
TikTok US: Neue Eigentümerstruktur nach Deal mit Oracle und Investoren
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TikTok hat eine Vereinbarung zur Ausgliederung von Teilen seines US-Geschäfts in ein neues Joint Venture abgeschlossen. Diese Transaktion soll die Bedenken der US-Regierung hinsichtlich der nationalen Sicherheit zerstreuen und eine neue Eigentümerstruktur für die US-Operationen der beliebten App schaffen. Die Änderungen betreffen auch andere Apps wie CapCut und Lemon8.
Neue Eigentümerstruktur für TikTok US
Das Unternehmen gab bekannt, dass es einen Deal zur Ausgliederung von Teilen seines US-Geschäfts in ein neues Joint Venture mit einer Investorengruppe abgeschlossen hat. Diese Vereinbarung soll die US-Regierung beruhigen, da TikToks Muttergesellschaft ByteDance nun knapp 20 % des neuen US-Unternehmens besitzt. Dies erfüllt eine Veräußerungsanforderung eines US-Gesetzes aus dem Jahr 2024, das TikTok und andere Apps mit Eigentümern in Ländern wie China, die von den USA als ausländischer Gegner eingestuft werden, zum Verkauf oder Verbot zwingt.
Die neuen US-Eigentümer von TikTok umfassen das Technologieunternehmen Oracle, die Private-Equity-Firma Silver Lake und die Investmentfirma MGX aus Abu Dhabi, die jeweils 15 % des neuen Unternehmens halten. ByteDance wird rund 20 % der Einheit besitzen, und verbundene Unternehmen bestehender ByteDance-Investoren werden rund 30 % halten, wie aus einem Memo vom Dezember hervorgeht. Weitere Investoren sind das Family Office von Michael Dell und ein von den Partnern des Wachstumsinvestors Dragoneer geführtes Venture. Insgesamt wurden 45 % der US-Operationen an eine amerikanische Investorengruppe veräußert.
Führung und Verantwortlichkeiten im Joint Venture
Das neu gegründete Unternehmen, "TikTok USDS Joint Venture LLC", wird die US-spezifischen Operationen abwickeln. Dazu gehören die Inhaltsmoderation, die Daten-Governance und die algorithmische Aufsicht. Adam Presser, der seit fast vier Jahren bei TikTok tätig ist und zuletzt die Bereiche Operations sowie Trust & Safety leitete, führt das neue Venture.
Der siebenköpfige, mehrheitlich amerikanische Vorstand des Joint Ventures umfasst auch TikToks CEO Shou Chew. Bereits im Januar begann das Unternehmen, seine US-Mitarbeiter in verschiedene juristische Einheiten aufzuteilen, je nachdem, ob ihre Arbeit weiterhin unter der Zuständigkeit von ByteDance verbleiben würde.
Die Rolle von Oracle und Datensicherheit
Oracle, MGX und Silver Lake werden als geschäftsführende Investoren im neuen US-Joint Venture fungieren, wobei ihr Fokus auf Bereichen wie der Datensicherheit liegen wird. Oracle wird dabei als designierter Sicherheitspartner eine führende Rolle einnehmen. Das Unternehmen ist verantwortlich für die Verwaltung von Daten-Audits, die Replikation und Umschulung eines neuen Algorithmus unter US-Jurisdiktion sowie die Sicherstellung der Einhaltung nationaler Sicherheitsvorschriften.
Ein zentraler Punkt des Deals ist, dass ByteDance keinen Zugriff mehr auf US-Nutzerdaten oder die Kontrolle über den amerikanischen Algorithmus haben wird. Dies soll die Bedenken der US-Regierung hinsichtlich des Datenschutzes und der nationalen Sicherheit adressieren.
ByteDance's verbleibende Anteile und Aufgaben
Obwohl ByteDance einen Großteil seiner US-Operationen ausgegliedert hat, behält das Unternehmen eine Minderheitsbeteiligung von knapp 20 % am neuen US-Joint Venture. Darüber hinaus bleiben wichtige kommerzielle Aktivitäten, einschließlich E-Commerce, Werbung und Marketing, weiterhin unter der Verantwortung von ByteDance. Diese Aufteilung der Verantwortlichkeiten definiert klar die Grenzen der Einflussnahme beider Parteien.
Der lange Weg zur Einigung: Eine Chronologie
Der Konflikt zwischen TikTok und der US-Regierung zieht sich bereits seit 2020 hin. Die wichtigsten Meilensteine, die zu diesem Investorendeal führten, sind:
- Juli 2020: Der damalige Präsident Trump signalisiert Pläne, TikTok wegen nationaler Sicherheitsbedenken zu verbieten.
- August 2020: Eine Executive Order zum Verbot von TikTok in den USA wird erlassen.
- September–November 2020: US-Gerichte blockieren das Verbot unter Berufung auf ordnungsgemäße Verfahren und mangelnde Beweise.
- Juli 2021: Präsident Biden widerruft das Verbot, äußert jedoch weiterhin Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes.
- Dezember 2022: Der Kongress verabschiedet ein parteiübergreifendes Gesetz, das auf ausländisch kontrollierte soziale Apps abzielt.
- März 2024: Die Gesetzgeber verabschieden eine entsprechende Gesetzgebung.
Was die Zukunft für TikTok in den USA bringen könnte
Der Deal soll am 22. Januar 2026 abgeschlossen werden, wobei die Vorbereitungen bereits im Gange sind. Was danach kommt, ist jedoch weniger klar. Ein Bloomberg-Bericht deutet darauf hin, dass TikTok nach Abschluss des Deals in seiner derzeitigen US-Form möglicherweise eingestellt und durch eine umbenannte Plattform ersetzt werden könnte. Die genaue Natur dieser potenziellen Nachfolge-App bleibt derzeit unklar und sorgt für zusätzliche Unsicherheit bei Nutzern und Marketern.