Top-Berater verlassen MBB & Big Four für Content Creation

Top-Berater verlassen MBB & Big Four für Content Creation

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Eine wachsende Zahl von Gen Z und Millennials, die einst begehrte Positionen bei Top-Beratungsfirmen wie McKinsey, Bain, Boston Consulting Group (MBB) oder den Big Four (PwC, KPMG, Deloitte, EY) innehatten, tauscht traditionelle Karrierepfade gegen eine Zukunft als Content Creator ein. Sie nutzen ihre Erfahrungen und Insider-Einblicke, um auf Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube ein großes Publikum zu erreichen und lukrative Einnahmequellen zu erschließen. Dieser Wandel unterstreicht nicht nur eine neue Definition von Erfolg, sondern auch das enorme Potenzial der Creator Economy.

Vom Berater zum Content Creator: Ein neuer Karriereweg

Der Reiz, Einblicke in die oft geheimnisvolle Welt der Unternehmensberatung zu geben, ist enorm. Beiträge über Consulting generieren Tausende von Aufrufen auf TikTok und Instagram, während der Hashtag #corporatelife auf TikTok über 1,7 Millionen Posts zählt. Ehemalige Berater von renommierten Firmen bringen dabei eine Glaubwürdigkeit mit, die ihnen hilft, eine engagierte Community aufzubauen.

Kelly He-Sun, die bei der Boston Consulting Group (BCG) bis zum Projektleiter aufstieg, verließ das Unternehmen 2024 nach fast sechs Jahren. Ursprünglich wollte sie Reise- und Lifestyle-Inhalte erstellen, doch ein Video über die typischen Arbeitszeiten in der Beratung ging viral. „Ich habe ein Video über die Anzahl der Stunden gemacht, die wir typischerweise arbeiten, und es ist einfach explodiert“, erzählte sie Business Insider.

Lukrative Ausstiege: Wenn Social Media das Gehalt übertrifft

Die Einnahmen aus der Content Creation können durchaus mit einem Beratergehalt mithalten oder es sogar übertreffen. Kelly He-Sun, die 2025 ihre Strategie intensivierte, hat im Jahr 2026 bisher rund 42.000 US-Dollar verdient. Mit über 50.000 Followern auf Instagram und TikTok generiert sie den Großteil ihrer Einnahmen durch Brand Deals, aber auch durch Affiliate Marketing, User-Generated Content und 1:1-Coaching. Sie hat bereits mit Microsoft, Indeed und mehreren SaaS-Startups zusammengearbeitet.

Joe Fenti, der 2024 seinen Job bei einer Big Four Beratungsfirma aufgab, ist heute Vollzeit-Comedian und Content Creator mit über 800.000 Followern. Er macht sich seinen Hintergrund zunutze, indem er die Beratungs- und Unternehmenskultur humorvoll aufs Korn nimmt. Eine seiner Sketche, „Timesheets In Consulting Make No Sense“, erreichte über 2,2 Millionen Aufrufe. Fenti kündigte erst, als seine Einnahmen aus Content, hauptsächlich durch Brand Deals mit Firmen wie Grammarly und Scribe, sein Beratergehalt überstiegen.

Auch Jack Kim, der letztes Jahr im Alter von 29 Jahren Bain verließ, erkannte das Potenzial. Er begann auf YouTube über Consulting zu posten und stellte fest, dass es ein riesiges Publikum gab, das nach Einblicken suchte, wie man in die Beratungsbranche einsteigt. Heute betreibt er mit einem Freund Casebuddy, ein 1:1-Mentoring-Geschäft, das Klienten durch den gesamten Bewerbungsprozess für eine Beraterstelle führt, von der Lebenslaufgestaltung bis zu Case Interviews. Die Kosten liegen je nach Service zwischen 1.300 und 6.700 US-Dollar, wobei die meisten Klienten über seine Social-Media-Präsenz auf das Angebot aufmerksam werden.

Der Aufstieg des B2B-Creators

Die Creator Economy, oft mit Konsumgütern assoziiert, gewinnt zunehmend an Bedeutung für B2B-Unternehmen. Diese Firmen suchen gezielt nach Creatorn, deren Publikum aus Berufstätigen besteht. Während Lifestyle-Influencer Marken wie Walmart oder Sephora bewerben, können Corporate Influencer Brand Deals mit SaaS-Unternehmen abschließen.

Brendan Gahan, Gründer von Creator Authority, beobachtet eine „Explosion“ der Anzahl von Creatorn, die sich auf Business- und Corporate-Themen konzentrieren. Er prognostiziert, dass der B2B-Influencer-Marketing-Markt bis Ende 2025 ein Volumen von 7,7 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Ein LinkedIn-Bericht aus dem Jahr 2025 bestätigt, dass B2B-Marketer Influencer nutzen, um Markenbekanntheit zu steigern, Vertrauen aufzubauen und Verkäufe zu generieren. Influencer können die Reputation einer Marke prägen und Entscheidungsträger in Unternehmen beeinflussen.

Dieser Trend zeigt sich auch im Wachstum von LinkedIn Content Creatorn und darin, dass Führungskräfte großer Unternehmen zu De-facto-Influencern werden. McKinsey hat beispielsweise seine eigenen „Top Voices on LinkedIn“ beworben, darunter Leader Bob Sternfels. Lara Sophie Bothur wurde als erste Corporate Influencerin von Deloitte Deutschland bekannt.

Ein Blick hinter die Kulissen der Beratungsbranche

Die Beratungsbranche ist bekannt für ihre Geheimhaltung, ihr hohes Prestige und ihre attraktiven Gehälter. Dies weckt bei jungen Berufstätigen eine große Neugier auf Insider-Informationen, sowohl über die Arbeitsweise als auch über den Einstieg. Jack Kim stellte fest, dass es beim Bewerbungsprozess für Consulting deutlich weniger Informationen online gab als für Bereiche wie Finanzen oder Jura. „Ich konnte niemanden finden, der speziell Berater-Content gemacht hat“, sagte er.

Joe Fenti glaubt, dass seine Inhalte resonieren, weil Consulting eine „nebulöse“ Branche voller „fluff answers“ darüber ist, was Berater eigentlich tun. Seine Witze über die Unternehmenskultur treffen einen Nerv, da MBB- und Big Four-Firmen zusammen über eine Million Menschen beschäftigen. Es sei „schön, die Welt, in der man lebt, widergespiegelt zu sehen und zu erkennen, dass die Frustrationen, die man empfindet, auch anderswo geteilt werden.“

Freiheit und Zukunftspläne

Keiner der befragten Content Creator plant eine Rückkehr in die Unternehmenswelt. Kelly He-Sun empfindet die Content Creation im Vergleich zur anspruchsvollen Beratertätigkeit als „wirklich einfach“ und plant, ihre Einnahmequellen im kommenden Jahr weiter auszubauen. Jack Kim liebt sein Mentoring-Geschäft und möchte es weiter ausbauen, strebt aber letztendlich danach, ein noch größerer Content Creator zu werden.

Joe Fenti möchte neben seiner Content Creation mehr Stand-up-Comedy machen und würde niemals zu einem Unternehmensjob zurückkehren. „Ich liebe es, mein eigener Chef zu sein. Ich liebe es, meinen eigenen Zeitplan zu erstellen“, sagte er. „Es ist so ein befreiendes Gefühl.“

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