Übertragungsnetz anzuschließen.

Erwähnte Persönlichkeiten